Das „Corps grand-ducal d’incendie et de secours“, kurz CGDIS, hat ein Großtanklöschfahrzeug bestellt – für Luxemburg eine Neuheit. Generaldirektor Paul Schroeder erklärt dem Tageblatt gegenüber, was es damit auf sich hat, wieso das Großherzogtum ein sogenanntes GTLF benötigt und warum dieses gerade jetzt bestellt wurde.

Der Prototyp des Großtanklöschfahrzeuges befindet sich derzeit in Frankreich – in all seinen Einzelteilen. Fertiggestellt und geliefert wird der Wagen voraussichtlich im Herbst. Dann soll er in der Kaserne der Feuerwehr in Colmar-Berg unterkommen. „Wir haben zuerst einmal einen Prototypen bestellt, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Paul Schroeder dem Tageblatt gegenüber. Danach könne man gegebenenfalls in Erwägung ziehen, ein oder zwei weitere GTLF zu bestellen.

Fünfmal mehr Wasser

Doch was unterscheidet das Löschfahrzeug mit dem sperrigen Namen von der herkömmlichen Variante? Eine Besonderheit ist die Kapazität an Wasser, die ein GTLF tragen kann: Während ein normales Löschfahrzeug Platz für 2.000 Liter Wasser bietet, sind es beim GTLF ganze 10.000. Somit kann man schnell viel Wasser an Einsatzorte transportieren. „Bei Flächenbränden außerhalb der Stadt und außerhalb der Reichweite von Wasserleitungen ist das besonders hilfreich“, erklärt Schroeder.

Zudem führen GTLS ein Becken mit sich. Dieses kann vor Ort aufgebaut werden – sein Fassungsvermögen: ebenfalls mindestens 10.000 Liter. Ist es erst einmal an einem Einsatzort aufgestellt, dann kann es mithilfe einer speziellen Vorrichtung mit dem Wasser des GTLF befüllt werden – und das innerhalb von einer Minute. Danach kann man sich direkt wieder mit dem Löschfahrzeug auf den Weg begeben, um eine weitere Ladung Löschwasser zu holen.

Eine deutliche Verbesserung

Jene Feuerwehrleute, die mit einem gewöhnlichen Löschfahrzeug angereist sind, können so viel Zeit sparen. Sie können ihre 2.000-Liter-Tanks mit dem Wasser aus dem Becken auffüllen und dann direkt weiter löschen. Großtanklöschfahrzeuge können das übrigens nicht tun, denn sie führen das nötige Material, um Brände zu löschen, nicht mit sich. Über Schläuche und weiteres Equipment verfügen lediglich die gewöhnlichen Löschfahrzeuge.
„Bei Flächen- oder Industriebränden wie jenem, der Anfang August bei der Firma Kronospan in Sanem wütete, brauchen wir Fahrzeuge mit großen Wasserspeichern, damit wir schnell wieder Wasser aufladen können“, sagt Schroeder. Dort wurden zeitweise unglaubliche 10.000 Liter Wasser in der Minute gebraucht. „Natürlich ist auch mit einem GTLF ein solches Problem nicht gelöst – es ist aber schon eine deutliche Verbesserung.“

Dass es bisher kein GTLF in Luxemburg gab, liegt daran, dass die Löschfahrzeuge bisher von den einzelnen Gemeinden angeschafft wurden. „Alle haben mehr oder weniger dasselbe gekauft, weil es das war, was jedes einzelne Zentrum aus seiner Sicht gebraucht hat“, so der Generaldirektor. „Sich ein GTLF anzuschaffen, wäre für die meisten Kommunen uninteressant gewesen, weil sie dieses einfach nicht häufig genug gebraucht hätten, um die Kosten zu rechtfertigen.“ Das CGDIS sehe die Aufteilung von Materialien globaler: Anstatt dass jede Gemeinde fünfmal die gleiche Ausrüstung kauft, besorgt es viermal die Basisausstattung und einmal Spezialmaterial.

Kleine Zentren aufwerten

Colmar-Berg wurde als Standort für das erste GTLF ausgesucht, da das Zentrum sehr zentral liegt und gut an die Autobahn angebunden ist. Zudem soll der Standort angesichts der Industrien, die in der Gegend angesiedelt sind, strategisch sinnvoll sein.

Mit der strategischen Verteilung von Spezialmaterial will das CGDIS in Zukunft gezielt kleinere Zentren aufwerten. „Am Anfang gab es die Angst, dass kleinere Zentren durch die Gründung des CGDIS ihre Daseinsberechtigung verlieren. Das Gegenteil soll der Fall sein“, sagt Schroeder. „Sie sollen eine wichtige Rolle bekommen und zum Teil spezialisiert werden.“ Spezialausrüstung wie zum Beispiel ein GTLF sollen in kleinen Zentren abgestellt werden. Diese können garantieren, dass der Wagen zu jedem Moment in den Einsatz kann – und die Feuerwehrleute, die dort stationiert sind, werden dadurch zu Bränden gerufen, zu denen sie vorher nie geschickt worden wären.

Der Preis eines Großtanklöschfahrzeugs liegt bei rund 400.000 Euro. Jener, der das CGDIS bestellt hat, wird derzeit von der Firma Gallin in Frankreich gebaut. Gallin wurde durch ein öffentliches Ausschreibungsverfahren, auf das sich europaweit Firmen bewerben konnten, ausgewählt.

1 Kommentar

  1. Alles über 3000 Liter fällt aus der geltenden Norm. Klar ist aber dass ein GTLF wie jedes andere TLF auch selbst zum LÖSCHEN einsetzbar sein muss. Was es der Beschreibung nach nicht kann (oder nicht soll?) Wäre woh! eher als GTF (Grosstankfahrzeug) zu bezeichnen. Bei dem erwähnten Preis aber dann eine überteuerte Sonderanfertigung … Sowas ähnliches gab es vor Jahren schon mal als Eigenbau bei einer FF der Gemeinde Mersch. Wurde damals belächelt. Im Übrigen hätte vor dem CGDIS nichts den Innenminister daran gehindert,ein solches GTLF für den Zivilschutz (Protex – Protection Civile) anzuschaffen.

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