Die Karate-Verantwortlichen haben schon entspanntere Tage erlebt. Der Nationaltrainer soll der Initiator einer Schlägerei in Differdingen gewesen sein und auch die Unzufriedenheit nach den Nicht-Nominierungen für die WM ist weiterhin ein Thema. Die Rücktritte der ersten Mitglieder des noch jungen Vorstands sind nur die Spitze des Eisbergs.

Rückblick auf den Februar 2018: Der langjährige FLAM-Präsident Fred Bertinelli wurde nicht mehr in den Karate-Vorstand zurückgewählt und trat auch später nicht mehr bei der Wahl für das Präsidentenamt des Dachverbands an. Man warf ihm diktatorisches Verhalten vor. Verbessert hat sich anscheinend nichts.

Sechs Monate später brodelt es wieder. Ein Mitglied, Jorge De Sousa, hat den aktuellen Vorstand schon länger verlassen, Tamara Schuh beschloss Ende Oktober, der “Commission technique” den Rücken zu kehren. “Man hat das Gefühl, dass bereits alles vor den Sitzungen entschieden ist”, beklagte Schuh das Vorgehen im Komitee.

Nicht abgesprochen

Das Problem sei, dass Uneinigkeit und mangelnde Kommunikation herrschen würden: So erklärte der Differdinger Vereinspräsident Fred Charlé, dass der neu geschaffene Halbtagposten des “Directeur technique” (der vom Sportministerium finanziert wird) nie ausgeschrieben wurde – und sich deshalb auch niemand melden konnte. Jean-Claude Roob in seiner Funktion als Präsident (und zudem Präsident des Karate Strassen) meinte hingegen, dass eine Kandidatur eingegangen sei. Es kann sich dabei eigentlich nur um den aktuellen Sportdirektor Jean-Claude Henry handeln, Vater der Kata-Athletin Céline Henry.

Auf Tageblatt-Anfrage hin wollte er sich nicht zum Thema äußern: “Es ist nichts offiziell. Wir werden das in der nächsten Vorstandssitzung entscheiden.” Man müsse ohnehin keine Ausschreibung vornehmen, da diese Entscheidung auf Vorstandsebene gefällt werde, meinte er. Dies soll am Dienstag geschehen. “Bislang hatte niemand die Möglichkeit, sich zu melden”, erklärte Tamara Schuh nüchtern, die nach wie vor im Vorstand vertreten ist. Dieses Thema sei nur am Rande erwähnt und erst auf ihre Nachfrage hin bei einer Vorstandssitzung angesprochen worden.

Fehlende Transparenz, mangelnde Absprachen und eigensinnige Entscheidungen: Im Luxemburger Karate passt der Auftritt auf Vorstandsebene in keiner Weise zu den Ergebnissen der Topathleten.


Lecaplain in Schlägerei verwickelt

Karate-Nationaltrainer Michael Lecaplain war am 16. Oktober in eine Schlägerei in und vor einem Café in der Gemeinde Differdingen verwickelt, die er laut Schreiben des KC Differdingen selbst angezettelt hatte (das Luxemburger Wort berichtete am Donnerstag). Der Coach habe den Besitzer des Lokals in Niederkorn angegriffen (was eine Stichwunde an der Lippe zur Folge hatte), weil dieser ihm kein Gratisgetränk anbot. Er wollte daraufhin die Flucht ergreifen. Doch vor dem Lokal soll er von vier anderen Gästen festgehalten worden sein und die “Quittung” für den tätlichen Angriff erhalten haben. Der Gastwirt hat aus Angst vor möglichen Reaktionen von einer Anzeige bei der Polizei abgesehen.

Der FLAM-Vorstand hat den Brief des Karate-Clubs zwar erhalten, doch nicht schriftlich darauf reagiert. Da sich Lecaplain derzeit in Madrid aufhält, werden die Gespräche mit den Dirigenten erst am Dienstag stattfinden können. Zunächst soll geklärt werden, ob der Trainer als Erster zugeschlagen hat. Zudem soll die Auseinandersetzung auch nicht am besagten Datum stattgefunden haben, sondern eine Woche später. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls gewaltig. Sollte sich bestätigen, dass Lecaplain die Schlägerei ausgelöst hat, wäre er wohl auf seiner Position trotz des sportlichen Erfolgs nicht mehr zu halten.

1 Kommentar

  1. “Der Gastwirt hat aus Angst vor möglichen Reaktionen von einer Anzeige bei der Polizei abgesehen.”

    Wie bitte? Wie brutal ist der Typ denn, wenn bereits ein Gastwirt Angst vor ihm hat?!

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