Der Luxemburger hat ein ganz besonderes Verhältnis zur Mobilität. Für uns stehen das Automobil und damit der individuelle Transport noch immer im Zentrum unserer Mobilitätsansprüche. Beim kommenden Autofestival wird man dies ganz deutlich merken.

Autos haben in Luxemburg noch Zukunft, ob mit konventionellem Verbrennungsmotor oder, falls es nicht mehr anders geht, mit E-Antrieb. Das Problem ist, dass die E-Autos (noch) viel zu teuer sind, beschränkte Reichweiten haben und dass Hybrid-Autos zwar für ein gutes Gewissen auf den ersten Kilometern in der Stadt sorgen, im Dauerbetrieb jedoch auf einen Benzinmotor angewiesen sind, der so nebenbei das Handicap eines E-Motors und eines E-Speichers mit herumtragen muss und somit weniger verbrauchsgünstig ist, als es uns die meisten Hersteller weismachen wollen.

Es ist nicht zu übersehen, dass die Jugend das Automobil mit anderen Augen sieht als wir und sich weniger für das Produkt Auto interessiert als die Generationen davor und eine ganz andere, weniger emotional geprägte Einstellung zum Auto zeigt.

Und dennoch, es geht nicht ohne Auto und ohne den individuellen Transport, nicht in diesem Land, das nur zwei Metropolen aufweist, die in puncto öffentlicher Transport den Ansprüchen genügen, leider nur ansatzweise. Die wenigsten Leute haben das Privileg, ihren Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe ihres Wohnsitzes vorzufinden, die meisten sind auf den Transport angewiesen, sei es auf das eigene Auto, auf Bus oder Bahn. Und hier ist nicht zu übersehen, dass weder Bus noch Bahn in puncto Flexibilität und Disponibilität dem Auto das Wasser reichen können – wer irgendwo in einer Industriezone oder in einem Gewerbegebiet außerhalb größerer Ortschaften arbeitet, wird verstehen, wovon wir reden.

Wird die Tram den Verkehr in und um die Stadt Luxemburg entlasten, wird das umso besser sein. Doch irgendwie muss man auch zur Tram kommen, nicht jeder wohnt gleich an einem Bahnhof oder an einer Bushaltestelle. Und nicht jeder hat das Privileg, seine Arbeitszeit mit dem Zeitplan von Bus und Bahn abzustimmen, andernfalls wären diese Zeilen hier nie zustande gekommen, denn ich verspüre keine Lust, abends nach 19 oder 20 Uhr zum Bahnhof zu rennen, dort auf einen Zug zu warten, der vielleicht gar nicht kommt, um dann, nach endloser Wartezeit und kurzer Fahrt, am Bahnhof Luxemburg anzukommen und festzustellen, dass mein nächster Bus nach Hause in frühestens einer Stunde fährt. Und wenn ich dann, erschöpft und nicht gerade gut gelaunt, angekommen bin, sinke ich in den Sessel und freue mich, etwas für die Umwelt getan zu haben, wie?

3 Kommentare

  1. Sie haben Recht, lieber jeden Tag 2 Stunden im Stau stehen, wenigstens ist es da trocken und der Sitzplatz sauber und die Temperatur kann man auch selber einstellen.

    Während wir mit 140 km/h mit dem Zug vorbei rasen.

    • Schön für Sie wenn ihr Arbeitsweg mit dem Zug zu bestreiten ist – das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es von vielen Teilen des Landes aus fast unmöglich oder mit einem enormen Zeitaufwand verbunden ist mit dem öffentlichen Transport zur Arbeit zur fahren. Auch dient dieser eigentlich nur wenn man von A (Zuhause) nach B (Arbeit) fährt und wieder zurück – zumindest meinem Alltag entspricht dies nicht, da kommen noch C und D hinzu, und ich bezweile, dass das nur mir so geht. Achja: heute genau 0 Minuten im Stau gestanden – ganz ohne vor dem Bahnhof wartend im Zug zu sitzen bis ein Gleis frei wird.

  2. Hybrid-Autos: bei mir kommt nur der “Selbst-Lader” in Frage, d.h. Batterie und Benziner. Der ganze Schnick-Schnack betreffend die Ausrüstung mit Stecker und Kabel im Auto, die Ladestation im Keller oder an der Hausfassade, der Tarif zum Aufladen, (und vorher das Suchen nach Ladestation, das Warten) entfällt.
    JA___ der Benziner schleppt Tank + Extra-Batterie mit sich und ist dadurch auch 1 weniger effizient.
    ABER___ auch das reine E-Auto lädt einen gewissen “Tankbetrag” auf um seine Batterie zu schleppen.
    Trotzdem fahre ich bei den Temperaturen und dem Schnee um den 20ten Jänner nach Reims, zu 5 Personen, und werde mich eventuell auch durch Scheewehen durchkämpfen ohne dauernd auf eine Stromvorrats-Anzeige lugen zu müssen. Bei Hin- und Rückfahrt werde ich mindestens 80 Kilometer nur mit Strom fahren. Desweiteren in jedem Stau, inner- und ausserorts. Lohnt sich und stimmt den Umweltgott gütig.

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