“Da sieht man die Bremsspuren. Der schwarze Mercedes kam von oben und fuhr die Straße entlang”, erklärt Americo und deutet mit dem Arm in Richtung place Léon XIII. Americo und sein Arbeitskollege Marcelo waren am Mittwoch gerade dabei, Arbeiten in einer Baugrube am Bürgersteig an der Kreuzung rue des Ardennes und rue Sigismond durchzuführen, als es zu dem folgenschweren Vorfall kam.

“Und die Polizei kam von dort”, erzählt Americo weiter und zeigt auf die rue Sigismond. Ein Polizist sei aus seinem Dienstauto gestiegen und habe versucht, den schwarzen Mercedes zu stoppen. Mit deutlichen Handzeichen. “Außerdem hat er lautstark ‘Halt’ auf Luxemburgisch gerufen.”

  1. Der schwarze Mercedes fährt die rue des Ardennes entlang und streift dabei einen weißen Kastenwagen. 
  2. Der Polizeiwagen sperrt die Kreuzung Ecke rue Sigismond und rue des Ardennes. Einer der beiden Polizeibeamte versucht, den Wagen mit Haltezeichen zu stoppen. 
  3. Der Fahrer setzt zurück und fährt an der Sperre vorbei. Dabei hält er auf den Polizisten zu und versucht, ihn zu überfahren. Daraufhin macht der Beamte Gebrauch von seiner Schusswaffe. Einer der Schüsse trifft dabei den Fahrer. 
  4. Der schwarze Mercedes setzt seine Fahrt fort und rammt dabei eine Hauswand. 
  5. Auf der Place Léon XIII kommt der Mercedes zum Stillstand, als er in einen Baum rennt. Der Fahrer wird minutenlang wiederbelebt. Zunächst von Polizeibeamten dann vom Rettungskräften, die rasch zur Stelle sind. Am späten Nachmittag erliegt der Fahrer dann im Krankenhaus seinen Verletzungen.

 

Der Fahrer im Mercedes habe zunächst auch gestoppt, sei dann rückwärts gefahren, habe beschleunigt und versucht, an dem Polizeiauto vorbeizukommen. Dieses stand zu dem Zeitpunkt auf der Kreuzung rue des Ardennes und rue Sigismond. Dann seien plötzlich Schüsse gefallen. Drei oder vier. Der Mercedes fuhr an dem Polizeiauto vorbei, streifte dann eine Hauswand und kam an einem Baum auf der place Léon XIII zum Stehen.

“Es ging alles so schnell. Es war wie im Film. Das Ganze dauerte höchstens eine Minute”, sagt Americo. Zuvor sei ihm und Marcelo der Wagen bereits aufgefallen, da er mehrfach um den Block fuhr. Der Mercedes sei an der rechten Vorderseite beschädigt gewesen. “Und dies hat reichlich Lärm gemacht”, ergänzt Marcelo.

“Sein Blick war total komisch”

Auch den Fahrer können beide beschreiben. Er sei Mitte 40 gewesen und habe schwarze Haare gehabt. “Sein Blick war total komisch. Als er rückwärts fuhr, um die Polizeisperre zu umfahren, war er blass im Gesicht und irgendwie voller Panik”, so Americo. Das mit dem komischen Blick des Fahrers und die Tatsache, dass der Wagen beschädigt war, kann auch Carlo bestätigen. Der Rentner ging nämlich wie jeden Tag mit seinem Hund Gassi. “Mir fiel der Wagen auf, da er viel Krach machte. Es war ein sonderbares Geräusch.” Gegen 15.30 Uhr sei ihm der schwarze Mercedes im Dernier Sol ein erstes Mal aufgefallen.

Lessentiel.lu hatte in dem Zusammenhang gestern Folgendes zu berichten: “Gegen 16 Uhr parkte ein Mann in einem schwarzen Mercedes auf einem Parkplatz vor der Bibliothek des Hauptstadt-Viertels gleich gegenüber der Moschee. Offenbar fühlte er sich beobachtet.” Weiter hieß es auf Lessentiel.lu: “Er stieg aus dem Auto und ging weiter nach oben in Richtung der Boutique Solidaire neben dem Centre Ulysse. Er behielt die Polizisten im Auge. Dann kehrte er zu seinem Wagen zurück. Währenddessen fährt eine Polizeipatrouille durch die Nachbarschaft und stellt Fragen zu dem Gesuchten.”

Das sagt die Justiz

Die Justiz veröffentlichte gestern ein Kommuniqué. Darin heißt es, dass eine Polizeipatrouille eine Routinekontrolle in Bonneweg durchführen wollte. Dabei sei ihr ein Fahrer im Dernier Sol aufgefallen, der sowohl durch seine Fahrweise als auch durch den Zustand des Wagens gegen die Straßenverkehrsordnung verstieß. Der Fahrer habe versucht, sich der Kontrolle zu entziehen und sei dabei mit seinem Gefährt gegen einen anderen Wagen gestoßen.

 

Kreide-Spuren des Mess- und Erkennungsdienstes an der Stelle, an der der Fahrer versucht hatte, durchzubrechen – und wo die Schüsse fielen / Foto: H.Montaigu

 

In Höhe der Kreuzung rue des Ardennes und rue des Sigismond habe ein Polizeibeamte dann versucht, den schwarzen Mercedes zu stoppen. Der Fahrer habe zunächst gehalten, sei dann rückwärts gefahren und habe auf den Polizeibeamten zugehalten und versucht, ihn zu überfahren. Letzterer habe daraufhin von seiner Schusswaffe Gebrauch gemacht. Einer der Schüsse traf dabei den Fahrer.

Gegenüber dem Tageblatt gab Diane Klein, Sprecherin der Justiz, weitere Details preis: Offenbar hatten zwei Polizisten die “Verfolgung” des Fluchtautos, das falsche Kennzeichen hatte und in der Tat beschädigt war, zu Fuß aufgenommen, nachdem ihnen der Wagen im Dernier Sol aufgefallen war. Der dritte Beamte entschied sich, nicht zu wenden, sondern fuhr mit dem Polizeiwagen in die rue Sigismond und blockierte die Kreuzung an der Ecke zur rue des Ardennes. Kurze Zeit später nahte dann der schwarze Mercedes heran, der zuvor noch einen weißen Kastenwagen gestreift und beschädigt hatte. In der Zwischenzeit war einer der beiden anderen Beamten ebenfalls an Ort und Stelle. Einer der beiden versuchte, den Wagen mit Haltezeichen zu stoppen. Der Fahrer setzte zurück und versuchte, zu fliehen. Daraufhin gab einer der zwei Beamten die Schüsse ab.

An dieser Stelle rammte der Mercedes eine Hauswand.

Auf die Frage, ob der Mann nun aufgrund der Schüsse starb oder wegen des Unfalls, wies Klein darauf hin, dass man das noch nicht sagen könne. Die Autopsie findet erst am Freitag statt. Den Behörden ist die Identität des Fahrers inzwischen bekannt. Letzte Zweifel sollen mit der Autopsie beseitigt werden. Mittlerweile wurde auch die “Inspection générale de la police” von der Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftragt.

7 Kommentare

  1. Op alle Fall soll dé jonken Polizist sech keng Virwërf machen; hien huet richteg gehandelt, an eventuell souguer verhënnert, dass durch eng eventuell Flucht vum Autofuehrer nach aner Leit an Gefohr komm wären. Wann ech mär näischt virzewerfen hun, rennen ech bei enger Kontroll net fort.

  2. Ech wönschen dem Polizist ganz vill Gléck an dass en Höllef kritt fir das en daat do verschafft kritt.Fir mëch huet en daat Richtegt gemacht .
    BONNE CHANCE

  3. Alles richteg gemach,den Polizist konnt sech dach net iwerfueren loossen.
    D’Leit mussen emol erem meih Respekt weisen,well eis Police as jo net vun Blödsinn do.Mir missten nach vill meih Beamten hun.

  4. Eng Police muss sech och nett alles gefaalen lossen vun esou
    Krimineller,si hun schons een schwéieren Beruf deen emmer
    méi verlaangt.Virwat elo een riesigt Drama doraus maachen.
    Ett ass gudd an einfach herno doriwer ze babbelen an kritiséieren.
    Gudd reagéiert vun deem zoustänegen Beamten.

  5. Ganz einfach.Hett e keen drekk um stekke gehaat hett e net brauchen ze fluechten.Polizist huet et richteg gemaach ann deen do mecht keng mescht mi hei am land.Ass gutt versurgt do wu en ass a si sollen dem Polizist elo keng draus drien dass e sech verteidegt huet.Basta.

  6. Wier beim Automobilist alles an der Reih gewiesst wier hien stoen bliwwen an hätt Kontroll iwert sech ergoen geloos. Do hien awer wollt flüchten, an den Polizist an Gefuer bruecht huet, vielleicht absichtlech wollt embrengen, huet den Polizist alles richteg gemacht. Hien huet sech verteidigt, op een Gangster geschoss. As ganz OK daat dooten. Deen Gangster mecht kengem mei eppes. Gutt sou. An loosst den Polizist elo an Rouh, hien huet just seng Arbecht gemacht an sein Liewen verteidigt. Gutt gemacht. Basta.

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