Vor 75 Jahren wurde Luxemburg vom Nazijoch befreit. Der Ettelbrücker Verein „Groupe de recherche et d’étude sur la guerre 1940-1945“ möchte am kommenden 21. und 22. September eine große Gedenkfeier veranstalten.

Von unserem Korrespondenten Olivier Halmes

Am 11. September 1944 erreichten US-Einheiten Ettelbrück, nachdem sie einen Tag zuvor die Hauptstadt befreit hatten. Die deutschen Besatzer hatten sich ohne größere Kampfhandlungen zurückgezogen. Es sollte jedoch nur eine kurze Verschnaufpause für den Norden des Landes werden. Am 16. Dezember des gleichen Jahres überzog die später als Ardennenoffensive in die Geschichtsbücher eingegangene Schlacht das luxemburgische Ösling, die belgischen Ardennen sowie die Gegend um das Abteistädtchen Echternach mit einer tiefen Bresche der Gewalt und des Leids.

Das an der Südflanke der Offensive gelegene Ettelbrück wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Am 21. und 22. Dezember besetzten deutsche Verbände das Städtchen erneut. Ein heftiges Ringen um die Ortschaft begann. Nach vier Tagen erbitterter Kämpfe gelang es schließlich dem 318. Regiment der 80 US-Infanteriedivision, die Deutschen endgültig zu vertreiben. Soldaten der 3. US-Armee unter General George S. Patton eroberten Ettelbrück während der Ardennenoffensive im Winter 1944/45 von der Wehrmacht zurück und verteidigten die Ortschaft gegen die Angreifer. Ettelbrück erhielt deswegen später den Beinamen „Pattonstadt“.

Erinnerung hochhalten

Zu Ehren der Befreier wurde im Jahr 1954 bei der Sauerbrücke der „Patton Square“ mit einer großen Stele angelegt. Der Sockel stellt dabei ein in den Heimatboden gestoßenes Kriegsschwert dar, was die Waffenruhe und den Frieden symbolisiert. Darüber thront das wachsame US-Wappentier, der Weißkopfseeadler. Die Skulptur wurde von den Luxemburgern Pierre Droessart und Aurelio Sabbatini geschaffen. Von 1970 an vervollständigen eine von James Earle Fraser entworfene Bronzestatue des Generals und ein Sherman-Panzer die Gedenkstätte.

Seit 1995 befindet sich das „General Patton Memorial Museum“ in der rue Dr Klein, einer Seitenstraße der Avenue J-F Kennedy. Dargestellt wird die vierjährige Besatzungszeit durch die Nazis. 3.850 Personen haben das Museum im vergangenen Jahr besucht. Das sind rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr, erläutert Jos Tholl vom „Groupe de recherche et d’étude sur la guerre 1940-1945“ anlässlich der Jahreshauptversammlung.

Tholl ist seit August 2018 neuer Präsident. Er tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers Paul Heinrich, der stolze 44 Jahre an der Spitze der Gruppe stand. Der Verein widmet sich der Forschung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und leitet das besagte Museum. Nach Nationalitäten aufgeteilt kamen im vergangenen Jahr 29% der Besucher aus den Niederlanden, 20% aus Belgien und 15% aus den USA. 12% waren Luxemburger und je 7% kamen aus Großbritannien beziehungsweise Deutschland.

Szenen aus dem Krieg werden nachgestellt

An die dramatischen Ereignisse vor 75 Jahren möchte man sich in Ettelbrück in diesem Jahr mit einer großen Gedenkfeier erinnern. Die gesamte Pattonstadt soll am 21. und 22. September im Zeichen der Befreiung stehen. Vorgesehen ist unter anderem das Nachstellen von Szenen aus der deutschen Besatzungszeit und der anschließenden Befreiung in der Fußgängerzone.

Eine Ausstellung über die Deportation, Zwangsrekrutierung und den Widerstand gegen die Besatzung, unterlegt mit Berichten von Zeitzeugen, ist ebenfalls in Arbeit. Die jüdische Gemeinschaft und deren brutale Vernichtung durch die Nazis soll in der Ettelbrücker Synagoge thematisiert werden. Außerdem sieht das Programm eine Gedenkfeier mit der Enthüllung einer Plakette am Patton Square sowie eine Parade mit historischen Fahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg vor.

Weitere Informationen gibt es unter www.patton.lu.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here