20. März 1965. Auf der letzten Seite der Samstagausgabe des Tageblatt ist ein Foto einer jungen Frau zu sehen. Sie hält einen kleinen Hund im Arm, neben ihr steht ein Dalmatiner, der zu ihr hochblickt. France Gall ist damals zarte 17 Jahre alt und hat ein Jahr davor ihre Karriere in der Musik gestartet, nachdem sie ihre Schule, das “Lycée Paul Valéry”, mit 16 Jahren verlassen hatte.

Sie wird noch am selben Abend im italienischen Neapel eine Karriere starten, die bis zu diesem Sonntag anhalten soll und die aus ihr einen der legendärsten Vertreter der “Chanson française” machen wird. Mit ihrem Lied “Poupée de cire, poupée de son”, das Serge Gainsbourg für sie schrieb, hat sie am damaligen Samstagabend für Luxemburg beim “Grand Prix Eurovision de la chanson” teilgenommen. Sie musste sich gegen 18 Bewerber durchsetzen, darunter Udo Jürgens.

Ein bekannter Vater

Im Artikel des Tageblatt werden die Details aufgelistet: ihre Größe, ihr Gewicht, ihr Sternzeichen. Die Zeitung ging auch auf ihre nicht gerade unbekannte Familie ein. Sie war die Tochter von Robert Gall, einem der damals bekanntesten Schreiber der “Chanson française”. Er schrieb unter anderem Lieder für Charles Aznavour und Edith Piaf. “Sur l’écran de Télé-Luxembourg, vous pourrez suivre les péripéties de cette compétition et applaudir celle qui portera les couleurs de Télé-Luxembourg: France Gall”, war im zweispaltigen Artikel zu lesen.

Los ging es um 22.00 Uhr. Fast zwei Stunden lang mussten die luxemburgischen Zuschauer bangen. Kurz vor Mitternacht war es so weit. Nachdem Gall von der Moderatorin vorgestellt wurde – sie sei unter anderem durch “Sacré Charlemagne” bekannt –, sang sie in Begleitung von einem Orchester und überzeugte die Jury.

Gall holte in Neapel den zweiten von insgesamt fünf Siegen Luxemburgs beim Wettbewerb, der später eine Renaissance als “Eurovision Song Contest” erleben sollte. Mit 32 Stimmen lag sie vor dem Kandidaten von Großbritannien, der 26 Stimmen holte, und dem französischen Teilnehmer, der 22 Votes erhielt.

Der nächste Artikel erschien in der Montagausgabe des Tageblatt vom 22. März 1965. Auf Seite 12 schrieben wir: “Wer auf France Gall getippt hatte, konnte beim Großen Eurovisionpreis des europäischen Lieds zufrieden sein.” Gall sei “eindeutig” als Siegerin hervorgegangen.

Das Tageblatt ging damals aber nicht nur auf den Sieg der Sängerin ein, sondern auch auf die Verzweiflung von “Télé-Luxembourg”, was die Organisation der darauffolgenden Auflage anging. So sagte beispielsweise der Generaldirektor des Fernsehsenders damals zum Tageblatt-Journalisten: “Der Eurovisionpreis 1962 kostete uns sage und schreibe zwei Millionen. 1966 wird er glatt drei Millionen (Luxemburger Franken) verschlingen.”

Der damalige Parlamentspräsident Victor Bodson (LSAP) meinte dagegen: “Da sieht man wiederum, dass Luxemburg doch die europäische Hauptstadt ist.” Für Luxemburg sollte es nicht die letzte Teilnahme am Wettbewerb sein. Bis 1993 schickte das Land noch regelmäßig einen Kandidaten ins Rennen. Dann war Schluss.

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