"Leo-Shack"?

30. August 2011 10:55; Akt: 01.09.2011 14:29 Print

Die Gerüchteküche brodeltDie Gerüchteküche brodelt

von Claude Clemens - "Fantasme ou réalité?" – Mit diesem äußerst passenden Titel machte die Sport-Tageszeitung L'Equipe am Montag ein Gerücht öffentlich, das es in sich hat: Wird es eine Fusion der beiden Profi-Rennställe Leopard-Trek (Luxemburg) und RadioShack (USA) geben? Der Versuch einer Analyse.

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Brian Nygaard ist Teamchef bei Leopard. (Bild: Tageblatt-Archiv/Gerry Schmit)

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Grob zusammengefasst der Inhalt des L'Equipe-Artikels: Derzeit solle über eine Fusion verhandelt werden, später im Artikel geht von einer Übernahme (RadioShack übernimmt Leopard) die Rede; Leopard-Trek habe finanzielle Probleme; Teamdirektor Brian Nygaard würde das Luxemburger Team am Ende der Saison verlassen.

Grob zusammengefasst die Reaktion auf Seiten von Leopard-Trek: ein einziges, großes Dementi zu allen drei Punkten. Und ein "totaler Unsinn" als Zugabe zum Punkt der finanziellen Schwierigkeiten, die es anscheinend geben solle.

Einige Fakten

Der US-Hersteller Trek rüstet beide Teams aus. Bei Leopard fungiert er im Team-Namen, ohne "richtiger" Hauptsponsor zu sein; bei RadioShack kommt er nicht im Team-Namen vor.

Leopard konnte die ganze Saison über keinen Hauptsponsor für seine große weiße Fläche auf der Vorderseite der Trikots präsentieren. Trek wurde immer wieder in diesem Zusammenhang genannt.

John Burke, Big Boss von Trek, war bei der Tour-Ankunft auf den Champs-Elysées vor Ort und verbrachte viel Zeit bei Leopard-Trek respektive Mäzen Flavio Becca.

Trek scheint große Stücke auf seine europäischen Aushängeschilder zu halten. Die Schlecks weilten bereits mehrfach in den USA, zuletzt Anfang August auch gemeinsam mit Fabian Cancellara für Trek-PR auf einer großen Fachmesse.

Lance Armstrong – er hat RadioShack gegründet – machte nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für Andy Schleck, weniger für dessen Bruder Frank. Anfang August wurde er in Spekulationen als möglicher Manager bei Leopard-Trek gehandelt. Bei seiner Skoda-Tour-de-Luxembourg-Teilnahme 2010 soll es zu einem Geheimtreffen (mit wem auch immer) gekommen sein.

Johan Bruyneel, Armstrong-Mentor und RadioShack-Teammanager, flog laut "T"-Informationen nach seinem Sommerurlaub 2011 von Bali nach ... Luxemburg.

Ebenfalls laut "T"-Informationen wolle nicht Brian Nygaard aufhören, sondern der Däne solle entlassen werden, da man nicht mit ihm zufrieden sei. Bei allem relativen "Unsinn" oder nutzlosen Sachen, die man auf Twitter lesen kann, stach Nygaards Mitteilung vom 25. August, ohne Zusammenhang mit vorherigen "Tweets", sofort ins Auge: "integrity is what we do when others aren’t watching." Frei übersetzt: "korrekt handeln, auch wenn jemand nicht zugegen ist." Nach unserer Auffassung klingt das nach einer ziemlich verbitterten Anklage ...

Leopard-Trek hat bereits zwei Fahrer für 2012 verpflichtet, die von RadioShack kommen. Das US-Team hat noch keine namhaften Zugänge für 2012, verzeichnete bisher eher nur Abgänge.

BMC, ebenfalls ein Rad-Hersteller, hat für 2012 mit Evans (dem Tour-Sieger), Gilbert (dem Klassiker-Jäger) und Hushovd (dem Weltmeister) quasi eine "Über"-Mannschaft geschaffen. Auch die Fusion Omega-Quickstep könnte in einem sehr, sehr starken Team münden.

Einige Möglichkeiten

Fusion.

Leopard übernimmt RadioShack.

RadioShack übernimmt Leopard.

Für alle drei Möglichkeiten gäbe es ein Ziel: um BMC etwas entgegensetzen zu können.

Es geht "nur" um Sponsoren bzw. Sponsoren-Gelder:

Leopard will Armstrong.

Es ist eine "Entweder-oder"-Situation: Vielleicht will eines der Teams (oder beide) Trek für sich alleine. Oder Trek will nur noch eines unterstützen.

Eines scheint sicher:

Ein mögliches Ende des Luxemburger Teams Leopard-Trek in dieser Form nach nur einer Saison wäre wohl für alle Beteiligten als ein Fehlschlag auf der ganzen Linie zu beurteilen.