Wo fühlt sich ein Sportwagen wie der Mazda MX5 am wohlsten? Natürlich auf kleinen, kurvigen Nebenstraßen. Also los nach England — frühere Heimat der kleinen Sportwagen, tolle Straßen, keine aggressiven Autofahrer, kein Marken-Neid und Bier, viel Bier.

Da Oma mit den Springerstiefeln keine Zeit hatte – sie besuchte einen Kurs über geräuschlose Lebertransplantation auf einem Billardtisch – musste mein Kumpel Paul “The nail” mit, der sich mit seiner Ortskenntnis (“Wir müssten ungefähr 300 Meilen südlich von Sunderland sein”) für diese Reise geradezu empfahl.
Natürlich sind wir beide etwas zu groß für den kleinen MX5, aber man tut es gern für den Job, das Vaterland und Crystal Palace.

Im Garten Englands

Es war eine schwierige, hindernisreiche Reise, doch als wir erst einmal nach drei Stunden den Kreisverkehr “Irrgarten” passiert hatten, befanden wir uns im Nu auf der M20 nach London, verließen die Verbindungsautobahn zur M25 West in Richtung Sevenoaks, peilten dann Westerham an, wo eine Statue von Sir Winston auf einer Grünfläche inmitten von kleinen Shops und Tee-Läden majestätisch über den Frieden und den gemütlichen Tagesablauf dieses malerischen Dorfes wacht und zogen dann weiter nach Norden, nach Biggin Hill. Hier befand sich einst der größte Fliegerhorst der RAF im Zweiten Weltkrieg, von wo aus die Spitfire runter zur Küste düsten, um dort den Messer- und anderen Schmitts die Hölle heiß zu machen. Heute ist Biggin Hill ein wichtiger Standort für Privat- und Geschäftsflugzeuge geworden, von wo aus die vermögenden Engländer sich freitags zum Wochenende nach Spanien aufmachen, um dort vor den Deutschen ihre Handtücher auf die Liegen am Pool nieder zu legen.

Agil und wendig

Der Mazda MX-5 RF fühlte sich auf den kleinen Landstraßen pudelwohl, zog agil und präzise durch die engen Kurven, erschreckte mit seinem kernigen Klang auch schon mal ein paar Eichhörnchen, reagierte prompt auf jeden Gasbefehl und zog auch im sechsten Gang noch geduldig ruckfrei durch, wenn wir vor lauter Bewunderung für die herrlichen Landschaften das Schalten vergessen hatten. Ein gesunder Zweiliter-Motor mit 160 PS lässt hier von sich hören, er verzichtet auf Turbo und bietet dafür bemerkenswertes Ansprechvermögen und solide Durchzugskraft. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist hart und kurz, da hat man die Hände schnell wieder am Lenkrad und genießt die Fahrt. Der MX-5 RF ist noch ein echter Sportwagen mit Hinterradantrieb, eingeschränkter Sicht nach hinten, kleinem Kofferraum und ansonsten wenig Platz im Innenraum, sonst wäre er ja auch kein reiner Sportwagen. Dafür hat er Toter-Winkel- und Spurhalte- Assistenzsysteme, ist ansonsten gut und hochwertig ausgestattet und verarbeitet, mit Ledersitzen und Ledereinlagen am Armaturenbrett.

Nur sollte man sich alle 500 Kilometer die Zeit zum Aussteigen nehmen und sich die Beine etwas vertreten. Beispielsweise zum Tanken. Hier stehen einem nur knapp 6,2 Liter zur Verfügung, das ist wenig angesichts des Temperaments dieses Motors. RF steht übrigens für “Retractable Fastback” und bedeutet Hardtop-Dach, das sich elektrisch öffnen und versenken lässt. Wir vergaßen glatt, es zu öffnen. Muss wohl am Fahrspaß gelegen haben.

msch