Allrad und Power und vier Leute rein. Soll das noch Mini sein? Die Frage ist berechtigt. Wir mussten uns früher verrenken und schalteten uns beim Fahren das rechte Knie wund. Und heute fahren da vier Erwachsene im neuen Mini und geniessen Komfort auf den man damals freiwillig verzichtete, wenn man “in” oder “in the mood” oder “trendy” sein wollte.

Clubman und Countryman

„Club“ und „Country“ haben viel gemeinsam, manchmal vereinigen sie sich zu einem patriotischen „Country-Club“, was vielerlei Interpretationen zulässt. Für die einen bedeutet das einen exklusiven Golf-Club, für andere eine Holzhütte mit Tresen wo Country-Musik läuft. Für die Marke Mini sind es zwei Cousins, nämlich ein Break genannt „Clubman“ und ein anderer, der eine kleine Nummer grösser ist und den Namen „Countryman“ trägt. Das klingt verwirrend, muss es aber nicht sein, denn in beiden lässt sich auch eine Golf-Ausrüstung unterbringen, oder eine Kettensäge falls Sie es mehr mit dem Wald haben.

Zweimal All4

Beide Modelle, die wir neulich probierten, haben Allrad (All4), ein sportliches Innenraumdesign im bewährten Mini-Look, beide haben fünf Türen und können auch zwei Erwachsene mühelos und bequem auf der Rückbank transportieren. Beide haben genug Power, um zügig durch die Gegend zu fahren und beide haben genug Grip, um dies vor allem in engen Kurven ziemlich aufregend zu gestalten.

Zwei Grosse mit Mini-Status

Früher musste man sich schon etwas anstrengen, um in einen Mini einzusteigen, aber man tat es gerne, denn ein Mini war Statussymbol für eigenwillige Zeitgenossen mit Sinn für das Extravagante, die gerne tief stapelten, tief sassen und tief fuhren und dafür hohen Aufmerksamkeitsgrad genossen. Heute ist das ganz, ganz anders. Der Mini ist erwachsen geworden, so als wenn aus einem Mini-Rock ein langer Flamenco-Rock geworden wäre. Man merkte es spätestens, als die enge und überfüllte Turiner Innenstadt für das Remake von „Italian Job“ mit den nicht weniger überfüllten aber immer noch sehr breiten Boulevards von Los Angeles ersetzt wurde, weil die neuen Minis viel zu gross geworden waren, um in Turin durch Abwasserkanäle zu fahren.

Der Clubman All4 ist 4,25 m lang, 1,80 m breit und 1,44 m hoch, der Countryman All4 überragt ihn mit 4,30 m Länge und 1,55 m Höhe um einiges. Dafür kann der Clubman leistungsmässig auftrumpfen. Der Cooper Works Clubmann leistet 231 PS aus seinem Zweiliter Benziner, die wir vornehmlich auf der Landstrasse erleben durften und die Dank einer 8-Gang Steptronic-Automatic immer im richtigen Moment auf die vier Räder gebracht werden, wobei man im „Sport“-Modus wirklich rasant und dynamisch zur Sache gehen kann.

Der grössere Countryman gibt sich mit „nur“ 192 PS aus dem Zweiliter zufrieden, die wir mit manueller 6-Gang-Schaltung fuhren. Er ist kein Kind von Traurigkeit und zeigt sich auf langer Autobahnfahrt von einer angenehmen Seite, auch wenn Federungsverhalten und Fahrwerk eher auf rauhere Umstände ausgelegt sind, wo man sich vorsorglich hütet, auf der Rückbank ein Nickerchen einzulegen.

Beide Autos sind vortrefflich ausgestattet und bieten ein attraktives Interieur an, das den Unterhaltungswert dieses Autos noch steigert. Wer sich die Aufpreisliste ansieht und dann ausrechnet, was ein solcher Flitzer bei voller „Bewaffnung“ im Vergleich zum Basispreis kosten wird, wird sich allerdings in einen derartigen Wutausbruch steigern, dass man nur hoffen kann, dass in seinem Kofferraum nur eine Golf-Ausrüstung und keine Kettensäge liegt.

msch