Von Mai bis Oktober kann man die Vielseitigkeit des Luzerner Hausbergs entweder als Ganz- oder Halbtagsausflug erleben. Robert Spirinelli über einen erlebnisreichen wie auch schwindelerregenden Trip hoch über dem Vierwaldstättersee.

Alle Wege mögen zur „Ewigen Stadt“ Rom führen, doch längst nicht alle Routen geleiten zum Pilatus. Eine der wohl spannendsten und erlebnisreichsten Möglichkeiten ist die „Goldene Rundfahrt“, die von Luzern aus den Besucher regelrecht im Schlepptau zum legendären, 2.132 Meter hohen Gipfel befördert, und zwar per Schiff, Bahn und durch die Luft.

Nach einem Spazierbummel durch die malerische Luzerner Alstadt ist die Überquerung der Reuss, die von hier aus den Vierwaldstättersee Richtung Norden verlässt, über die weltweit älteste überdachte Holzbrücke, vorbei am Wasserturm, einem der Wahrzeichen Luzerns, ein Muss. Majestätisch ragt der sagenumwobene Hausberg über Tal, Fluss und See, zieht die Blicke auf sich und lockt wie ein magischer Magnet Neugierige zu seinem Gipfel.

Fabeln und Mythen

Lange war es allerdings strikt verboten, den Pilatus zu besteigen, denn seit jeher umhüllen geheimnisvolle Fabeln und Mythen den Felsen hoch über Luzern. Im Mittelalter sollen hier sogar ein heilbringender Drache und mehrere Geister in den Klüften des Massivs gelebt haben. Im ehemaligen Pilatus-See, so die Sage, habe die Seele des römischen Feldherrn Pontius Pilatus die letzte Ruhe gefunden und unter den Abergläubigen wurde der furchterregende Warnspruch „Wehe dem, der Pilatus stört“ freilich befolgt.

Umso verrückter muss der Schweizer Ingenieur und Erfinder Eduard Locher gewesen sein, als er eine Bahn zum Pilatus plante. Tatsächlich wurde die Bahnstrecke 1889 eröffnet und ist mit maximal 48 Prozent Steigung bis heute noch die steilste Zahnradbahn der Welt.

Plötzlich lassen schrille Huptöne und das Aufbrausen pferdestarker Motoren einiger Luxuslimousinen abrupt verträumte Gedanken wie eine Seifenblase platzen und holen nicht nur Romantiker in den Alltag einer pulsierenden Business-Stadt zurück.

Historische Schaufelraddampfer

Gleich neben dem Hauptbahnhof befindet sich aber zum Glück die idyllische Anlegestelle der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, übrigens der größte Schifffahrtsbetrieb der Schweiz. Kursschiffe verkehren von hier aus zu Rundfahrten auf dem Vierwaldstättersee, darunter die bekannten Dampfschiffe „Gallia“, „Schiller“, „Stadt Luzern“, „Unterwalden“ und „Uri“.

Mit einer Fläche von 113,72 km2 ist der Vierwaldstättersee der viertgrößte See der Schweiz. Er liegt auf einer Höhe von rund 434 Metern über Meer und verfügt über einen Uferumfang von über 160 Kilometern. Die maximale Seetiefe ist 214 m.

Kleiner Tipp: Wer mit dem Schiff zur Pilatus-Bahn will, sollte den Fahrplan der Schiffe genau studieren, denn als einziger Schaufelraddampfer nimmt die historische, unter Denkmalschutz stehende „DS Unterwalden“ (Baujahr 1902) Kurs auf Alpnachstad.

Die gemütliche Fahrt über den verwinkelten, tiefblauen, fjordähnlichen Vierwaldstättersee mit seinen zahlreichen Buchten gönnt dem Auge keine Ruhe und steigert die Neugier um einige Level, zumal der Gipfel des Pilatus aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten ist und der Berg dem See scheinbar immer näher rückt. Wer genau hinsieht, kann sogar bereits die rot leuchtende Luftseilbahn sowie die Panorama-Gondelbahn erkennen.

Mit seinen 2.132 Metern über dem Meeresspiegel mag der Pilatus wohl der bekannteste Gipfel rund um den Vierwaldstätter sein, jedoch überragt das Brienzer Rothorn mit 2.351 Metern alle anderen Luzerner Bergspitzen. Etwas südlich von Luzern, nahe Engelberg,  liegt des Weiteren der schneebedeckte Gipfel des Titlis (3.020 m ü. M.).

Die steilste Zahnradbahn der Welt

Die Schiffsglocke läutet zur Ankunft in Alpnachstad, wo dann auch gleich neben der Anlegestelle die Pilatus-Bahn auf die Fahrgäste wartet oder eher umgekehrt, denn Letztere müssen sich hier oft gedulden und wie bei der Achterbahn eines Freizeitparks Schlange stehen, bevor endlich das Ticket zum ersehnten Ziel gelöst werden kann.

Mit bis zu 48 Prozent Steigung bahnt sich die steilste Zahnradbahn der Welt Meter für Meter den Weg von Alpnachstad nach Pilatus Kulm. Vorbei an blühenden Alpenwiesen, zufriedenen Kühen, schroffen Felsformationen, durch Tunnels und Kurven beträgt die ratternde Fahrt nach oben rund 30 Minuten, talwärts 40 Minuten. Auf halber Strecke kreuzen sich die Triebwagen an der Haltestelle Ämsigen. Aussteigen ist auf Verlangen möglich und der Einstieg nur dann erlaubt, wenn es die Platzverhältnisse zulassen.

Erlebniswanderungen von gemütlich bis alpin

Von Pilatus Kulm ist die Aussicht auf Luzern, das Seebecken des Vierwaldstättersees und die umliegende, zum Teil mit Schnee bedeckte Bergwelt einfach nur fantastisch. Ab hier kann man sich auf atemberaubende Entdeckungswanderungen von gemütlich bis alpin begeben. So führt zum Beispiel der Drachenweg zu den Spuren der Sagen und Mythen, aber, zur kleinen Erinnerung und wie am Anfang des Berichts erwähnt: Wehe dem, der Pilatus stört!

Im Gegensatz zu den Fabeln sind die Steinböcke und Pflanzen am Pilatus aber echt und zählen zu den begehrten Touristenattraktionen. Seit über 40 Jahren lebt hier Steinwild und auf dem ausgeschilderten Blumenpfad blühen über 100 verschiedene Blumen, die zudem bezeichnet sind.

Das Gefühl des Fliegens

Zurück ins Tal kann man bequem mit der Luftseilbahn „Dragon Ride“, die das Gefühl des Fliegens vermittelt, über die schroffen Abgründe des Pilatus bis zur Station Fräkmüntegg schweben. Umsteigen in die Gondelbahn, die über die Krienseregg nach Kriens gleitet, ist nun angesagt, wo es dann per Buslinie bequem nach Luzern weitergeht.

Die Tour ist selbstverständlich in beide Richtungen, also entweder via Alpnachstad oder aber von Kriens aus, möglich. Reisenden mit Kindern sei an dieser Stelle allerdings geraten, die Variante ab Alpnachstad zu wählen, denn auf halber Strecke von Kriens zum Pilatus befindet sich der größte Erlebnisseilpark der Zentralschweiz mit Highlights und Attraktionen wie dem Wipfelpfad, dem Dragon Glider, der Drachenalp usw. Also alles, was Jugendliche zum Austoben in intakter Natur so brauchen. Die Weiterfahrt zum Pilatus-Gipfli wird dabei stark gefährdet …

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