Primoz Roglic und Tom Dumoulin heißen die großen Favoriten auf den Gesamtsieg beim 102. Giro d’Italia, der heute in Bologna startet. Mit Bob Jungels und Ben Gastauer sind auch zwei Luxemburger dabei. Jungels peilt das Podium an, Gastauer wird Helferdienste verrichten.

Von unserem Korrespondenten Petz Lahure

„Die Tour de France ist das größte, der Giro aber das schönste Rennen.“ Das ist der allgemeine Tenor bei sozusagen allen Fahrern, die mindestens einmal in ihrer Karriere beide Rundfahrten bestritten haben. Die Tour, die in den letzten Jahrzehnten zu einer überdimensionalen Maschinerie angewachsen ist, blickt mit einem nostalgischen Auge auf ihre kleine Schwester aus Italien, bei der es in der Organisation zwar manchmal drunter und drüber geht, das Menschliche und die Warmherzigkeit aber bisher die Oberhand über das Materielle behalten haben.

Die Luxemburger

Wenn heute in Bologna der Startschuss zum Rennen durch Italien fällt, hat Luxemburg zwei Fahrer dabei. Der eine, Bob Jungels, Leader im belgischen Deceuninck-Team, war bereits zweimal unter den Top Ten. Er peilt diesmal einen Platz auf dem Treppchen an. Der andere, Ben Gastauer, Helfer in der französischen Equipe Ag2r, ist zum fünften Mal bei der Italien-Rundfahrt dabei. Er hofft, sich auch mal in eine Fluchtgruppe mischen zu können.
Jungels kehrt nach einem Abstecher in die Tour de France (2018, Rang 11) in den Giro zurück, den er 2016 auf Platz 6 und 2017 auf Rang 8 abschloss.

„Mir ist ein Platz unter den drei Ersten in Italien mehr wert als ein fünfter Rang in der Tour“, sagt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wovon Jungels allerdings träumt, und das spürt man aus all seinen Interviews heraus, ist der Gesamtsieg beim Giro. Genau 60 Jahre nach Charly Gauls zweitem Erfolg wäre das für den Luxemburger Radsport im Allgemeinen und den Sportler im Besonderen etwas Riesiges.

Jungels, der auf die Titelverteidigung bei Liège-Bastogne-Liège verzichtete (er gewann das Rennen 2018), um sich in der Sierra Nevada auf den Giro vorzubereiten, weiß bereits heute Abend nach der ersten Etappe mehr über seinen derzeitigen Formstand. Auf den letzten 2,1 km des 8 km kurzen Zeitfahrens geht es nach Bologna San Luca hoch, eine Steigung von durchschnittlich 9,7% und maximal 16%. Die Spreu wird also gleich am ersten Tag vom Weizen getrennt.

Sieben Bergankünfte

Neben Jungels melden noch eine Reihe anderer Fahrer Ansprüche auf den Gesamtsieg an. Allen voran der Slowene Primoz Roglic, der momentan die Topform hält. Der letztjährige Vierte der Tour de France hat in dieser Saison bereits die UAE-Tour, Tirreno-Adriatico und die Tour de Romandie gewonnen. Neben Roglic wären da auch noch der holländische Giro-Sieger von 2017 Tom Dumoulin, Italiens doppelter Laureat Vincenzo Nibali (2013, 2016), der kolumbianische Gewinner der Katalonien-Rundfahrt Miguel Angel Lopez-Moreno (2018 Giro-Dritter) oder der Brite Simon Yates, der letztes Jahr schon als möglicher Sieger gehandelt wurde, ehe er auf der 19. Etappe im Colle delle Finestre eine derartige Schwäche erlitt, dass er bis ins Ziel nach Bardonecchia über 40 Minuten (!) einbüßte.

Weil der Sieger von Paris-Nice, der Kolumbianer Egan Bernal, vor einer Woche beim Training stürzte und sich das Schlüsselbein brach, musste sich das frühere Team Sky, das seit dem 1. Mai unter dem Namen Ineos fährt, nach Ersatz umsehen. Die britische Mannschaft wird nun von den Youngsters Ivan Sosa (21), Pavel Sivakov (21), Eddie Dunbar (22) und Tao Geoghegan Hart (24) angeführt, die für eine Überraschung sorgen könnten. Verletzungsbedingt fällt auch Alejandro Valverde aus. Allerdings hat die Movistar-Truppe mit Mikel Landa (3. im Jahr 2015) vollwertigen Ersatz zur Stelle.

Bis der Gesamtsieger am 2. Juni feststeht, müssen die 176 Konkurrenten aus 22 Mannschaften 3.518,5 km hinter sich bringen, sieben Bergankünfte meistern, drei Zeitfahren bestreiten und darauf hoffen, dass ihnen kein Unfall passiert.

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