Schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde England in Wembley von Spanien. Es geht in diesem Fall um die UEFA Nations League, einen neuen Wettbewerb, der das Fernsehen und die Werbeeinnahmen auch in WM- und EM-freier Zeit anstelle langweiliger Freundschaftsspiele in Schwung halten und die Kassen klingeln lassen soll. Der Blick auf die Insel von Marc Schonckert.

Für viele Spieler ist dieser Wettbewerb eine zusätzliche Belastung, in England, wo man für jede Möglichkeit dankbar ist, international wieder einen Blumentopf zu gewinnen, begrüßt man diese Liga, muss aber damit rechnen, nach der Heimniederlage gegen Spanien bei der Endrunde abwesend zu sein. Das kann auch Deutschland oder Frankreich passieren, wo man im Erfolgsfall von einer wichtigen Neuerung und im Fall eines Misserfolgs von einer bedauernswerten Zeitverschwendung reden wird. Für die kleinen Länder die Gelegenheit, teuren Freundschaftsspielen aus dem Weg zu gehen und gegen billige Länder zu punkten.

Vielleicht lassen sich UEFA oder FIFA noch weitere Wettbewerbe einfallen, der Kalender gibt ja noch einiges her und notfalls kann man ja auch an den Wochenenden spielen, wenn nationale Meisterschaft angesagt ist, deren Spiele dann von Reserveteams ausgetragen werden. Vielleicht erleben wir demnächst noch einen Verlierer-Cup, so in der Art des einstigen UEFA Cups, an dem alle Länder teilnehmen dürfen, die in den jeweiligen Quali-Gruppen nur den zweiten Platz belegen, daneben noch einen “Unglücklicher-Dritter-Cup” für alle Teams, die nur Dritte in ihrer Gruppe werden, und dann noch einen OPEC-Cup für alle Länder, die Erdöl produzieren, oder eine Art “EU-Freitags-Cup” für alle EU-Länder, deren Parlamentsabgeordnete auch freitags in Brüssel oder Straßburg zu den Sitzungen erscheinen und bis zu Sitzungsende auch bleiben.

Wie gesagt, wo Gier ist, ist auch ein Weg, zudem werden Fußballprofis ja fürs Laufen bezahlt und können sich somit lästigen Trainingseinheiten bei ihren Heimatvereinen entziehen und zusätzliche Prämien für Siege einstreichen. Da diese Spieler fortan nur noch selten zu Hause sind, müssen die Autohändler und Tätowier-Studios auf die großen Flughäfen oder in Prestige-Hotels ausweichen, um dort ihrer Kundschaft zu Diensten zu sein. Hochkonjunktur für Flachpässe in den Hotelbars.

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