Motorsport kann auch leise, sauber, immer noch gefährlich und innovativ sein, wenn statt fossilen Treibstoffen Strom die Räder antreibt. Nach einer motorsportlichen Unterbrechung von zwölf Jahren ist Jaguar wieder auf die Rennpisten zurückgekehrt. Damit kehrt eine der erfolgreichsten Rennsportmarken auf die Motorsportbühne zurück. Nur wählten die Briten einen ganz
anderen Wettbewerb als die Wettbewerber, dem wahrscheinlich die Zukunft gehört.

Elektrifizierung ist Kern der Zukunft

Das neue Engagement haben die Briten unter das Thema “electrify and innovate” gestellt, und kämpfen nun in ihrer ersten Saison um Punkte und Erfahrung in der elektrischen Rennserie. Innovation und Motorsport hat bei den Briten Tradition. Immerhin war Jaguar die erste Marke, die ihre Rennwagen mit Scheibenbremsen auf die Piste schickte. Jetzt also der Wechsel auf den elektrischen Antrieb. “Für uns”, so ein Jaguar-Sprecher, “ist die Elektrifizierung der Kern der Zukunft, und deshalb gehen wir in der Formel E an den Start.”

Formel zum Anfassen

Schließlich bietet die Formel-E-Serie dem Hersteller eine weltweite Bühne, um zu zeigen, dass Elektromobilität keine langweilige Angelegenheit für grünbewegte Zeitgenossen ist, sondern vielmehr sportliche Zeichen setzen kann. Im Gegensatz zur abgehobenen Formel 1, die zwischen sich und den Fans einen schier unüberwindbaren Graben geschaffen hat, ist die Formel E eine bodenständige Veranstaltung.

Jeder hat 2 Autos

Alle Formel-E-Piloten müssen neben dem schnellen Navigieren auch lernen, so viel Energie zu sparen wie möglich, ohne dabei den Anschluss zu verlieren. Mit einem leichten Surren rasen die Boliden über die Strecken, die in den Zentren der Metropolen angelegt sind. Weil die Reichweite der Energiespeicher noch nicht für eine volle Distanz ausreicht, müssen die Piloten zur Mitte der Rennen in einen gut geladenen Zweitwagen steigen und das Rennen beenden.

270 PS für 880 Kilo

Der Elektro-Bolide bringt trotz des extrem leichten Wabenplatten-Fahrwerk aus Kohlefaser rund 880 Kilo auf die Waage, die von
einem 200 kW / 270 PS starken Elektromotor auf maximal 250 km/h beschleunigt werden. Nach dem Start vergehen gerade rund vier Sekunden, bis 100 km/h erreicht sind. Allein die in einem Karbon-Panzer verpackte Lithium-Ionen-Batterie bringt 320 Kilo auf die Waage. Die Formel-E-Rennwagen übertragen die Motorleistung über ein mittels Schaltwippen am Lenkrad bedientes Zweiganggetriebe an die Antriebsräder.

Für die Jaguar-Truppe ist die aktuelle Saison, die sich ihrem Abschluss nähert, ein Lehrjahr. Deshalb arbeiten die Entwickler der Jaguar-Motorsportabteilung mit Hochdruck am Rennwagen für die nächste Saison, die im Oktober beginnt. Im Gegensatz zur Formel 1 “dürfen wir keine neuen Teile während der Saison montieren, und deshalb stehen bei der Weiterentwicklung zwei Eigenschaften im Mittelpunkt. Zum einen müssen wir die Effizienz verbessern und das Gewicht optimieren”, erklärt ein Teamsprecher.

tageblatt.lu/ampnet