Die Technologie treibt den Wandel in vielen Bereichen an. Die Kunst bildet da keine Ausnahme, ist jedoch ein Spätstarter. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Deloitte widmete ihre diesjährige “Art and finance”-Konferenz ganz diesem Zukunfts-Thema.

Big Data, künstliche Intelligenz und die Blockchain haben schon viele Sektoren revolutioniert. Der Kunstmarkt funktioniert bisher aber noch immer zu größten Teilen analog. Wer in Kunst investieren will, muss Galerien oder Auktionen besuchen, Kataloge wälzen und kann sich dann immer noch nicht sicher sein, dass das teuer bezahlte Gemälde auch ein Original ist.

Wenn er dann sein Investment (möglichst gewinnbringend) wieder veräußern will, muss das Kunstwerk wieder aufwändig in Galerien oder Auktionen angeboten werden – bis die Investition wieder flüssig ist, kann einige Zeit vergehen. “Kunst ist eine illiquide Anlageklasse”, so Deloitte. Die Auktionen und Galerien sind immer noch die wichtigsten Vertriebskanäle für Kunstwerke, so wie sie es bereits seit Jahrzehnten waren.

Heute kann jeder mit einem internetfähigen Smartphone innerhalb von Sekunden Aktien, Fonds und dergleichen handeln. Selbst physisches Gold kann – dank des Fortschritts – digital ge- und verkauft werden. Bei Gemälden oder Installationen ist dies jedoch zurzeit nur eingeschränkt möglich. Die Nachfrage besteht, vor allem in Zeiten von niedrigen Zinsen suchen immer mehr Investoren nach Anlagemöglichkeiten, die Renditen versprechen.
Dies trifft auf Kunstwerke zu. Im Jahr 2016 sollen Kunstwerke im Wert von rund 63,8 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt haben, stellt der “Tefaf Art Market Report” fest.

Technologie speziell für den Kunsthandel entwickelt

Im Jahr 2017 bezahlte ein Sammler fast eine halbe Milliarde Dollar für ein einziges Bild. Bei der Rekordauktion wechselte Leonardo da Vincis “Salvator Mundi” den Besitzer.
Vor allem in China entdecken immer mehr Wohlhabende ihre Liebe für exklusive Kunstwerke. Deloitte schätzt, dass das Vermögen von asiatischen Ultrareichen und Kunstsammler von 338 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 776 Milliarden Dollar im Jahr 2026 anwachsen wird. Damit wäre das Vermögen von asiatischen Käufer höher als das der Europäer und würde sich hinter den USA einreihen. Es gibt also immer mehr Geld, das sich seinen Weg in die Kunstwelt sucht.

Im Jahr 2026 wird der Kunstmarkt ein ganz anderes Gesicht als heute haben. “Die Welt der Kunst und Finanzen erlebt einen tiefergreifenden Wandel”, sagt Adriano Picinati di Torcelle, Direktor Art & Finance bei Deloitte. “Das Auftreten von speziell für den Kunsthandel entwickelter Technologie bringt eine Menge Vorteile.” Er glaubt, dass – dank der Technik – in Zukunft ein größeres Publikum Zugang zu Kunst finden kann.

Für kleine Veränderungen hat die Technik schon gesorgt. “Ich bin zwar kein großer Fan von Social Media”, erklärt Pierre Naquin, Gründer und CEO von Ama. “Ich muss aber zugeben, dass es funktioniert.” Das Internet habe einen neuen Vertriebskanal geöffnet. “Wenn die Künstler ihre Bilder online posten, verkaufen sie schneller als es sonst der Fall wäre.”

Chinesen entdecken Kunst

“Es hat das Verkaufen tiefgreifend verändert”, so Naquin. Das Interesse des Publikums würde sich auch weg von den Kunstwerken hin zu den Künstlern verlagern. Auch hier spielte die Technik eine Rolle. “Kunstgegenstände über Instagram zu verkaufen funktioniert”, sagt Naquin. Der Begriff “Kunst” habe sich auch verändert. “Heute wollen die Leute Kunst konsumieren und nicht unbedingt der Besitzer eines Kunstwerkes sein.” Hier könnte die Blockchain eine wichtige Rolle spielen. Diese erlaubt es, den Besitz eines Kunstwerks zu digitalisieren und auf mehrere Besitzer aufzuteilen.

“Man nimmt ein Kunstwerk und zerteilt das Eigentum in mehrere Anteile, die man dann an Investoren verkauft”, so Frédéric de Senarclens, der Gründer von ArtMarketGuru. “Anstatt ein einzelnes Kunstwerk zu kaufen, kann man auch 0,01 Prozent von 100 Picassos besitzen.” Möglich wird dies durch die Blockchain. Eigentlich wurde diese entwickelt, um den Besitz von Kryptowährungen nachzuweisen, doch man kann auch Anwendungen in anderen Bereichen, wie z.B. im Kunsthandel, finden. Für jedes Bild kann eine komplette und fälschungssichere Datenbank erstellt werden. “So wird es auch möglich, alle Informationen zu dem Werdegang des Bildes festzuhalten”, sagt Niccolò Filippo Veneri Savoia, Gründer und CEO von Look Lateral.

Dank der Blockchain können die Herkunft und die Authentizität sichergestellt werden und der Besitz aufgeteilt werden. “Dies löst zwei der größten Probleme des Kunstmarktes”, meint Niccolò Filippo Veneri Savoia. Diese seien der Vertrauensmangel und die Illiquidität.
Lukasz Radawiec, Gründer und CEO von Artwallet, bringt es auf den Punkt: “Wir brechen den Besitz eines Werkes in mehrere Teile auf, die dann gehandelt werden können.” Kunstaffine Investoren, die sich für diese Anlageklasse interessieren, aber bisher nicht wussten, wie man sich anlegt, werden es einfacher haben.

Genauere Preisbeurteilungen

Dies ermöglicht auch den nachgewiesenen Besitz von digitalen Kunstwerken, etwas, was bisher undenkbar war. Digitale Werke, wie z.B. die virtuelle szenische 3D-Kunst, können unendlich reproduziert werden, ohne dass Kosten entstehen. Dank der Blockchain kann ein Künstler solche Werke als Originale kennzeichnen und verkaufen.

Die Technik kann aber auch andere jahrhundertealte Probleme des Kunstmarkts lindern. “Künstliche Intelligenz kann bei der Automatisierung von repetitiven Aufgaben behilflich sein”, so Naquin. Preisbeurteilungen werden genauer, wenn eine künstliche Intelligenz das Werk in riesigen Datenbasen vergleicht.

Sie kann auch so programmiert werden, dass sie Fälschungen erkennt. Um ein Original als solches zu kennzeichnen, schlägt der Experte RFID-Chips vor, auf denen alle Daten zu dem Werk gespeichert sind. “Es wird also schwieriger, eine Fälschung an den Mann zu bringen”, so der Experte.

Er war aber nicht bereit, so weit zu gehen und zu behaupten, dass Fälschungen dank der Technik in Zukunft ganz verschwinden werden. Dennoch gab er sich überzeugt, dass der Fortschritt den Kunsthandel effizienter und transparenter werden lässt – und dass in Zukunft die Zahl der Kunstbesitzer weiter anwachsen wird.

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