Die Nacht entpuppte sich als ewiger Tanz
Die großen Namen fehlten! Anders als gewohnt, trumpfte in diesem Jahr die traditionsreiche Düdelinger „Fête de la musique“ nicht mit international renommierten Musikern auf. Wir erinnern uns: Ein Sohn Mannheims namens Rolf Stahlhofen, Gentelmen, Sarah Bettens, Dúné, sie alle standen im Laufe der vergangenen Jahre als Headliner auf der Bühne vor dem Düdelinger Rathaus. Nach den wahren Stars aus dem Ausland aber suchten wir in diesem Jahr vergebens!
Emile Hengen (Text),
Fabrizio Pizzolante und
Didier Sylvestre (Fotos)
Einzige Ausnahme war der Brite Paul Carrack, der sich mit seichtem Pop in die Herzen seiner Fans spielte. Warum aber sind die fern geblieben? Ist der Reiz am Fest der Musik etwa verloren gegangen? Oder war die Auflage 2010 einfach nur ein schlechter Jahrgang, den wir rasch im Abfluss verschwinden lassen wollen, frei nach dem Leitsatz „Ni vu, ni connu“? Weder noch!
Pflichtbewusst erzogen
Die „Fête de la musique“ ist erwachsen geworden. Noch fehlt ein Jahr bis zur Volljährigkeit, doch in all den Jahren, in denen sie Tausende von Schaulustigen in die Straßen der „Forge du Sud“ gelockt hat, haben die Düdelinger Musikprogrammgestalter am eigentlichen Konzept der im Jahr 1981 auf Initiative des damaligen französischen Kulturministers Jack Lang gegründeten „Fête de la musique“ festgehalten und vorwiegend lokale und junge Musiker ins Rampenlicht gestellt. Siehe auch:
Fête de la musique in Dudelingen
Die jahrelange Arbeit als Ziehmutter hat sich nun ausgezahlt, denn erstmals in der Geschichte der Düdelinger „Fête de la musique“ stand eine Band als Hauptact auf der Bühne, die seit ihrer Gründung im Jahr 2002 nahezu jedes Jahr im Rahmen dieses Musik-Events zum Konzert lud. Die seit dem 1994 in Düdelingen veranstaltete „Fête de la musique“ und Luxemburgs Vorzeigeband Eternal Tango sind gemeinsam gereift und haben unzählige andere Musiker dazu ermutigt, sich in die Sache reinzuknien. Denn unzählige Jahre nach Petrograd haben E.T. bewiesen, dass es immer noch möglich ist, weite Teile der Welt zu erobern.
Selbst als luxemburgische Band! „Warum auswärts einkaufen, wenn das, was man sucht, vor der eigenen Haustür liegt?“, rechtfertigte John Rech seinen Entschluss, E.T. als „Tête d’affiche“ der diesjährigen Auflage zu setzen. Dass Eternal Tango die Qualität dazu haben, gar einen Schritt weiter zu gehen, davon zeugten die fünf Jungs wieder einmal am vergangenen Samstag: Punkt Mitternacht betraten Eternal Tango die Bühne, rühmten ihre „Golden City“ und machten ihrem Namen alle Ehre: Eternal Tango luden zum ewigen Tanz, feuerten einen Hit nach dem anderen auf die Tanzfläche und legten eine Spiel- und Lebensfreude an den Tag, wie wir sie bis dato nur selten erlebt haben.
Musik kostenlos hören und erleben
Doch so ganz ohne Import ging die „Fête de la musique“ dann doch nicht über die Bühne: Wahrlich ein Ohrenschmaus und vermutlich die Offenbarung der diesjährigen Ausgabe, die vermutlich des Regengottes Adad wegen weitaus weniger Besucher als in den Jahren zuvor angelockt hat, war die irische Indie-Popband Delorentos. Sie vertiefte gar die eigentliche Philosophie des alljährlichen Musikfests, indem sie nach ihrem kostenlosen, verblüffenden Auftritt auch noch gratis CDs an ihre Zuhörer verteilte.
Trotz fehlender Stars glänzte der Jahrgang 2010! Vor allem durch die Frische und den Ehrgeiz zahlloser einheimischer Musiker, die sich von früh bis spät in die Nacht hinein die Klinke in die Hand gaben und sich von zigtausenden Fans lautstark anfeuern ließen.






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