Wer einem Kodiak Bär auf freier Wildbahn begegnet, wird kaum Notiz von dessen schwerfälliger, pelzumhüllter Eleganz nehmen und sich schleunigst auf die Socken machen. Wer den Skoda Kodiaq sieht, ist beeindruckt von der schlichten, aber imponierenden Silhouette, die Kraft und Freiheit verkündet. Der Skoda Kodiaq ist riesig in Form, das auch im Fahrverhalten. Das erfuhr ich auf einer Fahrt über Autobahn, auf Landstrassen und im Gelände.

Allround-SUV

Hier ein durchzugsstarkes SUV mit intelligentem Allrad und spezieller Geländeübersetzung, dort eine Limousine bis zu sieben Insassen mit anspruchsvoller Ausstattung, darunter Vernetzung und allen erdenklichen Assistenzsystemen für Sicherheit und Komfort. Erstaunlich der Abrollkomfort und das tadellose Dahingleiten auf der Autobahn, es gibt vorwählbare Fahrprogramme wie bei den anderen Modellen des VW-Konzerns, mit Eco, Komfort, Normal, Sport, Individual oder Schnee kann man diesen Bär überall tanzen lassen, wie es gerade passt. Bei „Komfort“ zeigt sich der Kodiaq von der weichen Seite, bei „Sport“ wird es etwas härter, dann kommt auch die Sieben-Gang-DSG-Automatik so richtig in die Gänge und der Kodiaq verwandelt sich von einem tapsigen, gemütlichen Petz in einen angriffslustigen Zeitgenossen.

Raumgreifend

Mit einer Länge von 4,70 m schafft er ausgezeichnete Platzverhältnisse vorne und hinten. Personen in der dritten Reihe bei der Version mit den beiden aufklappbaren zusätzlichen Sitzen sollte man allerdings keine längere Fahrt zumuten, das gilt in dem Fall auch für die Leute in der zweiten Reihe, die dann auf die bemerkenswerte Bein- und Kniefreiheit verzichten müssen, die sie in der 5-sitzigen Version erwartet. Wer die zweite Sitzreihe umklappt, erhält ein Gesamtfassungsvermögen von 2065 Liter oder ein paar Hundert Honiggläser und aus dem Kodiaq wird ein zahmer, angenehmer Geselle.

Schneewittchen hätte mit diesem Auto keine Mühe, ihre sieben Zwerge mitzunehmen, ich nahm nur meine Oma mit den Springerstiefeln mit, um mit ihr die Friedenspfeife zu rauchen, nachdem ich ihre Schallplatten von „Bachman, Turner Overdrive“ verlegt und verloren hatte. Sie kam gerade aus einem Seminar über das Aufstellen von Fallgruben gegen unerwünschte Mountainbiker und war bester Laune. Die steigerte sich mit jedem Kilometer, sie hatte viel Platz, spielte am Infotainment rum und stellte dann das Fahrprogramm auf „Sport“. Hier kommen Kraft, Antritt und Temperament des 2-Liter TDI mit seinen 190 PS unseres Testwagens am besten zur Geltung.

Wie eine Limousine

In den anderen Programmen ist die DSG-Automatik zu Anfang etwas lahmer bei der Sache. Dann kann man die Wippschalter am Lenkrad zur manuellen Handhabung betätigen, mit dem Ergebnis einer besseren Leistungsausbeute. Das macht Spass, es passiert sanft aber mit Nachdruck und wenn sich der Bär dann auf allen vier Pfoten in Marsch setzt und zum Angriff bläst, wird es im Wald bunt , kariert und lustig. Nach fast 400 km Autobahnfahrt bei Tempo 120 km/h stand ein Verbrauch von 7 Liter zu Buche, wirklich sehr anständig für diesen ausgewachsenen Alleskönner, der zudem mit seinem Limousinen-Komfort und nicht zuletzt mit seinem limousinenhaften Fahrverhalten gefällt. Eine Besonderheit ist der ausfahrbare Türkantenschutz, der beim Öffnen automatisch ausklappt, um so Kratzer am Lack des eigenen oder des Nachbarautos zu verhindern. Typisch Skoda. Einfach clever!

msch