Eine wichtige Referenz ist das reale, preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt („PIB en volume“). Es wächst oder es schrumpft, wobei letztgenanntes Phänomen als „schlecht“ gilt. Das Mainstream-Denken fußt mehr denn je auf der Sucht nach dem Mehr; ob dieses Mehr an produziertem Wert die Lebensqualität steigert, gilt als zweitrangige Frage.
Lobbyisten mögen „gute“ BIPs eigentlich nicht, weil sie der jeweiligen Regierung, sofern sie keine streng neoliberale ist, als Argument für höhere Staatsausgaben, eventuell zugunsten sozialer Transfers, dienen könnten.

Deshalb zielt ihre (der Lobbyisten) Öffentlichkeitsarbeit darauf hin, ein bemerkenswertes BIP-Plus zu zerreden („Ja, aber da wären besondere Umstände zu berücksichtigen, darüber hinaus könnten die Kriege und Attentate negative Wirkungen zeitigen, wir raten zur Vorsicht, die Krise ist noch nicht überstanden, anstatt wegen des BIP irgendwelche Ausgaben emporzuschrauben, sollte man die Steuern der Unternehmen senken, denn unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den andern sinkt“, usw., usf.). Aber das gehört halt zu einer lebendigen Auseinandersetzung.

Aus unserer Sicht kann eine verantwortungsbewusste Regierung jetzt, Ende 2015, davon ausgehen, dass der BIP-Langzeittrend steuerliche Entlastungen zugunsten der kleinen und mittleren Einkommen ermöglicht und dass Zuwendungen an Kleinsteinkommen tragbar sind. Ob darüber hinaus auch Entlastungen für die Unternehmen zu verkraften wären, wäre sorgfältig zu prüfen und nicht von vornherein auszuschließen.

Mehr Kaufkraft der Kundschaft täte solchen Handwerks-, Handels- und Dienstleistungfirmen gut, die ihr Geld nicht auf den großen regionalen, europäischen oder weltweiten Märkten verdienen, sondern hier vor Ort.


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Unsere Grafik 1 zeigt die Entwicklung des preisbereinigten BIP in Prozent jeweils zum Vorjahr. Seit 2013 bewegt sich die Luxemburger Volkswirtschaft wieder im gleichen Schritt vorwärts wie durchschnittlich in den fünf Jahren vor der Krise 2008/2009. Alle Prognosen für die nächsten drei Jahre kündigen ein robustes Wachstum an, das wir hier nicht in Zahlen ausdrücken, weil kleine Schwankungen nach oben wie nach unten nicht relevant sind.


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Unsere Grafik 2 setzt das preisbereinigte BIP des Jahres 2008 mit dem Index 100 gleich und zeigt auf, wo die 28 EU-Mitgliedstaaten 2014 stehen. Nur das kleine Malta und das große Polen schlagen Luxemburg in dieser Disziplin.
„Wir“ kommen tatsächlich schneller voran als die Bestgerühmten wie etwa Deutschland und Großbritannien.
Lassen wir uns diese gemeinsame Leistung nicht von interessierter Seite schmälern!

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