Die Ursache des tragischen Flugzeugunglücks am Sonntag in Moskau ist noch nicht bekannt. Und doch scheint dieser Crash in Flammen als Symbol für die gescheiterten Ambitionen der russischen Industrie auf den Weltmärkten zu stehen.

Suchoi ist ein Hersteller, der im Kalten Krieg für seine robusten Kampfflugzeuge renommiert war. Mit der Entwicklung des „Superjet“ getauften Regionalflugzeugs, der ersten Neuentwicklung eines russischen Airliners nach dem Zerfall des Sowjetblocks, wollte United Aircraft Corporation (das Konglomerat, zu dem auch Suchoi gehört) der Welt seine Kompetenz im Bereich des zivilen Flugzeugbaus demonstrieren. So wie die Sache gegenwärtig ausschaut, droht dieses Vorhaben allerdings kräftig in die Hose zu gehen.
Dabei gibt es keinen Zweifel daran, dass Russland über hervorragende Ingenieure und Wissenschaftler (nicht nur) im Bereich der Aeronautik verfügt. Doch sobald es darum geht, das Ganze praktisch in Musik zu setzen, fangen die Scherereien an.

Drei „westliche“ Fluggesellschaften hatten sich für den Superjet entschieden: die mexikanische Interjet und – mit einem Umweg über die irische Gesellschaft Cityjet – auch Brussels Airlines. Interjet und Cityjet haben mittlerweile ihre Flotte stillgelegt und die Brüsseler auf eine Verlängerung ihres Wet-Leasing-Vertrags (bei dem die Maschine samt Mannschaft übernommen wird) dankend verzichtet. Die slowenische Gesellschaft Adria Airways hat gar ihren Vertrag über den Bezug von 15 Maschinen annulliert, bevor das erste Exemplar überhaupt geliefert war.

Zuvor hatte sich der ebenfalls enttäuschte italienische Flugzeugbauer Leonardo weitgehend aus einer gemeinsam mit Suchoi betriebenen Gesellschaft namens Superjet International zurückgezogen, welche die globale Vermarktung und Wartung dieses Typs zum Ziel hat.
Dabei sind die Superjets bei den Passagieren durchaus populär.

Das Problem liegt vielmehr bei der weitgehenden Unfähigkeit Suchois, den Bedürfnissen und Wünschen seiner Kunden auf auch nur annähernd befriedigende Art und Weise Rechnung zu tragen.

Dutzende Superjets mussten am Boden bleiben – wo sie ihren Eigentümern sowohl keinen Cent einbrachten als auch noch viel Geld kosteten –, weil es der russische „Airframer“ nicht für nötig befunden hatte, die Versorgung mit Ersatzteilen sicherzustellen. Ein Problem, das durch lausige Zuverlässigkeit, die aus teils erheblichen Mängeln bei der Fertigungsqualität resultierte, verschärft wurde.

Reklamationen wurden, den Verantwortlichen der betroffenen Airlines zufolge, durchwegs mit sibirischer Grobheit abgebügelt. Der Kunde als König? „Den letzten von der Sorte haben wir hier 1918 mitsamt seiner Sippschaft erschossen!“

So, liebe Whataboutisten, und nun dürft ihr auch mal ran: „Ja, aber was ist mit Boeing und den Crashs der 737 MAX?“ Nun, das Problem ist dort etwas anders gelagert: Der amerikanische Hersteller ließ, hauptsächlich aus nackter Profitgier, Hunderte Passagiere in den Tod fliegen.

Russland dagegen will mit dem Superjet demonstrieren, dass es in der Lage ist, mehr als Bodenschätze und Waffen zu exportieren. Doch hauptsächlich wegen Schlamperei und weitgehender Unkenntnis der Welt da draußen kriegen die das einfach nicht gewuppt.
Was langfristig dieser Volkswirtschaft keine besonders erfreulichen Aussichten eröffnet.

7 Kommentare

      • Es war nicht die ‘Graf Zeppelin’ sondern die ‘Hindenburg’, und die musste mit einer Füllung aus Waserstoff fliegen, weil die USA kein Helium liefern wollten. Übrigens flogen alle Zeppelinluftschiffe, und nicht nur die, mit Dieselmotoren.

  1. Weil in Russland vorne und hinten nichts klappt, kaufen die für die Misere verantwortlichen Putinfreunde sich Anwesen im Ausland für Hunderte Milliarden Euro. Die Familien der Oligarchen leben öfter bereits im Ausland, ihre Kinder besuchen Schulen in England und der Schweiz usw.

    Das Schicksal der Bevölkerung ist ihnen so egal wie es seinerzeit dem Zaren war.

  2. Sie sollen et dobei lossen wat sie wirklech gut kennen: Nopeschlänner iwerfalen, Diktaturen ennerstetzen an an der ganzer Welt steppelen.

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