Dass ein günstiger Allradler wie der Dacia Duster durchaus seinen eigentlichen Zweck erfüllen kann, davon konnte sich Robert Spirinelli überzeugen.

Das Mindeste, das man zum Dacia Duster der zweiten Generation sagen kann,, ist, dass er moderner als sein Vorgänger daherkommt. Design und Erscheinungsbild des in Rumänien produzierten Kompakt-SUV wirken auf Anhieb „europäischer“ und somit attraktiver. Dazu tragen Optionen wie Klimaautomatik, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie 360-Grad-Multiview-Kamera bei, die allesamt erstmals bei Dacia verfügbar sind.

Auch der neu gestaltete Innenraum kann sich trotz des vielen Hartplastiks sehen lassen. Die wichtigsten Bedienelemente sind funktionell ausgerichtet und auf übersichtliche Weise dem Fahrer zugewandt. Das Multimedia- beziehungsweise Touchscreen-Navigationssystem ist intuitiv und prägt durch eine doch etwas rustikale Grafik das Gesamtbild im Frontbereich.

Unser Testwagen, der Dacia Duster Prestige TCe 125 4WD, also mit Allradantrieb, 125-PS-Benzinmotor und, wie die Typenbezeichnung vermuten lässt, Top-Ausstattung, ließ mit einer Reihe neuer Details, wie man sie eigentlich nur aus höheren Fahrzeugklassen kennt, kaum Wünsche offen. Die allgemein gute Rundumsicht und die erhöhte Sitzposition steigern die Alltagstauglichkeit des Duster und sorgen für ein angenehmes Dahingleiten. Dacia selbst spricht von besseren Sitzen mit strafferen Polstern, die für unseren Geschmack trotz Lederausstattung allerdings nach wie vor viel zu weich sind und keinen optimalen Seitenhalt bieten. Für angenehme Überraschungen sorgen hingegen das komfortable Fahrwerk, das so manche Unebenheit auf den Straßen ausbügelt, sowie der geringe Geräuschpegel im Wageninneren. Wer bei rasanter Fahrt genau lauscht, kann sogar das Knistern des Hartplastiks hören.

Dennoch wird nach wie vor kaum jemand mit einem Dacia Duster zum Galadiner des Millionärklubs kutschieren und auch die Nachbarn werden eher nicht vor Neid gelb werden, wenn man im neuen Duster vorfährt. Dennoch sollte man nicht allzu hochnäsig auf das kompakte SUV-Modell hinabschauen, denn wo andere liegen bleiben, da rollt der Duster dank der hohen Bodenfreiheit von 21 Zentimetern und einem Böschungswinkel von 30 Grad vorne und 34 Grad hinten (Duster 4WD: 33 Grad) durch und erklimmt selbst starke Absätze bis zu einem Rampenwinkel von 21 Grad.

Der Einstieg in die Dacia-SUV-Klasse liegt mit dem Basismodell SCe 115 (E6.2) bei 11.593,64 Euro. Den Dacia Duster TCe 125 4WD Prestige gibt es ab 18.855,37 Euro mit serienmäßiger Ausstattung wie Berganfahrhilfe, Bordcomputer, Schaltpunktanzeige, elektrischem Fensterheber, Elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) mit Antriebsschlupfregelung (ASR), Front- und Seitenairbags vorne, durchgehenden Windowbags für beide Sitzreihen, geschwindigkeitsabhängiger elektrischer Servolenkung, Geschwindigkeitsregler usw.

Unser Testauto mit weiteren Optionen wie heizbaren Ledersitze, Techno-Pack, schlüsselfreiem Zugang und der exklusiven Farbe Orange Atacama schlägt mit 21.127,68 zu Buche. Alles Preise, die deutlich unter den Modellen mit vergleichbarer Ausstattung liegen. Schaut man sich die Angebote im SUV-Segment an, kann man schnell feststellen dass für ähnliche Varianten mindestens der doppelte Kaufpreis verlangt wird.
Mit seinen 125 PS ist der 1,2-Liter-Benziner kein Rennpferd, ein ordentliches Vorankommen ist aber stets gewährleistet. Immerhin schafft der TCe 125 4WD Prestige die Höchstgeschwindigkeit von 179 km/h und erreicht aus dem Stand hinaus die 100-Meter-Marke in elf Sekunden.

Ein Kurvenfresser ist der Duster auch nicht, dafür ist die Lenkung viel zu zaghaft und eher auf gemütlicheres Fahrverhalten abgestimmt. Das manuelle Sechs-Gang-Schaltgetriebe lässt sich zwar leicht schalten, ist aber besonders in den unteren Bereichen recht kurz übersetzt, sodass ein oft holpriger Griff zum Schaltknüppel nicht zu vermeiden ist. Der Durchsnittsverbrauch wird vom Werk mit 6,4 Litern auf 100 Kilometer angegeben. Diesem Wert konnten wir uns bei behaglicher Fahrweise nur wenig annähern, denn mit den vom Bordcomputer ermittelten 7,4 Litern lagen wir immerhin um einen ganzen Liter über dem vom Konstrukteur versprochenen Durst.

Viel sparen können vor allem jene Fahrer, denen die Blechkarosse nicht alles bedeutet. Als kleines Rechenbeispiel nehmen wir den Anschaffungspreis von 21.127,68 Euro des Top-Modells Prestige TCe 125 WD mit allen Optionen. Ein vergleichbares SUV mit Allradantrieb würde bei der Konkurrenz leicht mit dem Doppelten zu Buche schlagen. Mit 21.127,68 Euro kann man beim heutigen Benzinpreis (1,278 e/l) 16.531,83 Liter EuroSuper 95 ergattern. Das machen beim Dacia Duster (50-Liter-Tankkapatität) rund 330,5 Tankfüllungen, womit der SUV bei einem Verbrauch von 8 Litern im Prinzip 206.562 Kilometern fahren könnte, während die Konkurrenz noch in der Garage steht.

Relooking hin, nächste Generation her, kompromisslos bleibt auch der neue Duster, der genau wie sein Vorgänger mit Hinblick auf maximalen Nutzwert und größte Robustheit bei möglichst niedrigem Anschaffungspreis konzipiert wurde. Bis dato erwies sich das Modell für Dacia und die Renault-Gruppe als sehr erfolgreich, wurden seit 2010 doch über zwei Millionen Exemplare verkauft.

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