In unserer Rubrik „Auf den Punkt mit“ fühlen wir Akteuren aus der BGL Ligue auf etwas andere Art auf den Zahn. Diesmal spricht Hostert-Coach René Peters über Luxemburgerli, Tetingen und Gelb-Rot.

Tageblatt: Ihre erste Lizenz unterschrieben Sie in Tetingen – vor der Fusion mit Kayl. Hätten Sie auch für die Union 05 gespielt?

René Peters: Zum Glück war ich bereits weg, als die Klubs fusionierten (lacht). Zu meiner Zeit hätte man sich das aufgrund der riesigen Rivalität im Kayltal nicht vorstellen können.

Wann platzte der Traum der Profikarriere?

Mit 16 Jahren bin ich zum Standard gegangen, habe dreieinhalb Jahre dort verbracht und hatte Kontakt zur ersten Mannschaft. Den Wechsel nach Créteil bereue ich, denn der französische Fußball war nicht für mich gemacht. Doch auch nach meiner Rückkehr nach Luxemburg habe ich noch daran geglaubt. Mit 27 Jahren hätte ich noch einmal die Chance gehabt, in die dritte Bundesliga (Wuppertal) zu gehen, doch es scheiterte an Details. Irgendwann kam der Moment, um Verantwortung zu übernehmen, ein Haus zu bauen und einer Arbeit nachzugehen. Man muss realistisch sein.

Sie kommentieren mittlerweile die Spiele der Nationalmannschaft. Welcher Spruch brachte Ihnen die meisten Reaktionen ein?

Das war eigentlich ein Spruch von Jeff Kettenmeyer (RTL). Irgendwie glaubte zunächst jeder, ich hätte gesagt: „Et sinn nach Kniddelen am Dëppen, mir musse kucken, ob se nach waarm oder kal sinn.“ Es ist ein Wunder, dass nicht schon T-Shirts damit bedruckt wurden. Dieser Satz ist ihm einfach so rausgerutscht und ich musste das Mikrofon zur Seite legen, da ich zu sehr lachen musste. Ich wollte eigentlich nie etwas mit Fernsehen zu tun haben. Aber ich bin jemand, der die Dinge ausprobiert, bevor er sich eine Meinung bildet. Ich habe eine große Schnauze, reden fiel mir noch nie schwer. Anfangs habe ich mir meine Kommentare nie selbst angehört. Während des Sprechens sagt man sich manchmal schon: „Oh nein, was sagst du gerade?“ Ein Coach, bei dem ich das Kommentieren geübt habe, gab mir den Rat, beim Sprechen zu lachen.

Gambia, Weißrussland oder die Schweiz: Mit welchem Länderspielsieg verbinden Sie die meisten Emotionen?

Eindeutig Gomel. Wir haben dort ein richtig gutes Spiel in einem vollen Stadion abgeliefert und hart gekämpft. Man kann das nicht mehr mit den heutigen Teams vergleichen. Die aktuelle Generation verfügt über mehr Talent, ist besser aufgestellt. Aber damals haben wir alle gemeinsam alles auf den Rasen gebracht, was in uns steckte. Der Sieg gegen die Schweiz war eher wegen des Rummels besonders. Vorher haben die Spieler auf uns herabgesehen, sogar im Interview angedeutet, die Luxemburgerli zu vernaschen. Später kam ein Team der Blick und besuchte mich bei der Arbeit. Das war damals für die Schweizer Presse sehr speziell, dass die Profis gegen Amateure verloren hatten.

Strasser, Mutsch und Lombardelli sind die drei anderen, die im Letzigrund auf dem Platz standen und jetzt Trainer sind. Wer sollte diesen Weg ebenfalls einschlagen?

Eric Hoffmann. Wegen seines Spielverständnisses wäre dies eine Bereicherung für den Luxemburger Fußball. Sollte er sich entscheiden, irgendwann mit dem Freizeitfußball in Lorentzweiler aufzuhören, wäre er von der Intelligenz her dafür geschaffen. Ich frage mich allerdings, ob er sich die ganzen Probleme antun würde.

Welche Probleme?

Trainingseinheiten zu leiten ist der kleinste Teil des Jobs. Es sind die ganzen Dinge drum herum, die sehr zeitintensiv sind. Es ist ein zweiter Beruf. Man muss sich mit den Sorgen der Spieler befassen, den Verein mitsamt Präsidenten und Sportdirektor zufriedenstellen. Vieles wusste ich im Vorfeld nicht. Klar haben meine letzten Trainer von mir verlangt, dass ich bereits einige dieser Angelegenheiten übernehmen sollte – aber dass es dann alleine so ein Riesenaufwand werden würde, wusste ich nicht. Das war etwas naiv.

Viel Zeit verbrachten Sie allerdings in Ihrer Karriere nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der dritten Hälfte …

Dass sich das so gehört, habe ich damals im Dorfverein (Tetingen) gesehen. Es muss ja nicht immer mit Trinken gleichzustellen sein. Nach einem Sieg ist es einfacher, den Menschen gegenüberzustehen. Aber Diskussionen nach Niederlagen sind ebenfalls wichtig. Da ich meinen Standpunkt gerne verteidige, entstehen sehr oft lange Dialoge. Ich weiß, dass Vereinsmenschen Präsenz mögen. Auch heute hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass ich nach Niederlagen auf der „Grenz“ als Bedienung einspringe. Das habe ich als Escher so gemacht, und das habe ich auch in anderen Trikots noch immer so gehandhabt.

In über 400 Meisterschaftsspielen wurden Sie nur einmal vom Platz gestellt. Was war passiert?

Verrückt für jemanden, der so in die Duelle ging wie ich … Gegen den Racing sah ich damals Gelb-Rot. Es war der Horror. Ich ging in die Kabine und hätte fast geweint. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Der Ball sprang mir in Höhe des Mittelkreises gegen die Hand. Dafür gab es von Herrn Sales Gelb. Ich dachte, ich wäre im falschen Film. Wegen einer Tätlichkeit wäre ich nie vom Platz geflogen. Stattdessen habe ich es geliebt, wenn mich jemand provoziert hat. Das konnte ich nämlich auch. Mit den meisten Schiedsrichtern hatte ich immer eine gute, respektvolle Verbindung. Das haben heute einfach nicht alle Spieler verstanden, die sich sofort lauthals beschweren. Ich sah übrigens auch in Metz (gegen Frankreich) Gelb-Rot. Diesen Fehler kann man nicht als jugendlichen Leichtsinn einstufen, das war damals verdient.

Wie groß ist das Verlangen, sich manchmal selbst einzuwechseln?

Riesengroß. Ich habe das Gefühl, ich müsste zeigen, wie es geht. Deshalb spiele ich bei der zweiten Mannschaft, eben mit den Jungs, die in der ersten keine Spielzeit bekommen. Wenn es die Zeit erlaubt, springe ich freitags nach dem Training noch eine Halbzeit bei der dritten Mannschaft ein. Fußball ist eine Leidenschaft, ich kann es nicht lassen.

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