Mit über 150 Millionen verkaufter Exemplare weltweit, 290 Übersetzungen in verschiedene Sprachen und Dialekte und geschätzt 400 Millionen Lesern gehört Der kleine Prinz zu den meistgelesenen Büchern nach der Bibel und den meistverkauften nicht-religiösen literarischen Werken.

Von Martina Kaub

Von einem anderen Stern kommend wünscht er sich einen Freund, mit dem er seine Erfahrungen teilen, dem er Fragen stellen und vertrauen kann. Mitten in der Einsamkeit der Wüste findet er ihn in dem notgelandeten Piloten, dem Alter Ego seines geistigen Schöpfers Antoine de Saint-Exupéry. Beide haben weltweit Berühmtheit erlangt und Millionen Freunde und Freundinnen gefunden, in allen Altersgruppen, über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg. Eine Begegnung mit ihnen ist fast überall und jederzeit möglich.

„Einmal war es mir beschert, bis zum Herzen der Wüste vorzudringen. Auf einem Langstreckenflug nach Indochina blieb ich 1935 im Sande stecken. Damals meinte ich, nicht lebend davonzukommen …“ Antoine de Saint-Exupéry, nicht nur Autor, Schriftsteller und Kriegsberichterstatter, sondern auch leidenschaftlicher und unerschrockener Pionier der zivilen Luftfahrt, war zusammen mit seinem Mechaniker in der libyschen Wüste abgestürzt und erst nach mehreren Tagen von Karawanenführern gefunden worden. Eindrücklich und intensiv schildert er dieses Erlebnis in seinem Werk „Terre des hommes“ von 1939 (dt. Titel „Wind, Sand und Sterne“, 1956), für das er den „Grand prix du roman“ der „Académie française“ erhielt.

Zwei Dinge waren für ihn zeitlebens essenziell: das Fliegen und das Schreiben, jedoch nicht um ihrer selbst willen. Mit der Neugier eines Forschers unternahm er Versuchsflüge zur Erkundung neuer Flugrouten oder machte sich unter Einsatz des eigenen Lebens auf die Suche nach vermissten Kollegen.

Als Teil einer Aufklärungseinheit im Zweiten Weltkrieg brach er mehrmals zu Sondermissionen auf: „Ich suche nicht die Gefahr, ich weiß, was ich suche: Ich suche das Leben.“ Aus innerer Notwendigkeit schrieb er das Erlebte in Form von Augenzeugenberichten, autobiografischen Erinnerungen oder tiefgründigen, philosophischen Betrachtungen nieder. Häufig lässt er diese Textsorten ganz selbstverständlich ineinanderfließen und konfrontiert das konkrete Geschehen mit Fragen nach Sinn und Wert. Vor dem Hintergrund der selbst erfahrenen Einsamkeit in der Wüste, die ihn an die äußersten Grenzen des (Da-)Seins führte, verfasste er 1943 auf Wunsch seines amerikanischen Verlegers das Kunstmärchen vom kleinen Prinzen für Kinder und Erwachsene.

Saint-Exupérys Interesse am Menschen ist umfassend und bedingungslos, den Sinn des Lebens glaubt er nur in den menschlichen Beziehungen zu finden. Deren Gelingen stehen Eitelkeit, Stolz und Selbstverliebtheit, Macht- und Gewinnstreben, Forschen um des Forschens willen, Banalität und Fantasielosigkeit entgegen – Charaktereigenschaften, denen der kleine Prinz auf seinem und den Nachbarplaneten begegnet. Mit dieser Figur hat Saint-Exupéry ein Gegenüber geschaffen, das ihm selbst, den Leserinnen und Lesern nur scheinbar simple, dabei wesentliche und ganz grundlegende Fragen stellt.

VERANSTALTUNG
Lesung “Der kleine Prinz” mit August Zirner & Kai Struwe: Freitag, 1.Februar 2019, 20 Uhr, 2 Porte St. Willlibrord, Echternach

Dieser Meister der Erzählkunst bezaubert durch die schlichte, zeitlose Sprache, die den Kern unserer menschlichen Existenz berührt. Seine universelle Botschaft wird überall auf der Welt verstanden: Liebe, Freundschaft, Fürsorge, Empathie und ethisches Handeln bilden das Fundament für das soziale Miteinander der Menschen. So verwundert es nicht, dass dieses kleine Buch heute ein globales Phänomen im Verlagswesen darstellt. Mit über 150 Millionen verkaufter Exemplare weltweit, 290 Übersetzungen in verschiedene Sprachen und Dialekte und geschätzt 400 Millionen Leserinnen und Lesern gehört es zu den meistgelesenen Büchern nach der Bibel und den meistverkauften nicht-religiösen literarischen Werken.

Seit dem Erlöschen der Urheber- und Verlagsrechte 2015 sind zahlreiche Neuübersetzungen erschienen, die sich je nach sprachkünstlerischem Anspruch mehr oder weniger an die Originalvorlage halten. Großer Beliebtheit erfreuen sich seit langem Hörbücher von bekannten Film- und Theaterschaffenden, mit oder ohne Musikbegleitung. Auf Theaterbühnen und in Opernhäusern erleben Menschen weltweit unzählige Sternstunden mit dem kleinen Prinzen in unterschiedlichen Aufführungsformen. So zeigt zum Beispiel die Drehbühne Berlin im Admiralspalast in der Weihnachtszeit eine multimediale Produktion von Schau- und Puppenspiel, Livemusik und Filmsequenzen mit großem Erfolg. Die Washington National Opera feiert „The Little Prince“ mit der Musik von Oscar-Preisträgerin Rachel Portman seit der Uraufführung 2003.

Ob als Theaterstück, Singspiel oder Musical: Für viele städtische Bühnen, allgemeine und Musikschulen gehören regelmäßige Aufführungen zum Repertoire. Nicht zu vergessen die vielen filmischen Adaptionen; die in jüngster Zeit bekannteste von Mark Osborne wurde mit dem César in der Kategorie Bester Animationsfilm (Langfilm) 2016 ausgezeichnet. Jetzt in der Winterszeit mit dem Zaubervirus des kleinen Prinzen infiziert zu werden, könnte das Immunsystem gegen Fake News, Hate Speech und andere menschenunwürdige Zeitphänomene stärken.

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