Dass E-Fahrzeuge irgendwann die Autos mit Verbrennungsmotoren ersetzen müssen, weil es nicht mehr anders geht, scheint offensichtlich. Die Frage ist nur, wann wir denn endlich die notwendige Infrastruktur haben werden, welche dies ermöglicht. Eine Sache ist gewiss: Billig werden wird E-Mobilität nicht. Auch nicht in Luxemburg. Das Tageblatt befragte Jeff Paulus* von der Geschäftsleitung von Südstroum zum Thema E-Mobility und Ladesäulen.

Der E-Autopark in Luxemburg

64.435 Fahrzeuge wurden im Jahr 2017 in Luxemburg neu angemeldet, darunter 52.775 Pkw. Der derzeitige Automobilpark in Luxemburg angemeldeter Pkw beläuft sich auf etwa 403.000 Einheiten, nur ein Bruchteil davon sind E-Mobile. Im letzten Jahr wurden 386 E-Autos neu angemeldet, wohl eine spektakuläre prozentuale Steigerung im Vergleich zu 2016 (+ 166%), aber immer noch zu gering, um hier von einem Durchbruch sprechen zu können. Etwas besser sah es bei Hybrid-Fahrzeugen aus, mit 1.550 Neuanmeldungen in 2017 und einem Plus von 94% gegenüber 2016. Bei den kurzen Distanzen, die Luxemburgs Einwohner in der Regel auf der Fahrt zur Arbeit, zum Einkaufen oder sonst wohin bewältigen, kommt dem Hybrid-Antrieb schon eine gewisse Bedeutung zu, zumal der E-Motor in diesem Fall bei langsamem Tempo in Wohngebieten nützlich eingesetzt werden kann. Dennoch rechnet sich Hybrid-Antrieb auf Dauer nicht in puncto Verbrauchsreduzierung, da hier ein kleiner Benziner immerhin das Mehrgewicht eines E-Motors fortbewegen muss und bei freier Fahrt auf der Landstraße ohnehin voll belastet wird. Bleiben also nur die Mobile mit exklusivem E-Antrieb, die langfristig eine Lösung darstellen, es sei denn, man macht ungeahnte Fortschritte im Bereich des Brennstoffzellen-Antriebs, der jedoch technisch und preislich eine ungleich höhere Herausforderung darstellt als ein von Batterien gespeister E-Motor und in seiner Entwicklung noch nicht so weit ist, als dass man sich schon mit einer wirksamen Infrastrukturplanung auseinandersetzen könnte, was die Verteilung und den Nachschub von Wasserstoff betrifft.

All-Electric-Autos auf dem Markt

BMW ist in diesem Segment mit den i3 (36.000 Euro) und i8 (131.250 Euro) vertreten. Citroën bietet einen C-Zero zum Preis von 29.000 Euro an, bei Ford erhält man den Focus Electric für 35.120 Euro. Die Kosten für einen Hyundai Ioniq belaufen sich auf 33.842 Euro, jene für den Mitsubishi i-MiEV auf 27.000 Euro und die für den Nissan Leaf auf 26.600 Euro. Die Renault-Gruppe ist mit Nissan, Mitsubishi und eben den Renault-Modellen Renault Twizy (ab 6.758 Euro), Renault Zoé (21.321 Euro) und Renault Kangoo Z.E 33 (25.623 Euro) Vorreiter im Bereich der E-Mobilität und Nissan hat mit dem e-NV200 ein leichtes Nutzfahrzeug auf den Markt gebracht. Auch Peugeot ist dabei mit dem iOn (29.366 Euro), ebenso Smart mit dem smart electric drive für 21.855 Euro und VW mit dem e-up (25.300 Euro) und dem e-Golf (Grundpreis 35.500 Euro). Sprintstark und mit annehmbarer Reichweite kommen die Tesla-Modelle, allerdings zu einem ansehnlichen Einstiegspreis von 80.040 Euro für den Tesla S und 95.600 Euro für den Tesla X.

Tageblatt: Herr Paulus, gibt es in Luxemburg so wenig E-Autos, weil sie zu teuer sind oder weil die notwendige Infrastruktur (Ladesäulen) noch nicht vorhanden ist?
Jeff Paulus: Meiner Meinung nach liegt das nicht an der Ladeinfrastruktur, die mittlerweile ja im vollen Ausbau ist, sondern erstens an den Preisen und zweitens an der Unsicherheit der Leute.

Ist die Zielsetzung des Ministers realistisch, was den Anteil der E-Autos am Automobilpark in Luxemburg betrifft?
Die Zielsetzung ist nicht realistisch. Das sieht man ja schon an den Zulassungszahlen. Außerdem hat die Abschaffung der finanziellen Unterstützung nicht dazu beigetragen, dass der Verkauft der E-Autos steigt.

Wie sieht es bei der Aufstellung der Ladesäulen aus?
Die fünf Strom-Netzbetreiber (Sudstroum, Creos, Gemeinde Ettelbrück, Gemeinde Diekirch und Electris) wurden vom Ministerium beauftragt, in ganz Luxemburg 800 öffentliche Ladesäulen zu installieren. Das Projekt trägt den Namen Chargy und schreitet sehr gut voran.

Wie viele haben wir zurzeit und wo stehen die?
Zum 31.12.2017 wurden insgesamt 102 Chargy-Ladesäulen installiert. Diese stehen quer durchs Land. Nähere Infos finden Sie auf der Internetseite www.chargy.lu.

Wer bestimmt, wo sie hinkommen? Wer hat hier die Entscheidungsgewalt? Das Ministerium? Die Gemeinden?
Das Ministerium MDDI hat den Netzbetreibern die Anzahl und die Gemeinden mitgeteilt, in denen die Säulen installiert werden sollen. Es wurde auch festgehalten, dass mindestens eine Säule in jeder Gemeinde installiert wird. Jeder Netzbetreiber plant die Installation direkt mit den Gemeinden. Die Netzbetreiber müssen dann mit den Gemeinden klären, wo diese Säulen genau hinkommen sollen. Hier müssen die Infrastrukturen der Netzbetreiber berücksichtigt und ggf. ein Kompromiss mit den Gemeinden gefunden werden.

Gibt es mehrere Stromanbieter, die sich hier die Infrastruktur geografisch aufteilen?
Die öffentlichen Ladesäulen werden von den Netzbetreibern installiert. Jeder Netzbetreiber muss mit der oder den Gemeinden in seinem Netzgebiet klären, wo die Ladesäulen installiert werden sollen. Jeder Stromanbieter kann dann auf die Chargy-Säulen zurückgreifen.

Welche Rolle spielt hier der Stromanbieter?
Die Stromanbieter können ihren Kunden über die Chargy-Infrastruktur einen Ladeservice anbieten. Der Kunde kann dann an jeder der 800 Ladesäulen laden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, schon vorhandene Säulen in die Chargy-Plattform mit einzubinden.

Gibt es hier so etwas wie eine öffentliche Ausschreibung?
Die fünf Netzbetreiber haben zusammen eine europäische öffentliche Ausschreibung erstellt.

Wo kommen die Ladesäulen her? Gibt es unterschiedliche Produzenten?
Die Ausschreibung hat die belgische Firma Powerdale gewonnen, die ihre Niederlassung in der Nähe von Brüssel haben. Powerdale ist eine sehr innovative Firma mit gutem Know-how in der E-Mobility.

Wie zahlt der Kunde? Über Abo, Kreditkarte, Spezialkarte?
Die Authentifizierung an der Ladesäule selbst geschieht über eine RFID-Karte. Wir haben uns hier für die MKaart entschieden. Der Kunde muss dann mit seinem Service-Anbieter klären, wie die Bezahlung nachträglich erfolgen soll. An der Säule selbst kann man jedenfalls nicht direkt zahlen.

*Jeff Paulus, Jahrgang 1984, arbeitet seit dem 1.10.2008 bei der Firma Südstroum. Anfangs war er als Ingenieur zuständig für die Messung sowie Systemintegration, Mitte 2013 ist er dann in die Geschäftsführung gewechselt.

3 Kommentare

  1. En ale Prius kann méi belleg am Verbrauch gin, déi weien net vill. Bon, da muss d Battrie nach eppes sin.
    As souwisou idiotesch dat Ganzt. Manner nei Autoen, besser Qualitéit vun de Baudeeler a scho kann een etlech Fabricken zou maachen. Dat wier hallefwéichs gréng. Nee, mir kaafen eis “gréng”, as jo iwwerhaapt kee Widersproch…

  2. An alt erem get an den Präisser net erwähnt datt z.Bsp. bwi Renault guer keng Batterie am Präis ass. Dei kascht minimum 50€/Mount zousätzlech, an wärt nie an den Besetz vum Keefer iwwergoen.
    An wann Renault den (finanziellen) Interessi un dengem Auto verleiert, kennen se iwwer GSM-Netz d’Batterie deaktiveieren.

  3. Dee puren Elektroauto as de Moment nach nët unzestriewen, och keen “Stecker-Hybrid”. Fir all Portmonni gin ët Bensin-Hybriden, wou eng extra Batterie vum Auto selwer geluede gët. D’Elektrokonzerner verdéngen also näischt op Kabel mat Stecker an de Spezialstecker um Auto, an och net per Bornen + Tarif fir do opzelueden. Demno wou ee keeft as d’Batterie 10 Joer garantéiert ënnert der Konditiou’n dass een all Joer seng Revisiou’n mecht. Ech fueren sou eppes a kann nëmme soen: do wou anerer 2-3-4-mol xx Minuten oder Stonnen mussen oplueden, fueren ech deelweis mat der Kraaft vu menger Batterie (besonnesch Stad an Stau) a mat dem absoluten minimalen Bensinverbrauch am Verglach zu engem puren Bensiner mam – selwechten Motor (ccm) a Gewicht-.
    (Iwregens verléiert och ee puren E-Auto un Effizienz well dé muss och eng schwéier Batterie schléfen. Wat den Auto méi kleng, wat dat Gewiicht verhältnisméissech méi nodélech as. Souwisopu verléiert se mat all Kilometer Kraaft, wat bei engem ‘Sebstlader-Hybrid nët de Fall as: op E-Betrieb gët dauernd d’Batterie gelueden.)
    Ech hu keen Openthalt fir der Elektrobranche hir Késen per borne ze fidderen. Am fernen Osten gin ët Hiersteller déi schons 20 Joer Erfahrung hun, allen virop Toyota, eng Mark déi ze ernimmen leider vergiess gin as hei. An Europa fänken se lo mol séier in ze fummelen an ze knäipen. (Ech hun mat Autoverkaaf asw. nix ze din.
    Bornen: Jiddereen huet SENG Bornen, SENG Steckeren, SENG Präisser: do muss een Idealist sin fir sech mat deem Trick ofzocken ze loosen.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here