Mehr Polizisten hatte Polizeiminister François Bausch den Einwohnern des hauptstädtischen Bahnhofsviertels Ende September versprochen. Und er hat Wort gehalten: 30 zusätzliche Beamte sind laut RTL seit wenigen Wochen in den Straßen rund um den Hauptbahnhof im Einsatz. Erste Erfolge seien bereits sichtbar.

Von Eric Hamus

Hunderte Einwohner des hauptstädtischen „Quartier Gare“ waren Ende September einer Einladung der Stadt Luxemburg gefolgt, um ihrem Ärger bei einer Diskussionsrunde im Viertel freien Lauf zu lassen. Ihr Tenor: Die rue de Strasbourg und die angrenzenden Straßen sind in den letzten Jahren zu einem rechtsfreien Raum verkommen. Mit versteinerten Mienen lauschten die Betroffenen in der bis zum Bersten gefüllten Sporthalle den Ausführungen ihrer gewählten Vertreter, bevor sie selbst das Wort ergriffen. Dabei nahmen nur die wenigsten ein Blatt vor den Mund.

Von Drogenhandel auf offener Straße berichteten die Einwohner, von Abhängigen, die in Hauseingängen ihre Drogen konsumierten. Von Müll und Verwüstung ging die Rede, von anzüglichen Bemerkungen und angedrohten Übergriffen gegenüber Frauen sowie achselzuckenden Beamten, die sich ihrem Schicksal bereits ergeben hätten. Dealer und Konsumenten drängten den Bewohnern ihre eigenen Gesetze auf, während die Polizei durch Abwesenheit glänzte, so ein Redner unter dem tosenden Applaus der Anwesenden.

Vorwürfe, die sich Bürgermeisterin Lydie Polfer, Schöffe Serge Wilmes sowie Minister François Bausch scheinbar zu Herzen nahmen. Noch während der Versammlung sicherten diese den Betroffenen ihre vollste Unterstützung zu. Es sei klar, dass es so nicht weitergehen könne, unterstrich beispielsweise Bürgermeisterin Polfer. Jeder habe inzwischen verstanden, dass die Situation nicht mehr tragbar sei. Deshalb wolle man auch rasch und konsequent handeln, versprach das Stadtoberhaupt.

Mehr Beamte, mehr Präsenz, mehr Mittel

François Bausch gestand indessen, dass die aktuelle Zahl der Polizeibeamten nicht mehr ausreiche. „Sie entspricht einem 400.000-Einwohner-Staat. Mit den Grenzgängern bewegen sich tagsüber inzwischen aber mehr als 800.000 Menschen im Land“, so der für innere Sicherheit zuständige Minister. Seine Ausführungen schloss Bausch mit dem Versprechen: „Mehr Beamte, mehr Präsenz, mehr Mittel, mehr Kooperation auf beiden Seiten der Grenze und gezielte Schläge gegen die Banden.“

Eine stärkere Präsenz der Polizei sei wichtig. Doch reichten Prävention und Repression nicht aus, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Dafür sei die Situation viel zu komplex. Dem Minister schwebte vielmehr eine Kooperation auf mehreren Ebenen vor, um den Banden im Bahnhofsviertel das Handwerk zu legen. Gefragt sei nicht nur die Polizei, sondern auch die Justiz, das Außenministerium und die Behörden jenseits der Luxemburger Grenzen.

Foto: Editpress/Alain Rischard

Hunderte Einwohner aus dem Bahnhofsviertel hatten sich zur Versammlung an der rue de Strasbourg eingefunden. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Auf die Frage eines Einwohners, weshalb die Mitglieder der nigerianischen Drogenmafia nicht einfach des Landes verwiesen werden, meinte der Minister beispielsweise, dass die Lösung nicht alleine in Luxemburger Hand liege. Tatsächlich verfügen die meisten Dealer über legale Aufenthaltsgenehmigungen aus anderen EU-Staaten. So reisen viele dieser jungen Männer über Spanien in die Europäische Union, wo sie aus welchen Gründen auch immer mit Papieren ausgestattet werden. Den Luxemburger Behörden fehlt dann die legale Handhabe, diese Männer zurück in ihre Heimat zu führen. In dem Fall bestehe Klärungsbedarf mit den spanischen Autoritäten.

850 neue Polizisten in drei Jahren

Rasch reagieren konnte der Minister aber in puncto Aufstockung des Personals im Bahnhofsviertel. 850 neue Beamte hatte Bausch für die nächsten drei Jahre angekündigt. Von den 75 jüngst vereidigten Beamten sollte ein Großteil allerdings sofort ins Problemviertel versetzt werden. Und der Minister hat Wort gehalten: Vor kurzem wurde das Personal im „Quartier Gare“ mit 30 Beamten verstärkt. Laut RTL soll es sich dabei um 20 Polizisten, acht Ermittler der „Police judicaire“ und zwei Koordinatoren handeln.

Erste Resultate seien auch bereits zu verzeichnen. „Die jüngsten Zahlen zeigen, dass eine ganze Menge Personen kontrolliert wurden. Dabei wurden auch etliche Dealer erwischt“, betonte Schöffe Serge Wilmes am Rande einer parlamentarischen Kommission gegenüber den Kollegen von RTL. Diese Arbeit müsse nun konsequent fortgesetzt werden. Im gleichen Interview regte der CSV-Politiker auch einen Ausbau der Kameraüberwachung an. Die jüngsten Anstrengungen wurden auch von Bürgermeisterin Lydie Polfer gelobt. Sie wolle Ähnliches nun auch vonseiten der Justiz und des Außenministeriums sehen.

4 Kommentare

  1. Diese jungen Männer die über Spanien in die Europäische Union eingereist sind , wo sie aus welchen Gründen auch immer mit Papieren ausgestattet werden. …. Wie wäre es dann wenn man spanische Papiere einfach nicht mehr anerkennen würde, oder die Leute eben nach nach Spanien abschieben und im Schengen Register als nicht zur Einreise befugte Personen erfassen würde….dann wäre der Spuk vorbei und Spanien könnte seine Kriminellen dann bei sich behalten…falls sie sie nicht abschieben wollen nach Nigeria und sonstwo……

  2. 30 Polizisten?

    Dat sinn der 7 op der Fréischicht, 7 op der Mëttesschicht a 7 op der Nuetsschicht a 7 hu fräi, déi aner 2 si krank gemellt, an der Kur oder an Ausbildung.

  3. Wann se dann elo hir Patrouillien zu 4 machen amplaatz zu 2 ass rem Naischt gewonn, an Zuehl vun den Patrouillien net geheicht ginn !

    Dann sollen se zu 2 vun enger Seit, an 2 vun der Aannerer Seit ob ee Probleempunkt zo’u go’en !
    Dann krei’en se dei’ di fortlaafen gepetzt !

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