Fast wie Waldgeflüster an einem sonnigen Frühlingsmorgen schallten am gestrigen Ostermontag die Klänge der jährlichen Éimaischen durch die Stadt. Schon früh trafen sich die ersten Sammler auf dem Fischmarkt, um die prächtigsten „Péckvillercher“ des Jahrgangs 2019 zu ergattern.

Von Laura Tomassini

Aus allen Winkeln und „Gässelcher“ der Alstadt ertönte das muntere Gezwitscher der kleinen Tonpfeife. Auch eine ganz besondere Besucherin hatte sich am Ostermontag auf dem Emmaus-Fest eingefunden. Zwar verrät ihr Name die enge Verbindung zur Luxemburger Tradition nicht direkt, doch Lily Weisgerber kennt die Éimaischen wohl besser als ihre eigene Westentasche: „Ich bin mit den ‘Péckvillercher’ groß geworden.“

Ihr Vater, Jean Peters, vielen als „Péiters Jhang“ bekannt, stellte 1931 nach 20-jährigem Produktionsstop wieder die ersten Ton-Vögelchen in Luxemburg her und ließ somit eine verloren geglaubte Tradition wiederaufleben. „Eigentlich war mein Vater Keramiker bei Villeroy, ‘Péckvillercher’ hat er nur als Hobby hergestellt“, sagt die gebürtige Réckendallerin. Bis zu seinem Tod kurz vor seiner 50. Éimaischen im Jahr 1980 hat der Aulenbäcker in Nospelt Tausende der bunten Vogelpfeifen, stets nach ganz eigener Manier, geschaffen.

Als “Péiters Jhang” die Tradition wiederaufleben ließ

„Er hatte traditionell drei bis vier Modelle, die immer gleich waren“, erzählt Lily Weisgerber. Sie selbst hat nie aufgehört, das Hobby ihres Vaters zu ehren und jedes Jahr ein neues Vögelchen in die hauseigene Kollektion aufzunehmen. Einige Hundert meint die Sammlerin zu besitzen und auch auf der diesjährigen Éimaischen hat Lily wieder einen kleinen Schatz gefunden: „Ich habe ‘Péckvillercher’ aus der ganzen Welt, denn die Tradition existiert ja nicht nur in Luxemburg. Die einzige Pfeife, die ich aber heute gekauft habe, ist eine aus Glas von Pascale Seil. Da fand ich, die musste einfach mit.“

Fündig geworden ist auch die Familie von Sandra aus Junglinster. Gleich zwei Keramikpfeifen haben es den Jungen angetan, stolz präsentiert der kleine Nando seine Errungenschaft: „Das macht so coole Geräusche.“ Auf die Frage, warum er gerade diesen Vogel ausgewählt hatte, antwortet sein Bruder Ryck: „Weil er so witzig aussieht.“

Die Familie ist zum ersten Mal auf der Éimaischen in Luxemburg-Stadt – laut Vater Mike wird es aber definitiv nicht das letzte Mal sein. „Meine Frau hat uns überzeugt, herzukommen, und jetzt sind wir alle begeistert. Ich kann mir vorstellen, dass es bei uns nun mit dem ‘Péckvillchen’-Sammeln losgeht.“

Auch ausgefallene Formen dabei

Die Keramikerin Madia Sgura ist auch dieses Jahr auf der Éimaischen vertreten. Neben den herzförmigen Vögeln, die sie zum diesjährigen Valentinstag kreiert hatte, stachen vor allem die etwas speziell geformten Modelle von 2018 ins Auge. „Was mir daran so gefällt, ist die Farbvariation. Je nach Farbe sieht der ‘Péckvillchen’ eher aus wie ein Pinguin oder aber wie ein bunter Vogel“, erklärt Madia Sgura.

Ihre Modelle, die aus drei Teilen bestehen, werden alle auf der Drehscheibe gefertigt und anschließend zusammenmodelliert. Wichtiger Punkt bei der Herstellung: „Sie müssen natürlich pfeifen“, sagt die Keramikerin schmunzelnd.

Und das taten sie, und zwar im Einklang mit den vielen anderen kleinen Vögelchen, die am Ostermontag nur darauf warteten, endlich in ein neues Zuhause einziehen zu dürfen.

 

 

 

 

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