Das ist also das neue Normal für die CSV: 21,10 Prozent an der Wahlurne, nur noch zweitstärkste Partei im Land. Acht Monate nachdem die einstige ewige Regierungspartei bei den Parlamentswahlen auf 28,9 Prozent gefallen war, jetzt also ein Absturz in historischen Dimensionen. Sicher hat auch eine Rolle gespielt, dass die Christsozialen bei der Listenaufstellung ein Experiment am lebenden Objekt gewagt haben. Jetzt haben sie die Bestätigung: Ja, im luxemburgischen Wahlsystem sind bekannte Namen weiter wichtig. Aber das erklärt nicht alles. Darauf, dass in der Partei nach diesen Wahlen endlich Ruhe einkehren wird, sollte niemand zählen.

Zum neuen Normal gehört auch, dass gerade mal 21,44 Prozent genügen, um bei Wahlen die stärkste Partei zu werden. Dank Premier-Bonus und, mit Charles Goerens, des bekanntesten europapolitischen Kopfes dieser Wahlen erreicht die DP erstmals wieder seit 1979 einen zweiten Sitz im Europäischen Parlament. Die andere Seite dieser Medaille besteht darin, dass ganze fünf Parteien über zehn Prozent der Wähler zu überzeugen wussten. Luxemburg schreibt sich hier in eine gesamteuropäische Tendenz ein. Die Parteienlandschaft zersplittert. Stabile Mehrheiten werden immer schwieriger zu bilden sein.

Eine Schlüsselposition beim Bilden von Mehrheiten in Europa nehmen in diesem neuen Normal immer öfter die Grünen ein. Mit 18,91 Prozent haben sie auch in Luxemburg einen neuen Rekord erreicht – und das ohne ihren langjährigen EU-Abgeordneten Claude Turmes. “déi gréng” waren mal der Große unter den kleinen Parteien. Jetzt sind sie dabei, sich als drittstärkste politische Kraft zu etablieren.

Die LSAP hingegen findet keinen Ausweg aus der tiefen Krise, die die Sozialdemokratie in ganz Europa heimsucht. Vor fünf Jahren stürzten die Sozialisten als Teil einer damals unpopulären Regierung um fast acht Prozentpunkte auf 11,75 Prozent ab. Und 2019? Mit 12,19 Prozent stagnieren sie auf historisch niedrigem Niveau. Die Krisenstimmung bleibt.
Wie gut einfache Parolen bei so manchem Wähler ankommen, ist ein anderes neues Normal. Inhaltlich hatte die Piratenpartei nun wirklich nicht viel in diesem Europawahlkampf anzubieten. Dennoch hat sie erneut zugelegt. Für die ADR wird es umso schwieriger, Schlussfolgerungen aus dem besten Resultat (10,4 Prozent) seit ihrem Bestehen bei Europawahlen zu ziehen: Wurde es erreicht, weil man sich für ein Europa der Nationen starkgemacht hat? Oder aber, weil man den Tierschutzslogan der Piraten kopiert hat?

Zum erfreulichen neuen Normal in der gesamten EU gehört, dass die proeuropäischen Kräfte nicht mehr bereit scheinen, den europakritischen Stimmen das Feld kampflos zu überlassen. Die (für Europawahlen) hohe Wahlbeteiligung von offenbar über 50 Prozent beim Bestimmen der Abgeordneten im fernen Straßburg ist auf jeden Fall eine gute Nachricht für die Demokratie.

13 Kommentare

  1. Interessant wier och ze analyseieren weivill Leit guer net wählen wären – trotz Wahlpflicht. Bei eis am Wahlbüro wären et iwwert 10%! An ech mengen datt et an aneren Büroen ähnlech wär.

    • Ech mengen d’CSV-Wieler woeren alleguer wielen!! Se stierwen sou lues aus. Als Atheist wielen ech keng Partei déi sech zu enger Sekt bekennt. Am 21. Joerhonnert,wou d’Kulturen zesummewuesse mussen(!),däerf Relioun an der Politik keng Roll méi spillen. Mir sinn net am Iran oder ä. Ännert den Numm an de Programm,da geet ëtt nees biergop.

      • Si solle mat de Sozis fusionnéieren, si huelen den C aus dem Numm a déi aner den A, dee schons lang keng Roll méi spillt. LSVP = Lëtzebuerger SozialVolleksPartei.

  2. Dass die Grünen immer mehr Stimmen bekommen scheint mir normal. Man wirft den Rechten zwar immer vor Politik mit “Angstmacherei” zu betreiben, doch tatsächlich handelt es sich um das Kerngeschäft der Grünen. Klimawandel, Gletscherschmelzen, Massenaussterben, Plastik etc etc… Es vergeht kein Tag an dem das Ende der Welt nicht näher rückt und nur die Grünen können uns Retten.

    • Die ” Grünen “zeigen auf reale Missstände hin . Klimaveränderung, Gletscherschmelzen im Hochgebirge, Schmelzen der Polarkappen, Umweltverschmutzung u.a. durch Plastik und C02 sind keine Erfindung der ” Grünen “, es sind Tatsachen. Nicht die ” Grünen ” können uns retten, wir selbst müssen uns retten und jeder Einzelne muss dazu beitragen anstatt die Augen zu schliessen. Die Bösen sind die Verursacher und nicht die, die das Übel aufdecken und uns vor der Katastrophe warnen!

      • @ boufermann: Ganz richtig was Sie schreiben.
        Und wer die Grünen nur als Verbotspartei ansieht, ignoriert, dass es nicht möglich ist sich den Pelz zu waschen ohne nass zu werden.
        Genau das versprechen andere Parteien: Umweltschutz ja, darf aber nichts kosten, nicht weh tun also man soll ihn nicht merken.

        Nur ein Beispiel : Fehlt mir etwas im Leben wenn nicht immer alles aus Plastik ist, dazu in Plastik verpackt ? Nicht unbedingt finde ich.

  3. Richtig und gut so, die CSV ist nur noch eine Partei unter vielen. Trotzdem, kein Grund zur Freude für die LSAP, sie riskiert, in ihrem freien Fall, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Es ist schon alarmierend, wenn nur noch 13 Wähler/innen von 100 für die Sozis stimmen. Kommt das etwas davon, wenn man nach den Sternen greift, statt sich für eine gerechtere Sozialpoitik stark zu machen?

  4. ADR: “Wurde es erreicht, weil man sich für ein Europa der Nationen starkgemacht hat? Oder aber, weil man den Tierschutzslogan der Piraten kopiert hat?” Dieses Abkupfern und sich mit fremden Federn schmücken – müsste, sollte schon dem Naivsten aufgefallen sein und deshalb noch mehr Grund zum Rätselraten der Partei liefern.

  5. Charel.
    Et goufen Tyrannen a fréieren Zäiten déi di Männer käppe geloos hun déi hinnen schlecht Noriichten bruecht hun. Mé déi Männer konnten awer fir näischt!!! Op déi Art a Weiss réagéiert de JEAN wann e séét, dat déi Gréng schlecht Noriichten vum Klima bréngen. Sin éieren déi Gréng Schold un dem miserabelen Zoustand vun eiser Weltkugel?

  6. Der CSV hir Wieler si wuel éischter eeler Leit, a wann d’CSV genau un deene Leit hir Rente well piddele goen, da wielen déi emol virsichtshalber déi Blo oder déi Brong. Also dat bekanntent Bild: den Ascht ofseeen wou een drop setzt…

    • Dat kann ee sou gesinn, muss een awer net. De Problem läit éischter drun, datt rietsextrem/staark riets Parteien hinne massiv Stëmmen ofgeholl hunn, ëmmerhi gi ganzer 18,27 bei sou Parteien, dat ass bal all 5. Wieler. Déi Tendenz ass hoffentlech net irreversibel.

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