Es ist das beeindruckende Resultat monatelanger Arbeit. Bereits im September hat das Projekt „Looss alles eraus“ der Stiftung „Ecouter pour mieux s’entendre“, dem Rocklab und der Jugendpsychiatrie der „Hôpitaux Robert Schuman“ auf dem Kirchberg und in der Tagesklinik in Esch/Alzette begonnen. Etwa 20 Jugendliche erhielten die Möglichkeit, in Workshops zu lernen, wie sie ihren Gefühlen auch durch Tanz und Musik Luft machen können.

„Schon 2015 gab es ein erstes Projekt mit der Jugendpsychiatrie“, erklärt Dominique Hansen, Präsidentin der Stiftung:
„Damals wurde eine Woche lang intensiv mit den Jugendlichen und einer Schweizer Künstlerin im Bereich Körpersprache gearbeitet. Das hat uns damals gut gefallen, deswegen haben wir im letzten Jahr ein neues Projekt auf die Beine gestellt. Daraus wurde dann ‘Looss alles eraus’. Eigentlich sollte dieser Workshop nur bis Dezember dauern, doch es hat den Jugendlichen so geholfen und sie so begeistert, dass wir beschlossen, es weiter zu verlängern. Dieses fantastische Konzert war nun der krönende Abschluss.“

Mit den Jugendlichen arbeiteten die Tänzerin und Choreografin Sylvia Camarda und der Rapper David Galassi zusammen. Sie halfen den jungen Menschen, ihre Probleme und Herausforderungen in Texte und Tänze zu packen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Seelenstriptease

Der große abschließende Auftritt war nicht nur nervenaufreibend für die jungen Künstler, sondern auch für den erfahrenen Musiker Galassi: „Also, ich bin jetzt nach dem Auftritt bestimmt 10 Kilo leichter. Ich habe mitgefiebert bis zur letzten Sekunde und sie haben wirklich alles gegeben. Ich bin fast sprachlos, so gut war es.“ Galassi erarbeitete mit den Jugendlichen die Songtexte, dabei habe er aber nur bei der Form geholfen, betont der Musiker.

Den Input haben die Jugendlichen selbst geliefert: „Manchmal war es ein richtiger Seelenstriptease. Sie haben alles herausgelassen, was sie konnten.“ Der Luxemburger Rapper engagiert sich sehr für Jugendliche mit Problemen und kann sich ein weiteres, ähnliches Projekt gut vorstellen: „Für so etwas bin ich immer zu haben.“ Auch die Choreografin Sylvia Camarda ist begeistert von der Leistung der Jugendlichen. „Noch bei der Generalprobe hat nicht alles so super geklappt wie heute Abend. Aber egal wie nervös sie waren, alle haben es auf die Bühne geschafft und haben eine tolle Show abgeliefert. Auch die Tänzerin kann sich ein ähnliches Unterfangen noch mal vorstellen: „Absolut. Zum einen arbeite ich sehr gut mit David zusammen, er im Rap und ich im Tanz. Zum anderen arbeite ich sehr gerne mit Jugendlichen. Das tue ich auch häufig neben meiner normalen Arbeit.“ Sie sieht ihre Aufgabe vor allem daran, den Jugendlichen Selbstvertrauen mitzugeben. „Ich möchte ihnen zeigen, dass sie Potenzial haben, egal wie schlecht es ihnen geht. Sie sind wichtig für unsere Gesellschaft. Was sie ausdrücken, steht auch für all die Jugendliche, denen es ähnlich geht.“

Ehrliche Emotionen, Zusammenhalt der Gruppe

Von Selbstmordgedanken, über Unterdrückung, Missbrauch, Trauer, Liebeskummer …, die Themen, die die Jugendlichen in ihrer Perfomance ausdrücken, sind vielfältig und berühren. Nichts bleibt versteckt, nichts zurückbehalten. Die Ehrlichkeit ihrer Emotionen und der große Zusammenhalt der Gruppe macht den Abend in der Rockhal zu etwas ganz Besonderem.

Nach dem Auftritt schildert eine Teilnehmerin: „Bei dem Projekt mitzumachen, war wirklich echt cool. Als ich jetzt auf die Bühne sollte, war ich überhaupt nicht aufgeregt. Ich hatte einfach Bock, mein Werk vorzutragen und zu zeigen, dass ich etwas kann.“ Ein weiterer Jugendlicher erzählt: „Mein Text kam mir einfach so. Ich hab ihn auch seit September eigentlich nicht verändert, nur meinen Tanz hinzugefügt.“

Nicht jedem fiel der Auftritt allerdings leicht. „Am Anfang stand ich da und dachte nur ’ich kann das nicht, ich kann das nicht’, aber als ich dann wirklich auf die Bühne ging, waren alle meine Zweifel wie weggefegt“, verrät eines der Mädchen. Besonderes Lob gibt es aber von allen Seiten für die Arbeit der beiden Künstler Galassi und Camarda: „Sie waren echt toll und haben uns viel geholfen.“

Jessica Oé