In Tetingen werden Rinder ganzjährig draußen gehalten. Am Dienstag  versammelte sich die Politik auf der Weide, um das Projekt vorzustellen.

Wären nicht bald Wahlen, die Veranstaltung wäre wohl weniger gut besucht gewesen. So aber machten sich am Dienstagvormittag Regierungsmittglieder, Parlamentarier und Gemeindepolitiker auf zum “Holleschbierg” in Tetingen.

Hier grast eine kleine unscheinbare Herde Rinder neben einem Pfad und einem Unterstand aus Douglasienholz. Die Rinder sind das ganze Jahr über draußen. Sie weiden auf einem Areal, das dem Staat gehört. Der hatte es in der Vergangenheit dem Stahlkonzern Arbed abgekauft.

Die Herde (10 bis 18 Tiere sind vorgesehen) ist nicht durch einen Zaun von den Politikern getrennt. Anders als andernorts können sich die Tiere hier freier bewegen. So weit jedenfalls, bis sie vor dem mit sich drehenden Röhren versehenen Eingang des Areals stehen, welchen Rinder nicht, die Karossen der Politiker allerdings sehr wohl passieren können. Die Haltungsbedingungen und die vielen Kräuter, welche die Rinder hier fressen können (50 bis 70), führen dazu, dass ihr Fleisch schöner marmoriert ist und besser schmeckt, sagen Fleischesser.

Landwirte und Umweltschutz

Die Rinder scheren sich nicht um die Menschen, die sich da in ihrem Unterstand tummeln, um mikrofonverstärkt Reden zu schmeißen, einen “Éierepatt” zu trinken und etwas vom Gasgrill zu essen. Die Politiker sind in der Überzahl.

Der Bürgermeister der Gemeinde Kayl, John Lorent, begrüßt die Gäste – die Abgeordneten und die, die es werden wollen – und verliert ein paar Worte über den “magischen” Ort. Mit 420 Metern Höhe ist der “Holleschbierg” die höchste Erhebung des Südens. Technisch gesehen sei er kein “Minett”, denn die obere Gesteinsschicht ist Kalk, erklärt Lorent. Das Wasser im Berg speist die Quellen in der rue de l’Eau in Tetingen. Diese will man in Zukunft für die Trinkwasserversorgung Nutzen. Bislang fand man darin immer Spuren von Pflanzenschutzmitteln, mit dem neuen Projekt wird sich das aber ändern.

Das Areal (20 Hektar) gehört zu einer Natura-2000-Zone und soll bald ein nationales Naturschutzgebiet werden. “Bei vielen Bauern geht ein Warnlicht an, wenn sie Natura 2000 hören”, sagt Michel Leydem, “Chef d’arrondissement sud” der Naturverwaltung. Als Naturverwaltung sei man der Meinung, dass sich Landwirtschaft und Naturschutz nicht gegenseitig ausschließen. Die Arbeit in den Naturschutzgebieten könne für viele landwirtschaftliche Betriebe eine Alternative und eine reale Chance sein, sagt Leytem.

Eine Bipolarisierung, bei der die Landwirtschaft immer intensiver wird und andererseits der Naturschutz seine Käseglocke über alles stülpt, könnte Luxemburg sich nicht erlauben, sagt Leytem weiter. “Im Gegenteil: Wir brauchen eine integrative Herangehensweise, bei der die Interessen beider Seiten auf einer und derselben Fläche kombiniert werden können.”

Viele Vorteile

Die Rinderhaltung, wie sie nun in Tetingen betrieben wird, hat einige Vorteile: Es wird nicht gedüngt, es werden keine Pestizide ausgebracht und es braucht nur wenig Infrastruktur. Das alles senkt die Ausgaben. Außerdem leidet die Bewirtschaftung weniger unter klimatischen Extremen, weil die Nutzung der Landschaft angepasst ist.

Auch Landwirtin Aline Peping war anfangs nicht begeistert, erzählt sie. Doch je mehr sie sich informiert hat, desto besser gefiel ihr die Idee. “Ich hoffe, dass jeder so zufrieden ist wie wir”, sagt sie heute.

Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) spricht davon, dass Naturschutz und Ressourcenschutz auch im Sinne der Landwirte sind. “Für den Erhalt der Artenvielfalt sind Rinder prädestiniert. Sie sind Landschaftsgärtner par excellence. Das Ganze ohne Spritverbrauch und ohne die deftige Rechnung eines Landschaftsarchitekten”, so Etgen.

“Der eine oder andere Methanrülpser nimmt man dabei gerne in Kauf.” Die Bauern als Buhmänner des Naturschutzes darzustellen, sei nicht hilfreich. Es müsse an Lösungen gearbeitet werden, um den Bauern zu ermöglichen, mehr Umweltschutz zu betreiben. Umweltministerin Carole Dieschbourg sieht das ähnlich. Landwirtschaft und Umwelt müssten Hand in Hand gehen, sagt sie.

Die Kühe haben sich in der Zwischenzeit verzogen. Politik überlassen sie anderen.

1 Kommentar

  1. Nicht nur in Tetingen, andernorts auch. Das ist eine gängige Praktik der grossen Viehzüchter, die nicht einmal einen Unterstand für ihre Tiere auf der Weide errichten. In deren Augen sind die Rinder keine Wesen sondern Gras_und Heufresser bis sie abgeschlachtet werden und Geld einbringen. Hauptsache das Vieh ist ertragreich!

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