Es war einmal ein böser Wolf, der nannte sich Golf GTI und hatte die Alleinherrschaft auf dem Gebiet der damaligen kleinen Flitzer mit Vorderradantrieb. Konkurrenten hatte er anfangs keine, erst später kamen die Peugeot 205 GTI, Renault R5 GT Turbo, Toyota Corolla 16-Ventiler, Escort Turbo oder Fiat Uno Turbo.

Die einen waren schneller, die anderen stärker, die einen bequemer, die anderen aufregender. Viele waren billiger oder aber besser ausgestattet. Eigentlich war der Golf GTI seit Beginn seiner Ära niemals der Stärkste, der Schnellste, der Aufregendste oder der Eleganteste, aber in der Summe seiner Vorzüge konnte er sich über die Dauer seiner Karriere stets gegen die Konkurrenz behaupten. Heute gehört der Golf GTI zum Establishment, man mag ihn, lobt ihn, aber stellt ihn nicht mehr als einen Ausnahmekönner dar. Er ist schon vor langer Zeit erwachsen geworden und wer sich an seinen guten Manieren stört, muss sich nun nach etwas anderem umsehen. Da wird er nicht lange suchen müssen.

Aus gleichem Haus kommt der Polo GTI, nur unmerklich kleiner, voller Tatendrang und apartem Design im Innenraum. Natürlich darf auch er nicht so ungestüm und unberechenbar zu Werke gehen wie einst die Kompakt-GTIs, deren Vorderräder schon bei mehr als 120 PS leidenschaftlich überfordert waren. Dafür hat man ihm eine 6-Gang-Automatik und eine vordere Aufhängung verpasst, die seine 200 PS wohldosiert in Szene setzen. Man kann aber auch brutaler, nämlich manuell über die Schaltwippen am Lenkrad, dann zeigt sich der Polo GTI von seiner angriffslustigen und farbigsten Seite. Was vorher im Fahrprogramm „Normal“ noch dynamisch frisch war, wird in Position „Sport“ zu einem aufregenden Sound- und Krafterlebnis.

Der neue Polo ist von Haus aus ein elegantes Kompaktauto mit klarem, frischem Design. Als GTI und mit den dazugehörenden Erkennungszeichen wie Sport-Räder und Grill- Zierleiste hebt er sich vom Alltags-Polo ab, doch den wahren Unterschied ergeben Auspuffsound und Drehfreudigkeit des Zweiliters, der je nach Verlangen gemäßigt oder aber resolut brutal zupackt, alles eine Frage des Fahrprogramms und der Dosierung des Gaspedals. Am meistens Spaß macht es im manuellen Schaltmodus, dann wird es recht lustig, bei schneller Kurvenfahrt überzeugt er mit stabilem Zupacken und tadelloser Spurtreue.

Insgesamt fuhren wir den GTI über gut 450 km, davon die Hälfte Landstraße, wo er mit seinem Antritt und Durchzugsvermögen, seiner Aufhängung und seiner präzisen Lenkung am besten zur Geltung kommt. Autobahn war auch dabei, aber da ist man heutzutage nicht mehr alleine und fährt eben nur so schnell, wie man darf oder es die anderen zulassen.

1 Kommentar

  1. “aufregendes Sounderlebnis”?
    Daß immer noch solche Geschosse durch die Häuserschluchten donnern dürfen, ist für mich ein Rätsel. Aber wer braucht schon Schlaf?
    Daß da in einer Autowerbung Begriffe wie “brutal” fallen, stört wohl keinen mehr.
    Jetzt warte ich auf die Kommentare, die mich auffordern, irgendwo anders zu leben.
    Wenn es denn irgendwo anders nur einfach leiser wäre, diese Boden-Boden Raketen hört man überall. Von weit gut und von nah zu gut.
    Und das hier ist nur eine Kurzstreckenrakete. In den nächsten schnellen Baum.
    Bitte lebt diese Art der Freude am fahren auf geschlossenen Rennstrecken aus, oder auf Militärsperrgebiet. In geschlossenen Wohngebieten, und im öffentlichen Nahverkehr auf öffentlichen Straßen haben solche Waffen keine Daseinsberechtigung.

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