Erst mit 19 Jahren steigt Chris Leesch vom Geländemotorrad auf Straßenrennen um. Doch der 21-jährige Senkrechtstarter zeigt in der aktuellen spanischen Superbike-Meisterschaft so souveräne Rennen, dass ihn das starke Team 33 Accessoires – Louit Moto mit zum Auftakt der Endurance-Weltmeisterschaft auf den Circuit Paul Ricard nimmt. Dort findet am Samstag und Sonntag das berüchtigte Bol d’Or, eines der bekanntesten 24-Stunden-Rennen für Motorräder, statt.

Tageblatt: Vor zwei Wochen haben Sie bereits vor Ort mit dem Team geübt, wie ist es gelaufen?

Chris Leesch: Es ist eigentlich gut gelaufen. Es war eine recht große Umgewöhnung, da es ein völlig anderes Motorrad als bei meinen Rennen den Rest des Jahres war: ein anderer Hersteller, dann ist ein Endurance-Motorrad eh anders mit einem größeren Tank, anderen Bremsbelägen, anderen Reifen und einem anderen Setup. Dann kannte ich den Rundkurs auch nicht, weshalb ich etwas Zeit brauchte, um den Rhythmus zu finden. Das Team war aber toll und mit den anderen Piloten habe ich mich gleich gut verstanden, sodass die Eingewöhnung schließlich schnell und gut klappte. Nur am Ende des Tests brachte ich es fertig, durch einen langsameren Piloten zu stürzen, doch das hatte weiter keine Konsequenzen.

Was erwarten Sie sich?

Unter den Superstock-Teams (seriennäher als die etwas schnellere Formula EWC, d.Red.) ist der Wettkampf sehr eng. Hinter einem Team, das etwas stärker aussieht als alle anderen, ist alles möglich und wir werden um einen Podestplatz kämpfen. Vor drei Jahren war dieses Team bereits Weltmeister und es ist im Paddock recht bekannt. Bei einem 24-Stunden-Rennen ist allerdings immer das erste Ziel, überhaupt mal das Rennen zu beenden, denn es kann jederzeit so viel passieren.

Was wird denn bei Ihrer Premiere der Schlüssel zum Erfolg sein?

Konstanz. Falls du eine halbe Sekunde schneller pro Runde bist, macht das nachher keinen Unterschied, wenn du dabei mehr Fehler machst. Das Wichtigste ist, eine halbe oder ganze Sekunde unter deiner Bestzeit zu fahren, aber das konstant. Obwohl 60 Piloten auf der Strecke sind und du ständig langsamere Fahrer überholst. 24 Stunden sind physisch auch überhaupt nicht mit 100 Prozent fahrbar, das schafft niemand.

Sind Sie eigentlich schon nachts Rennen gefahren?

Nein, das wird eine ganz neue Erfahrung für mich. Allerdings hatten wir am Donnerstagabend ein einstündiges Nachttraining. Da konnten wir uns ein wenig dran gewöhnen, obwohl wir die Zeit unter den drei Fahrern gleich aufteilen. Einem ist bei seinem einzigen Endurance-Rennen nach drei Stunden der Motor geplatzt, nur der Dritte hat mit zwei kompletten Meisterschaften auch nachts schon einige Erfahrung. Anscheinend ist die Strecke hier allerdings gut ausgeleuchtet, nur deine Bezugspunkte musst du anpassen. Falls du einen Bremspunkt an einem Baum anlegst, kann es sein, dass du den nachts nicht mehr siehst. Hier ist auch eine enorm lange Gerade von fast zwei Kilometern, da ist man mit einem Topspeed von über 330 Stundenkilometern schon fast schneller als das eigene Licht unterwegs.

Wie kommt man eigentlich zu solch einem Platz am Lenker eines arrivierten Teams?

Es ist wie immer im Sport, man braucht Kontakte. Meine Resultate in der spanischen Meisterschaft in diesem Jahr sorgten allerdings für Aufmerksamkeit, da mich vorher noch niemand kannte und ich mit recht großen Namen mithalten konnte. Dann auch durch meinen sehr bekannten Trainer, der zweimal Endurance-Weltmeister war und sowohl den Bol d’Or und auch die 24-Stunden von Le Mans gewonnen hat. Er redete schließlich mit Gilles Caballo, dem Chef des Teams 33 Accessoires – Louit Moto und wir wurden uns danach schnell einig. Sie sind bekannt dafür, auf junge Fahrer zu setzen, was bei Ausdauerrennen eher selten ist, da hier Erfahrung viel wert ist. Viele starke Fahrer haben aber dort ihre professionelle Laufbahn angefangen.

Das Interview wurde geführt von Chrëscht Beneké.

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