Seit fünf Monaten gibt es kein Lebenszeichen vom 45-jährigen Luxemburger Nicolas Holzem. Seine Schwester Catherine sucht verzweifelt nach ihm. Seine Kreditkarte könnte genauere Rückschlüsse auf seine Reise durch Bolivien erlauben, doch die Behörden schweigen.

„Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?“ Das ist eine Frage, die Catherine Holzem in den letzten Wochen wohl öfters gestellt haben wird. Bei „diesem Mann“ handelt es sich um ihren Bruder Nicolas. Seit fünf Monaten gibt es kein Lebenszeichen von ihm.

Der Luxemburger ist mit seinem Motorrad und seiner Gitarre in Südamerika unterwegs. Am 16. Juni dieses Jahres wird er von den bolivianischen Behörden bei der Einreise ins Land, am Grenzübergang von Puerto Acosta, registriert. Ab da wird die Spur ungenau. Seitdem sind fünf Monate vergangen.

Bei ihrer zweiten „Reise“ nach Bolivien hat Catherine Holzem in Rurrenabaque, 450 Kilometer nördlich der Hauptstadt La Paz, Hinweise auf ihren Bruder gefunden. Eine ähnliche Spur gab es in Coroico, 100 Kilometer nördlich von La Paz. Es sind Hinweise, die zumindest darauf hindeuten, dass Nicolas Holzem sich fortbewegt hat.

Es handelt sich aber um nichts Eindeutiges, nichts, was wirklich zu überprüfen wäre, so Catherine. Die Hinweise stammen von Menschen, die irgendwo gehört haben, dass irgendwo einer etwas gehört oder gesehen haben könnte. Zum Beispiel, dass Nicolas erzählt habe, dass er nach Brasilien weiterreisen möchte. Es würde ins Bild passen. Das „Departamento“ Beni, in dem Rurrenabaque liegt, grenzt an Brasilien. Aber ist Nicolas wirklich dort unterwegs gewesen, auf einer „gefährlichen Route“, wie es ein Einheimischer beschreibt? Catherines Reise ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Unterlassene Hilfeleistung

Sie unternimmt alles Menschenmögliche. Sie gibt eine Pressekonferenz in Bolivien, trifft den belgischen Honorarkonsul, fährt und geht Routen, die Nicolas genommen haben könnte, und verteilt an Tankstellen Flugzettel mit der Vermisstenmeldung ihres Bruders: „Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen? Er ist mein Bruder.” Bis auf vage Hinweise und Vermutungen hat sie bisher nichts gefunden.

Wie es weitergeht, weiß sie nicht. Was sie aber weiß, ist, dass der Computer ihres Bruders vielleicht eine Spur liefern könnte. Ganz sicher aber würde seine Kreditkarte Rückschlüsse erlauben. Computer- und Bankdaten befinden sich seit Ende August in den Händen der Luxemburger Polizei. Bisher wurden keine Ergebnisse mitgeteilt, keine Gespräche gesucht. Das ist etwas, was Catherine Holzem beim besten Willen nicht verstehen kann. Ebensowenig versteht sie, dass das Außenministerium, die Polizei oder der Untersuchungsrichter, der mit dem Dossier befasst ist, schweigen – beharrlich schweigen.

Es ärgert sie, es macht sie wütend und sie fragt sich, inwiefern das Nichtauswerten von verfügbaren Daten als unterlassene Hilfeleistung gelten könne. Ein Jurist, der die Affäre verfolgt, rät Catherine, ihrer Schwester Sophie und ihrem Bruder Alexandre deshalb dazu, sich einen Anwalt in Luxemburg zu nehmen, um Druck auf die Behörden auszuüben. Schade, wenn es so sein müsste.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here