Die Zeiten, als Lehrer neben Pfarrer und Arzt als quasi unangreifbare Respektspersonen galten, sind längst vorbei; dass der Berufsstand mittlerweile über wachsende Respektlosigkeit und einen Mangel an Anerkennung seitens der Gesellschaft im Allgemeinen, aber auch von Eltern und Schülern klagt, mag auf den ersten Blick verwundern.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar von Robert Schneider

758 der insgesamt rund 3.000 diplomierten Lehrer, der sogenannten Lehrbeauftragten und einige Quereinsteiger machten bei einer Befragung der FGIL („Fédération générale des instituteurs luxembourgeois“) und des OGBL-Syndikats SEW mit und verdeutlichten so das tiefe Unbehagen, das unter der Lehrerschaft herrscht: Hohe Krankenstände, ein großer Wunsch vieler Lehrer nach Teilzeit und Klagen über mangelnden Respekt prägen die Aussagen der Umfrage, die SEW-Präsident Patrick Arendt zum Anlass nimmt, eine breite Kampagne für eine gesellschaftliche Renaissance des Berufs zu starten.

Entgegen der Aussagen von Bildungsminister Claude Meisch, der so tue, als sei in den Schulen des Landes alles in bester Ordnung, klappe immer weniger in den Grundschulen. Fehlende Lehrer, ein aufgeblasener Verwaltungsapparat, Wegfallen von zahlreichen Unterrichtsstunden seit Einführung der Kontingente pro Schule, Inklusion von Kindern mit speziellen Bedürfnissen fast ohne Hilfestellung, weggefallene Nachhilfestunden, Kinder, die nicht mehr zur Ruhe kommen, neu eingesetzte Regionaldirektoren, die keinen Mehrwert bringen: Die Liste der Beschwerden ist lang und wird nun durch die mehr als repräsentative Umfrage bestätigt (eine ähnliche Erhebung läuft übrigens zurzeit bei den Sekundarschullehrern).

So fühlen sich die meisten Lehrer stark gefordert bis überfordert: Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht gefordert) bis 5 (überfordert) beträgt der Durchschnittswert der angegebenen Antworten circa 3,5. 10 Prozent der Lehrer gestehen, dass sie überfordert sind. Hätten sie die Möglichkeit, von vorne zu beginnen, würden knapp zwei Drittel den Beruf unter den aktuellen Bedingungen nicht noch einmal wählen, dies obwohl über 97 Prozent angeben, sie würden gerne Kinder unterrichten. Drei Viertel gar würden Jugendlichen von der Berufswahl des Lehrers abraten. 56 Prozent dachten sogar schon über einen Berufswechsel nach.

Von Schlaflosigkeit bis zum Burn-out

Auch gesundheitlich geht der Beruf nicht spurlos an den Lehrern vorbei, auf einer Skala bis 5 stufen die Studienteilnehmer die Belastung ihres Jobs um den Wert 3 ein. Noch aussagekräftiger sind allerdings die beigefügten Kommentare. Ganze Krankengeschichten bekamen die SEW-Verantwortlichen präsentiert: Von Unruhe, Schlaflosigkeit über Angstzustände bis hin zu Depressionen reichen die Auswirkungen des Schulalltags.
Respektiert fühlen die meisten Lehrer sich mittlerweile kaum noch. Empfinden sie im Bekanntenkreis noch ein gewisses Maß an Respekt, so ist dies seitens der Medien, der Politik und der Gesellschaft weitaus weniger der Fall. Auch die Ergebnisse beim empfundenen Respekt der Eltern und Schüler sind verbesserungsfähig.

Die Regionaldirektionen, die unlängst geschaffen wurden, kommen bei der Lehrerschaft überhaupt nicht gut an. 35 Prozent empfinden diese neuen Gremien als zusätzliche Belastung bei der Arbeit, bestenfalls haben sie keinen Einfluss auf diese (52 Prozent der Antworten).

Es sei demnach höchste Zeit, die Schule zu retten, so das SEW, das möchte, dass über das Thema verstärkt öffentlich diskutiert wird. Immerhin scheint der explosive Inhalt der Studie das Ministerium schon aufgeschreckt zu haben; erste Zeichen hierfür machten die Lehrervertreter bereits aus.

21 Kommentare

  1. Di Beschtbezuehlten ob der Welt , an awer emmer onzefridden !

    Wann keen Respekt geint eniwer iech ass , ass daat aert egend Versaeumniss !
    Et muss een sech Respekt verschaafen !

    • Respekt virun aaneren Persounen,daat hun mär schon doheem geleïert,mee,haut geheien deï meescht Elteren d’Bengelen bei d’Tromm….keng Zeit,keen Wellen an esou weider.Mee,d’Leïerpersonal kann daat nit riichtbeïen,och wann sie gudd bezuëlt sin!

    • Waat huet daat dann elo erem mam Salaire ze din,hei steet néierens dass se net genuch verdëngen oder eppes fuederen ..Wéih wir et wann en beim Thema géif bleiwen.
      Jo den Respekt as leider haut bei villen Leid verluer gang an zwar muss en soen net nëmmen bei de Kanner mais och bei den Erwuessenen.Souvill zum Repekt muss een sech verschaafen.

    • @Nomi: Gitt mol 1 Dag an t’Schoul kucken,VdL, Gare…, da gitt Dir rem hannertsech eraus, wann Dir net scho virdrun e Stull an de Kapp geheit krut, oder oder mat engem Messer verletzt gouft. Lauschtert wi e Schüler am 3. Schj. “sale pute” zu der Joffer seet, well se säin Heft gefrot huet. Oder am 5. “Feck dech an de Knéi” well t’Kenni keng Prüfung schreiwe well, an dann eng Datz kritt. Oder nom cours en Alkoholikerpapp Iech an der consultation pour parents bedréit “Ech schloën dech freckt”, well Dir säi gemenggeféierlecht Kläpper-Kand der assistante sociale (inefficace) gemellt huet… An dann wwerleet Dir mol, @Nomi, iwwer Respekt, den enseignant kann keen verlangen, wann kiddies es nie doheem geléiert hunn, an och zu der Mamm soen: “Haal t’Maul al Houer”!

    • @ Nomi: ech géif iech mol gär gesinn an enger sog. Sauklass, do laaft dir no 2 Stonn scho fort, pinschend! Da kennt dir den erfahrenen Proffen, déi richteg, jo weisen wi dir iech Respekt verschaft…

    • Könnt mer ierch virstellen Schoul ze haalen.Dir wird déi 1 déi sech an der heiteger Zeit géif Respekt verschaafen.Ier een esou schnell e commentaire ofged,wir et emol besser um Terrain ze recherchéieren well do geseid et ganz aneschtes aus.

    • Kein Wunder! Das kommt dabei heraus, wenn die Kinder von Geburt an kleine Könige sind, dementsprechend behandelt werden und stets im Vordergrund stehen. Hinzu kommt, dass jeder mit einem Volksschulabschluss ein selbsternannter Experte in Sache Erziehung und Bildung ist. Es ist nicht Aufgabe der Schule, das an Erziehung in der Familie Versäumte nachzuholen oder zu korrigieren. Ausserdem, wenn Kinder keinen Respekt vor ihren Eltern haben, wie und warum sollten sie sich dann dem Schulpersonal gegenüber anders verhalten?

  2. ” Und wenn dann das Kind sagt: Papa du Arschloch,dann heisst die richtige Antwort: Oh,oh,oh! Wir hatten abgemacht,dass du Karl Heinz zu mir sagst.” So geht das in der antiautoritären Familie,wo das Kind als erstes seine Rechte vor dem Lehrer eingetrichtert bekommt und nicht seine Pflichten. Sogar wenn das Wunderkind schlechte Noten mit bringt ist das immer die Schuld des Lehrers. Kein Wunder,beide Eltern arbeiten,kommen k.o. nach Hause und dann noch sich mit dem Balg rumschlagen?! Der Lehrer soll gefälligst seine Arbeit tun.”

    Soll früher wirklich alles besser gewesen sein? Nein,natürlich nicht.Aber vieles war eben gut und man hätte die Finger davon lassen sollen. ” Es gibt eine Fackel in unserer Gesellschaft,der Lehrer. Und jemanden der dieses Licht löscht,der Pfarrer.” ( V. Hugo )

  3. Mäin Mann war virun Jooëren Proff an engem Lycée an der Staadt, an hien haat säin Beruf mat gro’ssem Entousiassmus ugaangen. Mëtt 70zeger Jooëren.
    Fier all Scho’ldaag war hiën beschtens vierbereet, d’Prüfungen huët hien ëmmer mat gro’sser Genauegkeet verbessert, je, hiën haat säin Beruf ganz gären.
    Mäh mat den Jooëren ass an den Scho’len den Respekt bei den Schüler, an och leider bei den Elteren, ëmmer
    me’h an den Keller gerutscht. Onopmierksamkeet vun den Schüler, an d’Brutalite’t hun sech zu engem gro’ssen Probleem entweckelt. Vill Proffen hun de’ ganz Situatio’n nach just mat Widdermut erdrooën, an sin an eng Depressio’n gerutscht. Dann ko’m de bürokrateschen Opwand derbäi, asw. Zum Schluss kann dat Ganzt zur absoluter STRESS-Situatio’n beim Scho’lpersonnal ausarten. Mäin verstuërwene Mann ass duërch de’ ganz Situatio’n zu Grond gaangen. Enttäuschung op der ganzer Linn. Schuëd. Et muss aanescht gin…..!!!!!!!

  4. Die geringe Wertschätzung der Lehrer führt dazu, dass trotz guter Bezahlung und viel Urlaub ein Mangel an Sekundarschullehrer herrscht in allen Fächern in denen die Wirtschaft und Industrie gute Alternativen bietet: Mathematker, Informatiker, Ingenieure, Handwerksmeister,…. Aus diesem Grunde hat Minister Meisch die entsprechende Ausbildung wesentlich weniger anspruchsvoll und selektiv gestaltet in der Hoffnung neue Proffen anzulocken.

  5. Vielleicht die Eltern an die Kandare nehmen, die haben doch ErzIehungspflicht. Z.B. keen Kannergeld méi wann de Bengel séch dernieft behëllt. E groussen Deel vun den Elteren mengen wierklech d’Léierpersonal wär fir d’Erzéihung vun hiren Kanner do, dat hun ech schon Änn de 90-er mat Erstaunen an den Elterenversammlungen matkritt. Wéi soot eng Madam deemols: Ech schaffen den ganzen Dag, mengt dir ech hätt owes nach Loscht ….., déi …. hun den ganzen Dag Zäit!

    • Die Eltern sind die Schuldigen, weil sie keine Verantwortung übernehmen und als Erzieher ihrer Schützlinge versagen. Nicht alle, aber viele.

    • D’Schüler hunn einfach vill ze vill ze mellen hautdesdags. Fréier (an ech schwetzen vun den 90er, net vun den 60er) haten mir nach Angscht virun verschiddenen Schoulmeeschter an d’Hefter sinn och mol an d’Gladder geflunn komm. Virun 10-15 Joer hunn ech mat Schoulmeeschter geschwat an hier Philosophie huet par rapport zu den 90er total geännert. Se wollten als beschten Kolleg vun de Schüler unerkannt ginn an mat deem Status Schoul halen. Vlait sinn dat elo d’Konsequenzen dovun. Ech géif z.B. och nie engem Schüler meng Handysnummer ginn. D’Schüler sollen mol rem léieren ennert engem ze schaffen an net MAT engem. Firwat gett et deen Start-up hype? Well do déi Jonk mengen et wär keen Chef. Wann ech awer mat de Jonken ennert 4 Aan schwetzen, wäre se am léiwsten alleguer Chef. Wann der Cheffen net gär hutt, firwat behuelt der Iech dann wéi Cheffen? Ausserdem fällt mer op dass haut en Eenzelgänger näischt méi wert ass. Deen kann nach sou intelligent sinn, en Eenzelgänger ass nix wert an muss sech gezwongenermoossen un d’Idioten-Grupp uschléissen.

  6. Der absolute Mangel an Anstand und Respekt erweist sich ja nicht nur gegenüber den Erziehern sondern häufig auch gegenüber Busfahrern , Polizisten, Zugkontrolleuren , Krankenschwestern, Ärzten usw.

    Da stimme ich einem vorherigen Kommentar zu, dass man die Eltern in die Pflicht nehmen muss, notfalls mit Massnahmen die schmerzen. Sonst geht unsere Gesellschaft zum Teufel.

    Zero tolerance ist das einzige was funktionniert. Das sollten unsere Politiker sich auch mal im Ausland ansehen;
    muss ja nicht gleich ein Drill sein wie in Japan, China oder Korea.

  7. @Nomi: wéini waard dir an der schoul? 1950? am klouschter? ze 40 an 1 klass? matt pouten wann een just mat der wimper gezuckt huet? an moies den uewen ugefang huet um 6, an eng brikett dofir matbrengen huet missen? An de papi dem schoulmeeschter (jo meeeschter) eng ham huet missen ginn, fir datt kendchen net duerchfällt?… do hat dir respekt, gell dirt? Di teacher haut si jo lauter spulllompen, net dirt?

    • @schüler: Sie zeigen genau wie’s heute zugeht, so ist der Umgangston-resp. form. Respektlosigkeit sondergleichen.
      Die 1950 oder 196o er Jahrgänge haben zumindest, ausser den Hauptschulfächern, noch Anstand gelernt. Im Winter brauchten sie keine Briketts zum Heizen mitzubringen. Und die Zeit der Schinkenabiturienten war, wenn es sie jemals gab, längst vorbei. Sie verwechseln womöglich Angst mit Respekt. Niemand hat hier behauptet, dass die heutigen ” teachers ” Waschlappen sind. Das ist eine glatte Unterstellung. Bravo, Sie treffen den Nagel auf den Kopf und geben @ Nomi recht!

  8. Wenn die Eltern schon Extasy schlucken müssen um die Aufgaben zu bewältigen die heute von der Wirtschaft verlangt werden. Guter Rat, keine Kinder in die Welt setzen, es gibt sowieso bald keine Jobs mehr. Glücklich wer Gitarre gelernt hat und sich mit offenem Gitarrenkoffer in die Groussgaas setzen kann.

  9. Geld und Freizeit eröffnet neue Horizonte. Da wird das unterrichten von Kindern schnell zum notwendigen Übel auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Wem der Job keine Freude macht, sollte sich einfach mal in der freien Wirtschaft umsehen.

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