Am Dienstag auf den Tag genau vor fünf Jahren wurde der „Bommeleeër“-Prozess auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Seit dem 2. Juli 2014 ermittelt Untersuchungsrichter Ernest Nilles – und es sieht ganz danach aus, als würde es noch vor der Sommerpause zu einem echten Paukenschlag kommen.

Nach 177 Sitzungstagen wurde der „Bommeleeër“-Prozess ausgesetzt. Seitdem befinden sich sechs Personen im Fadenkreuz der Justiz. Es handelt sich um den ehemaligen Kommandanten der Gendarmerie Aloyse Harpes, die ersten beiden Generaldirektoren der „Police grand-ducale“ Charles Bourg und Pierre Reuland, den Ex-„Sûreté“-Direktor Armand Schockweiler, „Brigade mobile“-Mitglied und „Commissaire en chef“ Marcel Weydert und den ehemaligen Generalsekretär der „Police grand-ducale“ Guy Stebens.

Zudem konzentrierten sich die Ermittlungen in den vergangenen Monaten auf drei ehemalige Beamte der „Sûreté“ – der heutigen „Police judiciaire“ –, die wegen Falschaussagen und Meineid angeklagt werden könnten. Ihnen könnte also zur Last gelegt werden, die Wahrheit nicht, teilweise oder gar falsch wiedergegeben zu haben. Die Betroffenen, der heute 82-jährige Chefkommissar Paul Haan sowie seine beiden ehemaligen Arbeitskollegen Guillaume Büchler und Lucien Linden, ermittelten einst im Dossier „Bommeleeër“. Haan wurde in der Branche wegen seiner Kompetenz stets sehr geschätzt. Die drei ehemaligen „Sûreté“-Beamten wurden tagelang vom Untersuchungsrichter verhört. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen wurden unter anderem Computer und Unterlagen konfisziert.

Keine Beschattung

Im Rahmen des Prozesses hatte Haan am 22. Oktober 2013 bezeugt, dass er im „Bommeleeër“-Dossier stets von seinen Vorgesetzten ausgebremst worden sei. Die Ermittlungsarbeiten seien deshalb nicht oder nur unzureichend vorangekommen. Ihm seien immerfort Steine in den Weg gelegt worden, so Haan damals. Weshalb er und seine beiden Kollegen Guillaume Büchler und Lucien Linden am 17. Oktober 1985 vom damaligen Kripo-Chef Armand Schockweiler nach Brüssel bestellt worden waren, um Ben Geiben zu beschatten, blieb während des Prozesses ungeklärt.

Fakt ist aber, dass besagte Beschattung nie stattfand. Die Justiz sah Ben Geiben, den ehemaligen Chef und Gründer der „Brigade mobile de la Gendarmerie grand-ducale“ (BMG), jahrelang als einen der Drahtzieher in der „Bommeleeër“-Affäre an. Im Jahr 1979 hatte er die BMG gegründet. Zudem hatte er Marc Scheer und Jos Wilmes rekrutiert. Die beiden waren als Autoren, Co-Autoren und Komplizen bei den Attentaten angeklagt. Neben den Zerstörungen durch die Bomben wurden ihnen ebenfalls Brandstiftung und versuchter Mord in zwei Fällen zur Last gelegt.

Untersuchungsrichter wird Staatsanwalt

In den vergangenen Monaten gab es im Dossier „Bommeleeër“ reichlich Bewegung. Zudem wird Untersuchungsrichter Ernest Nilles zur „Rentrée judiciaire“ im September seinen Posten aufgeben und leitender Staatsanwalt am Bezirksgericht Diekirch werden. Nilles muss also „liefern“.

Aloyse Harpes, Charles Bourg, Pierre Reuland, Armand Schockweiler, Guy Stebens, Marcel Weydert, Paul Haan, Guillaume Büchler und Lucien Linden – neun weitere Angeklagte wären zweifellos ein echter Paukenschlag. „Dann ass d’Land ze kleng“, kommentiert einer, der bestens mit der „Staatsaffär, déi net däerf opgekläert ginn“, wie sie der ehemalige Untersuchungsrichter Prosper Klein bezeichnete, vertraut ist. Es könnte also sein, dass Marc Scheer und Jos Wilmes demnächst illustre Gesellschaft bekommen.

3 Kommentare

  1. Der Prozess wird so lange vor sich hingeschoben bis der letzte gestorben ist. Hoffentlich stirbt Marc Thoma nich davor.

  2. Es gibt so viele unaufgeklärte “Affairen”. (Monsieur Pierre. Monsieur Julien, Jahrhundertaffaire, Valissenaffaire, etc.…… Auf diese kommts nun wirklich nicht mehr an.

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