Jeder kennt sie, die iPhone-Werbungen, die Fotos von Benutzern des weltberühmten Smartphones abbilden. Und so nicht nur zeigen, wie gut die Kamera des iPhones sein soll, sondern auch, dass der Besitzer des Apple-Produkts jederzeit auf ästhetisch hochpolierte Art und Weise seinen Alltag einfangen kann.

Drei Fragen an den Künstler
Was bedeutet dieser Preis für dich?
In meinem Geburtsjahr gab Monika von Boch ihren Beruf als Werksfotografin auf und widmete sich fortan nur noch der Kunstfotografie. Es gibt, so behaupten diejenigen, die Monika von Boch gekannt haben, Parallelen zwischen ihrem Werk und meinem. Ich fühle mich deswegen sehr geehrt, diesen Preis 27 Jahre nach meiner ersten Ausstellung als Fotograf zu erhalten.

Wie abhängig ist Fotografie als Kunstform von der technischen Entwicklung?
Ich stamme aus einer Zeit, zu der man seine Fotos selbst entwickelt hat. Ich gehöre aber auch zu denjenigen, die sofort zur digitalen Fotografie gewechselt sind – in meinem Fall war das zum Jahrtausendwechsel. In meinen Augen muss gute Kunst sich ständig neu erfinden. In diesem Sinne steht sie über dem technologischen Fortschritt.

Gibt es eine Verbindung zwischen deiner journalistischen und deiner künstlerischen Tätigkeit?
Ich mache eigentlich viel zu selten den Unterschied zwischen meinem Dasein als Journalist und meinem Dasein als Mensch. Klar hat mein journalistisches Schaffen mein künstlerisches Werk beeinflusst – und umgekehrt. Auch wenn sich mir in der Kunst andere Ausdrucksmöglichkeiten erschließen.

Infos zur Ausstellung
Die Ausstellung “François Besch, Hipstamatics” ist noch bis zum 23. April 2017 im Museum Schloss Fellenberg zu sehen. Geöffnet ist das Museum von dienstags bis freitags sowie sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr. Am Karfreitag ist das Museum geschlossen.

Am Sonntag, den 9. April findet bei freiem Eintritt um 15 Uhr ein Künstlergespräch statt.

Adresse & Adressen
Torstraße 45a
D-66663 Merzig

Weiterfuhrende Links
www.museum-schloss-fellenberg.de
www.francoisbesch.eu
the other view | 2010-2012

Wie viel hochwertige Kunst sich unter diesen Schnappschüssen befindet – und ob man im Kontext einer Aneignung durch eine Firma wie Apple überhaupt noch von Kunst sprechen darf – sei dahingestellt.

Tatsache ist aber, dass auch im Zeitalter der Handyfotografie, wie Dr. Paul Bertemes im Laufe seiner Laudatio verdeutlicht, die Technik (und das Experimentieren mit der Technik) nur ein Mittel ist, die „künstlerische Wertigkeit“ auch hier erst dann entsteht, wenn man sich vom simplen „Abklatsch“ der Realität zu einer künstlerischen Transzendenz hinbewegt. Eine Transzendenz, die durch künstlerische Vision, Affekte, Sensibilität und Konzepte ermöglicht wird.

Pionier der Smartphone-Fotografie

Denn im Sumpf der zigtausenden Fotos, die jeder Smartphone-Benutzer in seiner Tasche herumträgt (oder die auf einer gesättigten virtuellen Wolke, auf das Hacker-Gewitter wartend, verweilen), kristallisiert sich diese Tendenz der Handyfotografie als Kunstform eigentlich immer deutlicher heraus – nur übersieht man hier vielleicht das Talent einfach schneller.

Tatsache ist auch, dass François Besch zum Pionier der Smartphone-Fotografie wurde, als die Luxemburger Post im Jahr 2013 fünf Fotos seiner Ausstellung „Von Glückspilzen und anderen Lichtquellen“ auf Briefmarken verewigte. „Es war weltweit das erste Mal, dass Bilder, die mit einer Handy-Kamera aufgenommen wurden, für eine offizielle Briefmarke des Staates ausgewählt wurden“, erklärt Bertemes.

Wenn die Technik hinterherhinkt

Der Weg dahin war nicht leicht: Auch wenn Besch sich sehr schnell zur digitalen Fotografie bekehrt fühlte, musste er das iPhone 4 abwarten, bis die Auflösung zureichend war, um Bilder zu machen, „die für journalistische, aber auch für künstlerische Projekte nutzbar waren“.

Wie Bertemes erklärt, hinterfragen die mithilfe der App „Hipstamatic“ entstandenen Bilder den Zeitgeist „über komplexe (…) historische Erzählungen und mit neuen technischen Möglichkeiten“. Wir erleben aber auch, so Bertemes, die Transposition einer alltäglichen Realität in eine „Kunst-Wirklichkeit“, in der die Details der Außenwelt von der Innenwelt des Künstlers überarbeitet wurden.

Ein „grenzüberschreitendes Wort”

Zu Beginn seiner Laudatio freut sich Dr. Paul Bertemes, ein „grenzüberschreitendes Wort […] zu Ehren der entgrenzten Kunst“ geben zu können – und deutet damit darauf hin, dass die Realität des politischen Europas lange nicht immer so grenzenlos ist, wie wir es uns wünschen. Gut also, dass Kunst den „Mief der Engstirnigkeit“ zu überkommen vermag – immerhin haben Deleuze und Guattari ja damals schon von dem Phänomen der Entterritorialisierung gesprochen.

Bertemes geht anschließend auf die Verknüpfungen zwischen Luxemburg und dem Saarland ein, erinnert mitunter daran, dass der Luxemburger Fotograf Roger Wagner schon mit dem Monika-von-Boch-Preis ausgezeichnet wurde und dass in den 1980er Jahren in Jochen Herlings „Fotogalerie 52“ saarländische Fotokünstler – darunter Monika von Boch – ausstellten.

Die Verbindung zwischen Tageblatt und Fotografie führt bei Besch in seine jungen Jahre zurück. „Mit 19 Jahren habe ich mit meiner journalistischen Tätigkeit begonnen. Zuvor habe ich auch schon künstlerische Tätigkeiten verfolgt. Interessanterweise bekam ich 1977 als jüngster Künstler überhaupt den ‘Prix d’encouragement’ bei der ‘Biennale des jeunes artistes luxembourgeois’. Und dieser wurde vom Tageblatt gestiftet.“

Jeff Schinker