Nach wie vor gibt es eine hohe Stahl-Nachfrage: In den vergangenen 30 Jahren hat sich die weltweite Produktion verdoppelt. Gute Voraussetzungen für den luxemburgischen Stahlmulti ArcelorMittal. Vor Kurzem lud der Konzern zum Neujahrsempfang in das Werk Bissen ein.

Das vergangene Jahr war ein gutes für ArcelorMittal, meinte Michel Wurth, der Präsident des Verwaltungsrates. Das Geschäft mit den Stahlprodukten lief gut. „In den ersten drei Trimestern konnte der Umsatz um 13,7 Prozent gesteigert werden“, gab Wurth bekannt. „Das Bruttoresultat sogar um 32,7 Prozent.“

Es war aber auch ein historisch gutes Jahr, was die Sicherheit in den Werken des Konzerns betrifft. Die Quote fiel auf 0,62 Unfälle pro 1.000 Mitarbeiter. „Es ist also gefährlicher, ein Auto zu fahren, als in einer Fabrik zu arbeiten“, sagte Wurth und meinte, dass die Unfallstatistik bei der deutschen Konkurrenz weitaus weniger gut ausfalle.

Die Unfallstatistik mag zwar gut aussehen, perfekt ist sie jedoch nicht. Im vergangenen Jahr kam es im Werk Belval zu einem tödlichen Unfall, dem ersten seit zehn Jahren. Dennoch sei ArcelorMittal der „Leader in Sachen Sicherheit“, unterstrich Wurth.
Der Konzern beschäftigt in Luxemburg über 4.000 Mitarbeiter. In Europa arbeiten 677.000 Personen im Stahlsektor, ein Viertel davon für ArcelorMittal. Die europäischen Unternehmen standen zwar einer erhöhten Nachfrage gegenüber, konnten aber nicht mehr produzieren. „Seit zwei Jahren wird das Nachfrageplus von Importen bedient“, ergänzte Wurth.

Chinas Stahlindustrie

Verantwortlich sei die „staatliche chinesische Stahlindustrie“, meinte Wurth. Immer noch seien die Überkapazitäten im Reich der Mitte vergleichbar mit der gesamten Produktionskapazität in Europa. Immer noch würde chinesischer Stahl unter dem Marktpreis in Europa verkauft werden.

„China respektiert die Regeln des freien Handels nicht“, sagte der Präsident des Verwaltungsrats. Trump hätte in den USA damit Schluss gemacht, als er Importzölle erhob. Diese Entscheidung führte aber zu einer weiteren Verschlechterung der Situation in Europa, denn die chinesischen Stähle, die nicht mehr nach Amerika geliefert werden, landen teilweise in Europa.

Bei ArcelorMittal hat sich zwar niemand direkt dafür ausgesprochen, dass Europa – so wie Trump – ebenfalls Zölle einführen soll. Dennoch wurde darauf hingewiesen, dass die europäischen Maßnahmen noch nicht zu einer Verteuerung chinesischer Importe geführt hätten.

Die chinesischen Herausforderungen sind nicht die einzigen für Europas Stahlindustrie. Diese leidet auch unter den hohen Anforderungen, was die Umweltbestimmungen und Energiepreise betrifft. Im Gegenzug zu den Sicherheitsbestimmungen stört sich der Stahlmulti an den Regelungen zum CO2-Ausstoß. Die Umweltnormen würden dazu führen, dass die Herstellung von Stahl in Europa teurer sei als anderswo.

„Wir sehen ja ein, dass das Klima alle betrifft“, so Wurth. Es sei aber niemandem geholfen, wenn die europäische Industrie unter den Auflagen leidet und sich die Kunden für billigeren, aber schmutzigeren Importstahl entscheiden.

Schienen aus Rodange

„Was die Umweltbestimmungen betrifft, befinden wir uns auf der Höhe der Zeit“, sagte Michel Wurth. In Luxemburg werde ausschließlich das saubere Elektrostahlverfahren genutzt, bei dem aus Schrott wieder neuer Stahl hergestellt wird. Dennoch müsse ArcelorMittal im kommenden Jahr Emissionszertifikate zukaufen. „Anderen Industrien stehen mehr Verschmutzungsrechte zu.“

Das Unternehmen forsche auch an noch sauberer Technik. So habe ArcelorMittal 125 Millionen Euro in Gent investiert, um aus CO2 mithilfe von Bakterien Ethanol herzustellen. „80 Millionen Liter des Kraftstoffes sollen so ab 2020 pro Jahr entstehen.“

ArcelorMittal befinde sich „an der Spitze des Fortschrittes“, meinte Wurth. Stahl sei eine Lösung für die Klimaherausforderungen, nicht das Problem. Ohne diesen endlos recyclierbaren Werkstoff sei die Energiewende nicht zu schaffen. Dass für den weiteren Ausbau des luxemburgischen Tramnetzes Schienen aus dem ArcelorMittal-Werk in Rodange genutzt werden, ist nur ein Beispiel dafür.

5 Kommentare

  1. Lieber H. Wurth, wäre es möglich die Werke nach Indien oder nach Afrika zu verlagern, dann bräuchte man die Umweltauflagen nicht zu beachten? Wie geht es eigentlich mit Düdelingen weiter, es ist dazu etwas still geworden. Sind die Italiener inzwischen bereit zu sanieren?

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