Frankfurts “neue Altstadt”

In Frankfurt sind zwischen Römer und Dom die Bauzäune gefallen und die Altstadtrekonstruktion mausert sich bereits jetzt zum Publikumsmagneten. Robert Spirinelli schlängelte sich durch das neue Eldorado der Main-Metropole und machte sich ein Bild vom künftigen Altstadtleben.

Frankfurt hat die wohl imposanteste Skyline in Europa, ist als weltweit bedeutende Businessstadt mit dem dazugehörigen Mega-Airport bekannt und hat sogar den Bayern aus München den Garaus gemacht, indem die Eintracht den mutmaßlich hässlichsten aller Fußball-Landespokale von Berlin an den Main holte.

Ungeahntes Eldorado

Unter hohen Türmen und unzähligen Events versteckt sich zwischen dem Dom und Römer aber auch ein völlig ungeahntes Eldorado – und zwar Frankfurts neue rekonstruierte Altstadt, die mit ihren engen verwinkelten Gassen und den bunten Fachwerkhäusern förmlich zum Verweilen einlädt. Die Altstadtrekonstruktion wirkt wie eine beeindruckende Filmkulisse, in der sich jeder einzelne Besucher seine eigene Rolle ausmalen kann – ganz wie in einem Puppenland mitten in der Großstadt. Auf rund 7.000 Quadratmetern findet man wieder die alten Gassen und Plätze und wie früher wird es in dem Viertel neben Wohnungen auch kleine Lä- den und Restaurants geben. Zudem werden hier das Struwwelpeter-Museum und ein Museum zum Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze neue Räumlichkeiten beziehen.

328 Stufen

Einen prachtvollen Ausblick auf Skyline und Altstadt bietet die Plattform vom Dom. So ganz mühelos ist Turmbesichtigung allerdings nicht, denn diese führt auf 328 Stufen zum Umgang in 66 Metern Höhe. Nach höherer Herzfrequenz, zuckenden Beinen und ein paar verlorenen Schweißtropfen wird der Besucher dann schließlich mit dem himmlischen Panorama über der Main-Metropole belohnt.

Dabei ist Frankfurt eigentlich eine kleine Stadt, versucht Christian Setzepfandt uns klarzumachen. „Die Frankfurter leben in ihren Nachbarschaften. Wir nutzen nicht immer die ganze Stadt, sondern eher unser fußläufiges Umfeld.“ Setzepfandt ist seit nunmehr 41 Jahren Stadtführer in Frankfurt und hat sich ganz ausführlich mit dem Jahrhundertprojekt „Altstadtrekonstruktion“ beschäftigt. Zwei Jahre lang hat er auf dem Grundstück Führungen gemacht, während das Ganze gebaut wurde. Setzepfandt kennt hier jeden Winkel und kann praktisch zu jedem Stein, zu jeder Säule und zu jedem Hauptgipfel eine Geschichte erzählen, die sich wie ein Hörbuch anhört. Bereits 15 Bücher hat er über Frankfurt herausgebracht und zum Teil auch die historischen Situationen dieses Ortes beschrieben.

In der neuen Altstadt, die ein absolutes Schmuckstück geworden ist, trafen wir den berüchtigten Stadtführer und schlenderten zusammen mit ihm durch die Gassen, um das künftige Altstadtleben zu erkunden – das Ganze natürlich nicht, ohne Christian Setzepfandt zu befragen.

Was war die Grundidee der Rekonstruktion?

Christian Setzepfandt: Die Grundidee war die Wiederherstellung des alten Stadtkerns – das heißt, wir haben hier nicht nur Gebäude, sondern auch den alten Stadtplan rekonstruiert, mit dem Gedanken, dass Frankfurt wieder ein Stück zurückbekommt, das das historische Herz der Stadt vielleicht wieder schlagen lässt. Wie lange dauerten die Bauarbeiten? Das technische Rathaus ist 2012 abgerissen worden, dann wurde die Tiefgarage neu strukturiert und die eigentlichen Bauarbeiten begannen im November 2014. Am 9. Mai 2018, also dreieinhalb Jahre später, ist der Bauzaun gefallen. Wie viele Gebäude wurden rekonstruiert? Es wurden 15 Rekonstruktionen vorgenommen – an den Orten, an denen das ging, weil wir nur Rekonstruktionen auf exakt den historischen Grundstücken gemacht haben. Wo das nicht möglich war, sind 17 Gebäude aus heutiger Architektursprache entstanden.

Was verspricht sich Frankfurt von seiner neuen Altstadt?

Ein neues, funktionierendes Herz der Stadt, ein Ort, an den die Frankfurter sowie auch die Besucher hingehen und an dem sie einkaufen können, wo es Gastronomien und Museen gibt und Menschen sich wohlfühlen können.

Ist die Altstadt denn nun eher Geschäfts-, Vergnügungsoder Wohnviertel – oder aber eine zusätzliche Touristenattraktion?

Wir haben versucht, diese Mischung hinzukriegen. Also 70 Wohnungen bei nur fünf Kneipen, damit es keine reine Vergnü- gungsmeile wird. Hierhin sollen einerseits die Touristen kommen, aber die Frankfurter sollen hier auch einkaufen können. Ursprünglich war zudem ein Hotel geplant, wegen Platzmangels wurde das Projekt allerdings wieder fallen gelassen.

Was würden Sie als das Herzstück der Altstadtrekonstruktion bezeichnen?

Also vom Städtebau den Hühnermarkt, das ist der zentrale Markt mit dem Brunnen, und von den aufwendigen Rekonstruktionen sicherlich die Goldene Waage.

Altstädte – auch moderne – sind oft leider nicht wirklich behindertengerecht gestaltet. Wurde in Frankfurt bei der Rekonstruktion auf die Barrierefreiheit geachtet?

Nun, barrierefrei bedeutet, für Menschen zu bauen, die wenig oder nichts sehen, die farbenblind sind, die akustische Räume nicht nachvollziehen können oder aber auch im Rollstuhl sitzen. Unsere Altstadt ist so weit wie möglich barrierefrei. Wir haben hier Pflaster, das mit feinen Fugen verlegt worden ist, damit alle rollenden Fahrzeuge, Rollatoren, Rollstühle und auch Kinderwagen gut darauf fahren. Es wurden taktische Streifen angelegt, an denen sich Sehbehinderte orientieren können, und fast alle Eingänge in die Altstadt sind barrierefrei. Lediglich zwei Zugänge sind es nicht – die konnten es nicht sein, weil wir da in so starken Höhenunterschieden bauen mussten, dass das nicht funktioniert hat. Auch die Wohnungen haben zum großen Teil Aufzüge, es gibt aber auch einige Gebäude, die nicht barrierefrei sind, diese Häuser wurden allerdings auch als solche verkauft.

Wie gut kommt die Altstadt bei den Frankfurtern selbst an?

Oje … Sehr kontrovers, wenn Sie sich ein bisschen anschauen, wie die deutschen Zeitungen im letzten halben Jahr darüber geschrieben haben. Also auf der einen Seite ein kompletter Verriss, weil man das ganz schlecht gefunden hat, andererseits gab es sehr lobende Artikel, die Meinung der Frankfurter liegt auch so dazwischen. Es gibt Menschen, die hierherkommen und sagen: Ist das schön, ist das kleinteilig, ist das heimatlich … Selbst die großen Kritiker, die ich im Laufe der Jahre hierdurch geführt habe, und Politiker, die diesem Projekt sehr skeptisch gegenüberstanden, zeigen sich nun beeindruckt. Das ist toll, weil man hier spürt, dass nichts zufällig ist und dass nichts Investorenarchitektur ist, sondern dass über jedes Detail ausgiebig diskutiert wurde und dass man darüber nachgedacht hat, wie man alles gestaltet. Wir haben hier keine billige Architektur gemacht. Man muss es von der Gestaltung und der Grundidee her nicht mögen, aber was man in jedem Fall sagen muss, ist, dass das, was Sie hier sehen, wunderbares Handwerk ist, und ich glaube, das können viele Leute schätzen. Zudem denke ich, dass dieses Handwerk extrem wichtig für die Atmosphäre ist, weil man den Gebäuden anmerkt, dass da nicht eine industriehafte Architektur und Ausführung dahintersteckt, sondern dass jeweils individuell die besten Lösungen gefunden wurden.

Die Goldene Waage

Immer wieder kamen Fremde nach Frankfurt, die dann in der Stadt am Main sesshaft wurden. Größte Zuwanderungsgruppe aller Zeiten waren die Reformierten aus den katholischen Niederlanden, die im Rahmen der Gegenreformation aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Über 100.000 von ihnen kamen zwischen 1560 und 1630 nach Frankfurt – darunter zahlreiche wohlhabende Händler, die sich repräsentative Anwesen errichten ließen. Abraham von Hameln war Gewürzhändler, Zuckerbäcker und außerordentlich vermögend. Er ließ bis 1619 für sich und seine Familie das „Haus zur Goldenen Waage“ errichten – bis zum Zweiten Weltkrieg eines der „Vorzeigehäuser“ der Renaissance in Frankfurt.

Die Feierlichkeiten

Die großen Eröffnungsfeierlichkeiten finden vom 28.-30. September 2018 statt. Drei Tage lang wird Frankfurt dann seine neue Altstadt, das DomRömer-Quartier, feiern. Den Auftakt bildet dabei ein offizieller Festakt in der Paulskirche. Das gesamte Eröffnungsprogramm verteilt sich auf zwei Bühnen und viele dezentrale Veranstaltungsorte in und rund um das Quartier. Museen und Institutionen aus der direkten Nachbarschaft beteiligen sich mit Sonderausstellungen, Diskussionen und Konzerten. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) zeigt in der Ausstellung „Die immer Neue Altstadt. Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900“ (22.9.2018-3.3.2019) die städtebauliche Entwicklung des Areals und wird dabei die Debatte über Rekonstruktion in den Blick nehmen. Auf den Bühnen am Römerberg und am Mainufer stehen Musik- und Theaterdarbietungen im Programmablauf.

Gewinnspiel

Gewinnen Sie ein Wochenende für 2 Personen in Frankfurt mit Besuch der Neuen Altstadt.
– 2 Übernachtungen im Hotel Le Méridien inkl. Frühstück
– Stadtrundgang durch die neue Altstadt
– Schiffsrundfahrt auf dem Main
– Eintritt ins Historische Museum Frankfurt

Dazu einfach folgende Frage beantworten: Wie viele Stufen führen zur Aussichtsplattform im Domturm?

Ihre Antwort mit Ihrer vollständigen Adresse senden Sie bitte bis zum 8.6.2018 an gewinnspiele@infofrankfurt.de

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es entscheidet das Los. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

Mehr Infos über Frankfurt gibt es hier.

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