Mit dem Sieg bei der 22. Auflage der „Boels Ladies Tour“ feiert Christine Majerus den bisher größten Erfolg ihrer Karriere. Noch nie stand die 32-Jährige zuvor bei einer World-Tour-Rundfahrt am Ende auf dem obersten Treppchen.

Eigentlich sieht man sie ja seit Jahren im rot-weiß-hellblauen Landesmeistertrikot, doch nach der vorletzten Etappe der sechstägigen Rundfahrt durch die Niederlande trug Christine Majerus auf einmal die Farbe Orange auf ihren Schultern. Ein Trikot, dass sie auch auf der gestrigen Etappe nicht mehr hergeben sollte und in Arnheim mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht entgegennahm. Grund dafür hatte sie allemal, denn der Gesamtsieg bei der 22. Auflage der „Boels Ladies Tour“, der Heimatrundfahrt ihres Teams Boels-Dolmans, hat für Christine Majerus einen ganz speziellen Stellenwert: „Dieser Erfolg ist etwas ganz Besonderes, denn es ist mein erster bei einem World-Tour-Rennen. Ich konnte auf diesem Level zwar schon Etappenerfolge feiern, aber noch nie die Gesamtwertung, das ist eine ganz andere Sache. Ich kann schon sagen, dass dies der schönste und prestigeträchtigste Erfolg meiner bisherigen Karriere ist, an den ich mich noch lange erinnern werde.“

Auf Majerus und ihrem Team lag in den vergangenen Tagen ein ganz spezieller Druck, schließlich ist der Hauptsponsor ihres Teams auch derjenige der Rundfahrt, die am Dienstag mit einem Prolog in Sittard-Geleen begann. Nach diesem lag die Sportlerin des Jahres bereits in aussichtsreicher Position: Rang acht auf gerade mal elf Sekunden. Vor der im Endeffekt entscheidenden Etappe am Samstag stand mit Rang zehn, 23 Sekunden hinter der bis dahin führenden Lisa Klein (D/Canyon SRAM Racing), noch immer ein Top-Ten-Platz.

Paukenschlag

Dann folgte jedoch der Paukenschlag auf dem 135,6 Kilometer langen Teilabschnitt von Arnheim nach Nimwegen: Im Alleingang schloss Christine Majerus 38 Kilometer vor dem Ziel zum Spitzentrio Riejanne Markus (NL/CCC-Liv), Franziska Koch (D/Sunweb) und Sara Penton (SWE/Team Virtu) auf. Zwischenzeitlich vergrößerte die Spitzengruppe ihren Vorsprung auf zwei Minuten, doch auch wenn im Peloton nun Gas gegeben wurde, konnte man durch eine viel Führungsarbeit leistende Majerus 44 Sekunden ins Ziel retten. Zwar musste Majerus im Sprint um den Tagessieg der Deutschen den Vortritt lassen, doch als Bestplatzierte des verbleibenden Trios – Penton war zurückgefallen – übernahm die Luxemburgerin die Gesamtführung. Eine für sie doch ungewohnte Rolle: „Normalerweise übernehme ich im Team ja nicht die Rolle der Kapitänin. Ich bin vielmehr die Teamkollegin, die angreift oder auf Attacken lauert.“ Gestern durfte sich Majerus dann ihrerseits auf ihre Teamkolleginnen verlassen, die wertvolle Arbeit verrichteten und die letzte Etappe über 154,8 Kilometer nach Arnheim kontrollierten. Am Ende stimmten auch die Beine bei der Trägerin des Leadertrikots und Majerus kam mit der Spitzengruppe um die Tagessiegerin Chiara Consonni (I/Valcar Cylance) auf Rang zehn ins Ziel.

Neben dem Sieg in der Gesamtwertung durfte sich Christine Majerus noch über ein weiteres Erfolgserlebnis freuen: Ihr Team Boels-Dolmans sicherte sich nämlich auch den ersten Platz in der Teamwertung, dies mit einem Vorsprung von 49 Sekunden auf CCC-Liv.
In den vergangenen zehn Jahren gab es übrigens acht Mal einen niederländischen Erfolg bei der „Boels Ladies Tour“. 2019 konnte sich nun erstmals eine Luxemburgerin ins Palmarès eintragen.

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here