Ab kommendem Herbst wird das Angebot der Universität Luxemburg um einen Studiengang erweitert. Am Freitag wurde der neue “Interdisciplinary Space Master” vorgestellt.

“Das Weltall lässt uns träumen”, beginnt Rektor Stéphane Pallage bei der Vorstellung des neuen Studiengangs. Diesen Traum hat Vize- und Wirtschaftsminister Etienne Schneider schon länger: “Laut einer Studie, die von der Europäischen Raumfahrtagentur in Zusammenarbeit mit PwC erstellt wurde, geht hervor, dass in den kommenden 25 Jahren 300 Milliarden Euro in diesen Sektor investiert werden.” Fast zwei Millionen Arbeitsplätze sollen so entstehen. Dieser “Zukunftssektor” werde um knapp sieben Prozent pro Jahr wachsen. “330 Satelliten sollen pro Jahr abheben, zusätzlich zu den 7.000 Mikrosatelliten. Das Weltall lässt uns zwar träumen, es ist aber auch eine Realität”, sagt Pallage. Von diesem Weltraumkuchen will sich Luxemburg ein großes Stück abschneiden.

Die Voraussetzungen dazu seien vorhanden, meint der Wirtschaftsminister. Hier gäbe es nicht nur das nötige Know-how, auch die Politik würde das Ganze unterstützen. Es gehe weniger darum, den Weltraum wissenschaftlich zu erkunden, “wir wollen ihn wirtschaftlich nutzbar machen”, stellt Schneider klar. Aus diesem Grund habe sich Luxemburg ein Weltraumgesetz gegeben. “So können wir sicherstellen, dass die Unternehmen, die Ressourcen aus dem All zur Erde bringen, auch Rechtssicherheit über die Eigentumsrechte haben”, erklärt Schneider. “Sonst wäre es ein sehr schlechtes Geschäftsmodell.”

Viele Start-up-Unternehmen sind dabei, solche Geschäftsmodelle zu erstellen. Der Staat unterstützt diese – auch finanziell. “Es kann sein, dass einige dieser Investitionen schiefgehen können”, gibt Schneider zu bedenken. Er weist aber auf die Tatsache hin, dass der Staat nicht immer Steuergelder in die Hand nimmt, um in solche Unternehmen zu investieren. “Die SNCI reinvestiert die Gewinne, die sie mit anderen Unternehmen gemacht hat.” “New Space” hat also einen gesetzlichen Rahmen und auch die Finanzierung stellt kein Problem dar. Was fehlt, sind aber Mitarbeiter, die diese Geschäftsmodelle auch umsetzen können. “Es ist nicht so, dass es Engpässe gibt”, meint Schneider. Als Beispiel gibt er ein Unternehmen aus Luxemburg an, das erst kürzlich zwei freie Stellen ausgeschrieben habe: “400 Leute haben sich für den Posten gemeldet.”

“Spacecraft Design”

Wissenschaftler aus der ganzen Welt würden sich für das, was in Luxemburg geschieht, interessieren und daran teilhaben wollen. “Wir wollen aber auch Einwohnern aus Luxemburg die Möglichkeit geben, in diesem Sektor zu arbeiten”, sagt der Vizepremier. Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeit mit der Universität ein neuer Studiengang erstellt. “Im Herbst geht der neue Space-Master an den Start”, erklärt Schneider. 20 Studenten werden dann die Möglichkeit erhalten, sich tief in die Materie einzuarbeiten. “In der ganzen EU gibt es nichts Vergleichbares.” Bildungsminister Claude Meisch konnte Genaueres bekannt geben. Das Studium verbindet Aspekte aus mehreren Bereichen. Auf dem Lehrplan stehen nicht nur die Grundlagen der Weltraumwirtschaft, zum Beispiel die Techniken, die es braucht, um Weltraumressourcen abzubauen, oder wie Missionen entworfen und durchgeführt werden, sondern auch legale und wirtschaftliche Aspekte des “New Space”.

Doch ehe man an der Uni.lu “Space Robotics” oder “Spacecraft Design” studieren könne, müsse man eine “solide wissenschaftliche Basis” haben, unterstreicht der Rektor. Der neue Master-Studiengang richtet sich dann auch an studierte Ingenieure, Physiker und Informatiker. Er dauert vier Semester, davon ein Praktikumssemester. Ein solcher Master in der Tasche sei für die Studienabgänger “ein großes Plus”, wenn es darum gehe, eine Arbeitsstelle zu finden, meint der Bildungsminister. Auf jeden Fall sei der neue Studiengang eine “Ausbildung auf ganz hohem Niveau”.

Noch sind nicht alle Einzelheiten geklärt, ehe es im Herbst losgehen kann. Wie Tonie Van Dam von der Universität Luxemburg erklärt, sei man auf der Suche nach drei Professoren und dabei, Laboratorien aufzubauen. Sie mache sich aber keine Sorgen, dass dies klappen werde. Schon heute würde die Uni Bewerbungen von Interessierten erhalten. “Wir nehmen nur die Besten”, betont Van Dame. Wenn diese Studenten das Studium abgeschlossen hätten, stünden ihnen fast alle Türen offen. “Diese besonderen Kompetenzen sind zurzeit sehr gesucht”, weiß Pallage. Alleine die Unternehmen in Luxemburg würden nach 400 Menschen aus diesem Bereich suchen.

Die Absolventen hätten die Wahl. Sie könnten ihr eigenes Start-up-Unternehmen gründen oder für die Europäische Weltraumagentur arbeiten. Jobs gäbe es aber auch bei alteingesessenen Firmen aus diesem Bereich. Möglichkeiten seien also vorhanden. Dann würde es für die Studenten auch keine Rolle spielen, dass das Studium nicht geschenkt ist: 2.000 Euro kosten die Einschreibegebühren pro Semester.

6 Kommentare

  1. Was soll der Space Master denn können müssen? Mit Dampfmaschinen zum Mond oder zum Mars! So sieht es zur Zeit doch aus. Nur die Götter reisen mit Lichtgeschwindigkeit. Man sollte die Probleme der Menschheit hier unten mal angehen. Es wird ihnen ergehen wie dem Ikarus.

    • Wie wär’s mal mit einem Master in “biologische Landwirtschaft”, “Reparatur von Autos”, “Wohnungsbau”, “Verkehrsplanung”, “Reinigungskraft” und “Wasseraufbereitung”.

  2. Augen auf bei der Studienfachauswahl. Mit einem luxemburger “Space-Master” in der Tasche wird man in Baikhonour oder Cape Kennedy vermutlich nicht mal Nachtwächter.

  3. Die Leute werden nach dem Masterabschluss mit dem Minister “ad astra” fliegen und dort in Abbau von Edelmetallen und deren Vermarktung tätig sein, die ganze Welt wird uns um diese Studienabgänger beneiden………

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