Der kürzlich vorgestellte Statec-Bericht „Travail et cohésion sociale“ kann mit mindestens einer guten Nachricht aufwarten: Prekäre Arbeitsverhältnisse (solche, bei denen die Laufzeit des Arbeitsvertrages weniger als drei Monate beträgt) gibt es in Luxemburg wenige.

Sind in Europa 2,2 Prozent der Arbeitnehmer davon betroffen, sind es in Luxemburg „nur“ 1,6 Prozent. Der weitaus größte Teil der Daten, die das Statistikamt für 2018 präsentiert, ist jedoch weniger erfreulich, und auch hinter der „guten“ Nachricht versteckt sich eine weniger angenehme: Seit 2010 ist der Anteil dieser Arbeitsverhältnisse gestiegen, von 1,1 auf die augenblicklichen 1,6 Prozent, europaweit hingegen blieb die Quote gleich.

Insgesamt zeigt der Bericht, dass die sozialen Ungleichheiten weiter zugenommen haben. 2018 konnten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung auf ein zehnmal höheres Einkommen zurückgreifen als die untersten zehn Prozent. 2017 besaßen die Spitzenverdiener „nur“ achtmal so viel. Ein fast schon phänomenaler Anstieg in nur zwölf Monaten. In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet es, dass es Menschen gibt, die mit 979 Euro im Monat auskommen müssen, derweil man am anderen Ende der Skala auf satte 9.882 Euro zählen kann. 2017 lagen die beiden Extreme bei 1.011 bzw. 8.159 Euro. Die oft zitierte Einkommensschere geht weiter auseinander und bei der Lage auf dem Wohnungsmarkt (die Wohnungskosten machen bei jeder Einkommensklasse den größten Teil der Ausgaben aus) sieht es nicht so aus, als ob sie sich in absehbarer Zeit auch nur um ein paar Millimeter schließen wird. Als absolutes Versagen unseres viel gelobten Sozialmodells muss die Zahl von 18,3 Prozent Armutsgefährdeten bezeichnet werden. Laut Statec liegt die Risikogrenze bei einer Einzelperson bei 2.013 Euro pro Monat. Ohne die Sozialtransfers wäre das Risiko noch größer.

Können wir die steigenden Ungleichheiten hinnehmen, trotz guter wirtschaftlicher und demografischer Entwicklung, auch wenn sich das Armutsrisiko in etwa stabilisiert hat, fragt der Direktor des Statistikamtes, Serge Allegrezza. Außer man ist ein Zyniker, der meint, eine gewisse Zahl von Armen sei nötig, damit es der Allgemeinheit gut geht, müsste die Antwort nein lauten. Allegrezza meint, es sei eine philosophische Frage, die von der Gesellschaft beantwortet werden muss. Eine diplomatische Art, zu sagen, dass die Politik Farbe bekennen muss.

Es herrscht ein breiter Konsens darüber, dass es vor allem die Wohnungskosten sind, die das Leben für viele bei uns unbezahlbar machen. An der Größe des Landes allein kann es nicht liegen – man braucht sich nur die Wohnungspreise im Saarland anzusehen. Doch solange die sakrosankte Kuh des Privatgrundbesitzes nicht geschlachtet wird und der Staat sich im Allgemeininteresse das notwendige Bauland nimmt, wenn er es nicht hat, um massiv soziale Wohnungen zu bauen, ist dem Problem wohl nicht beizukommen.

10 Kommentare

  1. “die sakrosankte Kuh des Privatgrundbesitzes nicht geschlachtet wird und der Staat sich im Allgemeininteresse das notwendige Bauland nimmt” daran liegt es leider nicht, aber an der Art und Weise wie wir in Luxemburg eben bauen lassen, also Hochhäuser, Mietkasernen und 3 stöckige Familien Häuser und natürlich Sozialer Wohnungsbau betreiben. Aber z.B. die Auflage bei neuen Wohnsiedlungen 10% des erschlossenen Baulandes an die Kommune abzugeben, funktioniert nicht, nur falls die Gemeinden als Nutznießer da sofort soziale Wohnungen errichten müssen, jetzt aber liegen die einfach brach oder höchstens wird mal ein Kinderspielplatz drauf gesetzt…, und der neue Minister will die 10 % auf 30% steigern was kompletter grüner Irrsinn ist, weil das die Preissteigerung noch mehr antreiben wird….

  2. Soziale Ungerechtigkeiten sind bei unsern Politikern kein Thema und politisch auch keine Gefahr. Die Mehrzahl der in Armut lebenden Menschen haben hier kein Stimmrecht, und man verblödet sie noch, indem man argumentiert sie klagten auf hohen Niveau. Die Mehrzahl der Stimmberechtigten sind beim Staat, Gemeinden usw beschäftigt, und bei denen ist Armut oder Altersarmunt ein unvorstellbarer Zustand.

  3. et ass leider net nömmen wunnengskäschten déi fir dee net vill verdinger ausschlaggebend sin. et ass och, an döst nöt vergiessen, am alldag, alles wat dee klengen oder dee groussen esou brauch, kascht fir jiddereen selwecht, am supermarché, an der garage, d’assurance, den dokter an d’apdikt, de blumestack, de coifför, de bäcker asw.
    de cumul vun den ausgaben vum dägleche liewen ass fir dee klengen och eng grouss laascht, hee muss dodurch op villes verzichten, vun enger vakanz kann heen nömmen dreemen, keeft oft saachen déi am präiss roofgesat sin oder grad ooflaafen, oder och vill manner an nömmen dees. dat get ee frust am alldag, wou aanerer d’souen nömmen esou ausgin ouni sech eng frô zestellen, jo heen huet se jo et ass séi recht, de system wou mer dra sin ass esou a kee mecht eppes dorgéingt, get zwar vill driwwer diskutéiert, an dat war et och da schon. “und die kugel läuft, und läuft…..”

  4. t waer emol ineressant ze wessen wellech Leit 2. oder 3. Immobilien hun. Sin et net vill ze heich bezuelte Fonctionnaeren, Leierpersonal asw. Jo wann een 3 Mol mei era krit ewei een brauch vir gud ze liewen geet ee bei eng Bank an dank sengem Status krit een e Kredit an et keeft een eng Immobilie. De Statec soll emol eng Etude machen an eis soen weivill Wunnengen Fonktionnären besetzen ennert dem Num vun enger Société Immobiliaire. Wunnengen dei de Bierger durch iwwerdriwwen heich Gehälter finanzeiert gin an dee Klengen Ennerstetzung vum Staat kritt
    Virwat dann net an e Fong schaaffen bei der SNHBM, Fond d’Habitation , ewou se keienten abezuelen an vun deem d’Friechten droen an sech vill Ierger mat Locataire, Entretient, Steieren asw. spueren.
    Virwat bezillt de Staat bal dat duebelt ewei am Privatsekteur. Virwat gin emmer mei Poste gemat deien deck bezuelt gin (a vir ween). Et brauch een 10 Mindestlouenempfänger vir engen 1. Conseillier seng Pai ze bezuelen. A wat machen dei Sellech,wisou brauche mer 50 Archeologen, wisou Embassadeuren deien a Saus und Braus liewen.
    Wei ass et meiglech dass Een joerelang net opt seng Plaz geet an all moent seng Pai krit, zerckzegin brauch deen net well en huet jo souewisou naischt fouteiert. Virwat get e Fonctionnär wann en der e pur komme leiest emol einfach esou an en aanere Ministère versaat a 1. Conseillier get.
    Vetternwirtschaft an seng eegen Zucht verteidegen.
    Jo dofir brauche mer Geringverdinger a Fabriken deien eist Land verschampleieren.

  5. Ett huet een den Androck eis Politiker fouttéieren sech
    waat hei am Land leeft,do fonktionnéiert geschwön neischt
    méi vir den normalen Bierger,nemmen nach reiche Paak
    ass gefroot,nobaussen deck Baacke maachen,Steiergelder verpolfern
    mat deieren Staatsbesucher,Fehlinvestitiounen,an nach vill aaner
    Dommheeten an Kalvereien,wéi laang muss den Steierzueler daat nach
    erdroen ? bei fréieren Politiker wor daat nach trotzdem aanescht.
    Armselég an skandaleis deen ganzen Theater.

    • Si fouttéiren sech net, daat ass esou vun hinnen gewollt, si wellen d Voleck austauschen geint een vun nemmen besserverdenger dei hieren ultraliberale Politik vun Reicher fir dei Reich ennerstetzen ann all Normal- an Gerengverdenger aus dem Land iwwert d Grenz dreiwen, daat gelengt hinnen jo och. Ween eng Politik vum onkontrolleierten an blannen Wuestum ouni viirsicht bedreift (well et engem un Kompetenzen fehlt) deen heelt esou en asozialen Wahnsinn an kaaf. Mee mat den Grengen fir bei kann do naischt sech verbesseren an weder L(SA)P an secher net eng DP wellen do eppes verbesseren. Hoffen mer dass desser Inkompetenz endlech en Stopp gesaat gett, mee leider ass daat mat enger Dreierkoalitioun net esou einfach, well se sech gegenseiteg hier Inkompetenz decken oder eng CSV misst immens gewannen, waat och net emmer ideal ass… Mee mat engem Bettel, Schneider, Bausch Trioinfernale, kann et net weider goen

  6. Eine starke Wirtschaft zieht nicht nur qualifizierte und gut ausgebildete Menschen an sondern eben auch Menschen mit wenig Bildung. Vor allem letztere wären nicht hier, wenn es ihnen woanders finanziell besser gehen würde und deshalb kann man nicht von einem Versagen unseres Sozialmodells sprechen; da versagen wohl eher die Modelle anderer Länder. Auch haben alle Städte (und das Land Luxemburg hat die Einwohnerzahl einer mittelgrossen Stadt) in der die Wirschaft boomt das gleiche Problem, die wachsende Einwohnerzahl lässt die Wohnungspreise steigen – siehe München, Frankfurt, Amsterdam, Zürich, Toronto, Singapur…
    Allerdings kann ein Rechtsstaat sich Land nicht einfach “nehmen”, er kann es aber besteuern. Ebenfalls kann er bereits bestehende Immobilien besteuern, da gibt es viele Möglichkeiten. Die Wohnungspreise hier mit denen im Saarland zu vergleichen, darauf muss man allerdings erst mal kommen; das Saarland verliert Einwohner und wir wachsen (zu) stark, unterschiedlicher könnte es nicht sein. Was tun? Wachstum stoppen oder bauen und nochmal bauen und sich ein Beispiel, etwa an den Holländer und Skandinavier nehmen, damit die wenigen Grundstücke in öffentlicher Hand effizienter genutzt werden: in Holland hat ein Haus mit 3 Schlafzimmer um die 90 qm2 und in Skandinavien haben neuere Appartements mit 2 Schlafzimmer -+65 qm2. Und um noch einmal auf das Saarland zurückzukommen: eine der interessanteren Errungenschaften der EU ist, dass man kann in einem Land wohnen und problemlos in einem anderen arbeiten kann!

    • A wann dann emol déi Häser a Wunnechten giefen wunnbar gemach gin,déi uchtert d’Land eidel sinn a vergammelen? Eis Politiker sollen sech schummen,speziel déi responsabel vum Wunnengsbau!

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