Welche Medikamente unbedingt in den Urlaubskoffer gehören und warum auch Wirkstoffe bzw. Rezepte im Notfall hilfreich sind: Zusammen mit der Apothekerin Jennifer Saffran aus Esch stellte Daisy Schengen einige Tipps für Sie zusammen – inklusive einer Checkliste zum Ausdrucken.

Jennifer Saffran. (Foto: Editpress/Isabella Finzi)

Welche Medikamente gehören zur Grundausstattung einer Reiseapotheke?

Jennifer Saffran: Menschen, die täglich Medikamente einnehmen müssen, sollten diese zuallererst in die Reiseapotheke packen. Die Menge sollte dabei nicht nur auf die jeweiligen Urlaubstage abgestimmt sein – man sollte stets mehr mit sich führen, um in unvorhersehbaren Ausnahmefällen – wie bei einer Flugverspätung – ausreichend versorgt zu sein. Fieber- und Kopfschmerzmittel in entsprechender Dosierung für alle Mitreisenden (für Kinder spezielle Produkte) sollten ebenfalls eingepackt werden, genauso wie ein Desinfektionsmittel, um die Hände, insbesondere bei den heißen Temperaturen, zu reinigen, wenn gerade keine Möglichkeit zum Händewaschen besteht.

Je nach Reiseziel und hygienischen Bedingungen vor Ort ist es ratsam, an Präparate gegen Durchfall bzw. Erbrechen zu denken. Dazu gehört auch eine Elektrolytlösung, die ein Austrocknen infolge von Brechdurchfall verhindert und dem Körper hilft, sich zu regenerieren.

Die Ausstattung der Reiseapotheke hängt auch vom Reiseziel ab. Wen es in die Ferne zieht, der sollte sich beim Arzt über notwendige Impfungen erkundigen oder vorbeugend Medikamente einnehmen – entweder im Vorab oder vor Ort. Experten für diese Fragen sind die Mediziner der Travel Clinic im „Centre hospitalier de Luxembourg“.

Was ist mit banalen Verletzungen? Gehen auch Pflaster und Co. mit in den Urlaub?

Es ist sicherlich auch hilfreich, eine Erste-Hilfe-Kiste mitzunehmen. Desinfektionsmittel, Pflaster und ein kleiner Verband gehören hinein. Pflaster erweisen gute Dienste, wenn sich bei längeren Spaziergängen Blasen an den Füßen bilden oder man Schnittverletzungen erleidet.

Sollte man ein Schnupfenspray einpacken oder nicht?

Das hängt davon ab, wie empfindlich man auf die Kombination Hitze und Klimaanlage reagiert. Wer oft von warmen Außen- in gekühlte Innenräume wechselt, für den besteht ein Erkältungsrisiko. Wenn man anfällig für Erkältungen ist, sollten die gewohnten Präparaten von zu Hause mit in den Urlaub genommen werden.

Für Menschen, die Schwierigkeiten dabei haben, den Druckausgleich in der Flugzeugkabine zu machen, ist es sinnvoll, vor dem Start und der Landung ein Schnupfenspray zu benutzen.

Was raten Sie denen, die zu Ihnen in die Apotheke kommen und nach Produkten für ihre nächste Urlaubsreise fragen?

Zunächst sollte man sich vor jeder Reise über das jeweilige Land informieren. Es ist vor allem wichtig, dass man die hygienischen Standards des Reiseziels kennt. In manchen Urlaubszielen gehören Sanitäranlagen oder sauberes Wasser, wie wir sie kennen, nicht dazu. Die meisten Infektionen, die man sich im Ausland zuziehen kann, werden über die Hände oder übers Essen übertragen. Daher sollte man stets die Hände waschen bzw. desinfizieren und darauf achten, was und wo man isst.

Sind spezielle Medikamente für Kinder notwendig?

Wie bereits erwähnt: Für die Reiseapotheke sollte man an kindgerechte Arzneimittel denken. Eine Rehydrationslösung (Elektrolytlösung) für Kinder mitzunehmen, ist besonders wichtig, da die Kleinen bei Reisedurchfall bzw. -erbrechen schneller als Erwachsene „austrocknen“. Wenn die Symptome nicht innerhalb von 24 Stunden von allein ausklingen, muss man ärztliche Hilfe holen.

Checkliste für die Reiseapotheke

– Dauerhaft individuell einzunehmende Medikamente (Menge für 2-3 Urlaubstage mehr einplanen)
– Kopfschmerz-, Fiebermittel für Erwachsene und Kinder
– (Hand-)Desinfektionsmittel
– Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen
– Medikamente gegen Reiseübelkeit
– Arzneien gegen Erkältung und Schnupfen
– Wund- und Heilsalbe
– Wund- und Blasenpflaster sowie Verbandmaterial (Erste-Hilfe-Set)
– Insektenschutzmittel und Juckreiz lindernde Salben
– Sonnenschutzmittel sowie Pflege nach Sonnenbrand
– Ggf. spezielle Medikamente gegen Malaria und andere durch Insektenstiche übertragbare Krankheiten: hierfür einen Reise- bzw. Allgemeinmediziner konsultieren

Was gehört außerdem zur erweiterten Ausstattung des Medikamentenvorrats?

Sonnencreme und Insektenschutzprodukte sind anzuraten, ebenso wie Juckreiz lindernde Gels. In Regionen, in denen Stechmücken und Insekten Krankheitserreger übertragen können, muss man sich besonders vor Stichen schützen. Einerseits mit entsprechenden Sprays, die die Wahrscheinlichkeit eines Stichs senken, andererseits durch lange, weite Kleidung, wenn man sich im Freien aufhält. Es ist daher ratsam, sich im Vorfeld eingehend im Reisebüro, beim Apotheker oder in der Travel Clinic zu informieren – besonders über exotische Reiseziele.

Chronisch Kranke nehmen oft täglich mehrere Medikamente ein. Welchen Rat geben Sie ihnen als Apothekerin im Sinne einer Reiseapotheke mit?

Sie sollten rechtzeitig an ein Rezept denken, um den Vorrat an benötigten Mitteln für den Urlaub zu sichern. Außerdem sollten sie eine Kopie des Rezepts bzw. einen Plan der täglich einzunehmenden Medikamente zusammenstellen. Bei einem Arztbesuch im Ausland kann eine Liste mit den Wirkstoffen und der Dosierung bzw. ein Beipackzettel der Medikamente sehr hilfreich sein.

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